Einführung in die Thora Israels מבוא לתורת ישראל

22. März 2008 geschrieben von   Freigegeben in Einführung in die Lehre Israels
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ב"ה

März 2008 / Adar II. 5768

Schim’on der Gerechte lehrte:
Auf drei Dingen steht die Welt –
Auf Thora, G-ttesdienst und den Liebeswerken
PIRKE AWOT 1,2

 

Ziel dieser Arbeit ist es, mit G-ttes Hilfe den TANA“CH und das Neue Testament mit den Mitteln der jüdischen Tradition im Einklang mit dem Glaubensgrundsätzen Israels auszulegen, sowie das Leben des Mannes Jeschua Ben-Joseph Ben-David versuchen nachzuzeichnen, dem König und Erlöser Israels und der Menschheit, möge er bald und zu unseren Tage kommen! Amen. Sela.

Aufgrund der traumatischen geschichtlichen Erfahrung ist das Neue Testament in seiner heutigen Erscheinungsform aus der Sicht Israels ein Machwerk des Antijudaismus, welches nur abgelehnt werden kann. Die vielen, von den Feinden Israels antijüdisch gedeuteten Passagen im NT, aber auch im TANA“CH, dienten im Verlauf von Jahrhunderten vielfach als Rechtfertigung für Pogrome, Mord und Totschlag und leider dominiert diese Geisteshaltung in allen Übertragungen der Heiligen Schrift. Erst nach dem Holocaust setzte sich in den Reihen der heidenkirchlichen Theologen die Einsicht durch, dass es eines neuen Deutungsansatzes bedarf – frei von jeder antijüdischen Polemik. Die historisch-kritische Methodik bietet der kirchlichen Theologie die Mittel für einen solchen Versuch, wobei dort weniger der Textgehalt im Mittelpunkt der Forschung steht, sondern die Suche nach dem „Urtext“ des Evangeliums an sich, wohl mit dem Ziel oder der Hoffnung durch seriöse Forschung eine „saubere“ Fassung, also eine, die keine Antijudaismen beinhaltet, zu finden, bzw. zu erarbeiten. Diese Methodik ist selbst zum Gegenstand von Kritik geworden, jüdischerseits gerade dort, wo der TANA“CH, die fünf Bücher Mose, die Propheten und die Schriften von den Forschern ins Visier genommen wurden[1]. Wie auch immer, es ist nicht das Ziel meiner Arbeit, die verschiedenen Auslegungsarten der Heiligen Schrift und des NT zu analysieren, zu vergleichen oder zu bewerten.

Doch Angesicht der brutalen Verfolgungen Israels im Namen des Kreuzes und Jesu Christi, der Verunglimpfung und Entweihung von allem, was uns, Juden, heilig ist, klingt es in den Ohren eines jeden vernünftigen Menschen wie Hohn, wenn Vertreter einiger kirchlicher Richtungen der Moderne unserem Volk deren eigenes, und uns fremdes Verständnis des Heils „näher“ bringen wollen, von welchem das Neue Testament Zeugnis geben soll. Im Glauben verirrte Juden und Nichtjuden predigen heute im Heiligen Land die Errettung von den Sünden im Namen Jesu, den sie für G-tt halten (behüte!), dabei gilt ihnen der Glaube unserer Väter nichts, heißt es doch in Schemot 20: Ich bin der Ewige dein G-tt und keiner sonstund du sollst keine anderen Götter neben mir haben, sich keine Bilder von ihnen machen, sich vor ihnen nicht verneigen und ihnen nicht dienen. Sie behaupten weiterhin, dass alle, die nicht an Jesus glauben, ewig in der Hölle schmoren würden. All das ist Unsinn und widerspricht nicht nur dem Glauben Israels, sondern auch jeder Vernunft, was im Verlauf von Jahrhunderten in mehreren Disputen zwischen den Kirchenvertretern und jüdischen Rabbis hinlänglich bewiesen[2], und inzwischen sogar von den Kirchenhäuptern der Römisch-Katholischen wie auch der Evangelischen Kirchen, leider nur betreffend Israel, abgelegt wurde.

Bedauerlicherweise ist innerhalb des jüdischen Volkes die wahre, jenseits der gegen die Kirchendogmen gerichteten theologischen Abwehr, auf der Thora Mosches gegründete Auseinandersetzung mit dem Neuen Testament fast zum Erliegen gekommen. Nur einige Wenige, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, haben es auf sich genommen, ohne die schmerzenden Wunden der antisemitischen Hetze abzudrängen, den Nebel der heidenkirchlichen Dogmatik weg zu blasen, die Schranken der traditionellen innerjüdischen dogmatischen Apologetik zu überwinden und sich ernsthaft mit dem Text des Neuen Testaments zu beschäftigen. Auch wir wollen es versuchen, im Bewusstsein, dass dabei wahrscheinlich mehr Fragen als Antworten gefunden werden. Möge Elijahu HaNawi uns bald die Gute Nachricht verkündigen und uns alle Antworten bringen! Amen.

Der TANA“CH und das Neue Testament

Der Rabbi Jeschua HaMelech HaMaschiach lebte ein frommes Leben in der Mitte seines Volkes auf dem Boden des damals von Rom beherrschten Heiligen Landes. Seine Ziele, seine Sprache und Lehre sowie sein Wirken sind daher für gebildete und praktizierende Juden im Allgemeinen nachvollziehbar. Doch gleichzeitig ist jede seiner Handlungen und Worte einmalig und spezifisch messianisch, was die enorme Komplexität der Auslegung erklärt, die jedoch dadurch nicht unmöglich wird, so HASCHEM will.

Der Schlüssel zum Verständnis der Lehre des Maschiach ist auf jeden Fall die Kenntnis der Schriftlichen und der Mündlichen Thora von Mosche Rabbenu, welche der Ewige g.s.E. Seinen Bund nennt, wie es heißt (Schemot 34,27): „Und der Ewige sprach zu Mosche: Schreibe dir diese Worte auf; denn nach dem Inhalt dieser Worte habe ich mit dir und mit Israel den Bund geschlossen.“ Sowohl die Worte selbst (die schriftliche Thora), als auch deren Verständnis (die mündliche Thora) sind Gegenstand des Bundes, und wurden beide dem Mann G-ttes vollständig vermittelt, worin die Auslegungsregeln natürlich beinhaltet sind. Dadurch war es Mosche Rabbenu und seinen Nachfolgern möglich, im Willen des Ewige g.s.E. zu forschen, Gesetze der HALACHA bindend für ganz Israel zu bestimmen und die höchsten gerichtlichen Entscheidungen zu treffen, solange der Sanhedrin bestand[3], der 70-köpfige Rat der Weisen Israels.

Die Mündliche Thora

אֵלֶּה הַחֻקִּים וְהַמִּשְׁפָּטִים וְהַתּוֹרֹת אֲשֶׁר נָתַן ה' בֵּינוֹ וּבֵין בְּנֵי יִשְׂרָאֵל בְּהַר סִינַי בְּיַד משֶׁה.„Das sind die Satzungen und die Rechte und die THOROT, welche der Ewige zwischen Ihm und den Kindern Israel auf dem Berge Sinai durch Mosche gegeben hat“ (Wajikra 26,46). Dieser Vers wird von den Weisen als Beweis für die Übergabe der Schriftlichen und der Mündlichen Thorot (Plural von Thora) an Mosche Rabbenu[4].

Heute wird im Zusammenhang mit der mündlichen Thora fast ausschließlich der Talmud genannt, der eine immens wichtige Stellung im Judentum genießt. Die im Talmud zusammengefassten MISCHNA und GEMARA, das sind Gesetze und Gerichtsentscheidungen sowie Dispute der Gelehrten zu den Themen, sind dem Volk Israels heilig und bilden neben der geschriebenen Thora den Wissens- und Erkenntniskern, das von Generation zu Generation vermittelt wird. Der Talmud (sowohl der babylonische als auch der Jeruschalmi) ist jedoch nicht die gesamte mündliche Thora. Daneben sind zu nennen die AGADA und der MIDRASCH. Die erstere ist ein wesentliches Instrument der Weisheit G-ttes zur Beleuchtung und Verinnerlichung komplizierter Konzepte und Zusammenhänge der Thora. Der Midrasch vermittelt Einsicht und gibt dem Lernenden die Auslegungsmittel in die Hand, um in der Schrift zu forschen.

Das Gebetsleben

Das tägliche Gebet Israels – die AMIDA –, welches aus 18 BRACHOT Benediktionen komponiert ist, ist ein Wegweiser, will man erfassen, was für ganz Israel und damit auch für Jeschua HaMaschiach von zentraler Bedeutung war und ist. Damit beginnt auch die TFILA, das Gebet:

Der Bund mit den Vätern, der Glaube an den einen Allmächtigen G-tt, die Heiligung Seines heiligen Namens, die ersten drei der achtzehn Benediktionen, sind der Kern des jüdischen Glaubenlebens.

¨ Wir sind die Kinder unserer Väter, welche HASCHEM erwählte, um sich ein Volk von königlichen Priestern zuzubereiten, Ihm zur Verherrlichung bestimmt.
¨ Wir haben eine lebendige Hoffnung im Glauben an die Gerechtigkeit und die Gnade des Ewigen, unseren G-ttes, der tötet und belebt und Seine Treue den im Staub schlummernden bewahrt.
¨ Wir haben eine ewig währende Bestimmung: Den einen G-tt zu loben, zu preisen, anzubeten und Seinen Namen zu heiligen – durch Gedanken, Worte und Taten damit Er verherrlicht werde.

Verlieren wir diese drei Kernaussagen aus dem Fokus, so müssen wir

¨ zur Besinnung kommen,
¨ Buße tun und Umkehren,
¨ sowie um Entschuldigung bitten

und das ist der Gegenstand der nächsten drei Benediktionen.

Unsere Vergehen bringen uns in Gefahr, darum bitten wir HASCHEM nach den BRACHOT für die geistige Erneuerung um den Erhalt des Körpers:

¨ Uns aus den Gefahren zu erlösen,
¨ unsere Krankheiten zu heilen und uns Gesund zu erhalten,
¨ sowie die Ernte und das Werk unserer Hände zu segnen.

Gesundheit an Leib und Seele sowie die Prosperität sind wesentliche Voraussetzungen, damit der Mensch sich seiner Bestimmung widmen kann, doch sind sie vorhanden, erinnern wir uns, dass diese nicht Selbstzweck sind. Körper, Seele und Vermögen sind uns gegeben, um G-tt zu dienen und Ihn zuerkennen. Die Erfüllung dieser Bestimmung ist nur im Gelobten Land vollkommen möglich, daher bitten wir um

¨ die Sammlung des Volkes aus der Verbannung,
¨ um die Wiederherstellung des Rechtes und der Gerechtigkeit im Lande,
¨ sowie um die besondere Ausgießung Seiner Barmherzigkeit über Seine Treuen, ohne die wir als Volk nicht mehr existierten können.

Als Nation können wir erst dann unsere Bestimmung erfüllen, wenn

¨ unsere heilige Hauptstadt Jeruschalajim wieder aufgebaut, der Ewige g.s.E. mit Seinem heiligen Namen in Seinem Haus darin wohnt, und der Thron Davids wieder errichtet ist,
¨ der Maschiach Sohn Davids seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron eingenommen hat,
¨ unsere Gebete vor Seinem Angesicht Gehör finden, wobei die Erhörung der persönlichen Anliegen zur Ganzheit gehört.

Die letzten drei Benediktionen zeugen von

¨ unerschütterlichem Vertrauen, dass unsere Gebete erhört sind, die Verheißungen eintreffen, und der G-ttesdienst im Heiligtum wieder hergestellt werden wird.
¨ Dafür danken wir Ihm, dass der Ewige unser G-tt ist, unser Schild und unsere Burg von Generation zu Generation, der uns immer wieder erlöst und zu Seiner Zeit für immer erlösen wird.
¨ Dann wird der Friede SCHALOM herrschen im Himmel wie auf Erden, möge es bald und zu unserer Zeit geschehen! Amen und Amen.

Am Schabbat besteht die Amida aus sieben Benediktionen: die ersten und die letzten drei verbleiben, und anstelle der mittleren zwölf tritt die Benediktion zur Heiligung des Schabbat, wo der Ewige g.s.E. als Schöpfer, König, Gesetzesgeber, und Erlöser gelobt wird, der Seinem Volk Ruhe verschafft und die Künftige Welt, den Ewigen Schabbat in Einheit mit Ihm verheißt.

Der Tempel und das KORBAN

Der G-ttesdienst im Heiligtum hat eine zentrale Bedeutung für das Volk Israel, für die gesamte Menschheit und die ganze Schöpfung. Das Opfer im BEJT HAMIKASCH ist in der Thora besonders hervorgehoben, so dass es nur zu verständlich ist, dass der Opferkult die vorherrschende Assoziation des Tempels ist. Doch nicht der Opferkult ist das Wichtigste am Tempel, sondern die Tatsache, dass der Heilige g.s.E. mit Seinem heiligen NAMEN darin wohnt (1. Mlachim 8,14-21). Das Ziel des Menschen ist es, zur Einheit mit Ihm zu gelangen; der Weg zu Ihm, die Annäherung, ist die erstrangige Bedeutung des Begriffs KORBAN, erst nachrangig folgt das Opfer, dies sei gesagt, ohne die Bedeutung des Opfers mindern zu wollen.

Der Lebensweg als G-ttesdienst

Die vier Berichte vom Wirken des Herrn öffnen sich dem Suchenden im Licht des Gebetes Israels und bringen ihn dem Menschen Jeschua näher, seine Verwurzelung mit dem Volk und dem Land, seine Hoffnungen, Sehnsucht und Eifer, seine Lehre und sein Lebensweg. Gerade der Lebensweg gilt in Israel als die Verwirklichung des Gebets – das ganze Leben des Menschensoll G-ttesdienst sein, wie unsere Mütter seit jeher für ihre Kinder beten. Nicht nur die Ziele sind wichtig, sondern auch die Mittel sind von entscheidender Bedeutung. Dafür hat HASCHEM uns die Thora, die Schriftliche und die Mündliche durch Mosche Rabbenu gegeben, deren Kern die 613 MITZWOT Gebote und die HALACHA (nennen wir sie Durchführungsverordnungen) sind. Die 613 Gebote und ihre Bestimmungen sind kein rein formales Ritualgesetz, wie man oft außerhalb der Lehrhallen Israels hört, sondern der Weg zur Heiligung, Segnung und Einung mit HASCHEM. Selbstverständlich lebt der Fromme im Einklang mit dem Willen G-ttes. Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang, vom Aufwachen des Menschen bis seiner Bettruhe, der Tag und die Nacht, alles soll von der Heiligkeit durchdrungen sein, denn erst in diesem Rahmen kommt der Einfall des Neuen und Schöpferischen in Diese Welt, wo doch „nichts neues unter der Sonne“ ist (Mischle 1,9) – unter der Sonne nicht, aber bei G-tt schon. Daran glauben wir. Daran glaubte vor allem der Maschiach.

Die Gesetze sind der Rahmen, in dem nicht nur Israel, sondern alle Menschen leben. Die Frage ist nicht ob, sondern unter welchem Gesetz der Mensch lebt – Israel sind die MITZWOT am Sinai gegen worden. Die Kultur eines Volkes gibt stets Zeugnis von diesem Rahmen und von der Beziehung des Volkes zu ihm. Ohne sich mit Polemik aufhalten zu wollen, sei die Feststellung erlaubt, dass die Unkenntnis des Gesetzes Israels eine fundierte Auslegung des NT unmöglich macht. Genauso ist es den Historikern nicht möglich, die Geschichte Roms oder Griechenlands der Antike nachzuzeichnen, wenn sie die Legislative oder die Judikative außer Acht lassen, und man sich einzig mit der Exekutive befassen würden. Doch Israel der Antike und der Gegenwart ist nicht so weit von einander entfernt, wie die alten Imperien von Italien und Griechenland in der Moderne. Das gleiche Gesetz und dieselbe Thora von damals sind bis heute in der Mitte des Volkes gültig und lebendig, wodurch es möglich ist, Zeit und Raum zu überwinden, und dem Herrn auf dem Fuße zu folgen.

GMILUT CHASADIM Liebeswerke

Hierzu der Midrasch[5]:

Zitat:

[sinngemäße Übersetzung von BbM]

„Aufrichten die Wohnung“ (Bemidbar 7,1) – davon spricht der Vers (Schemot 15,13) „Du hast durch deine Güte geleitet…“ Die Weisen lehren: „Auf drei Dingen steht die Welt: Auf Thora und auf dem G-ttesdienst und auf den Liebeswerken“ und alle drei bedachte Mosche Rabbenu in einem Vers:

„Du hast durch Deine Güte geleitet das Volk, das Du erlöst“ das ist Gnade [Liebeswerke];

„hast es durch Deine Stärke geführt“ das ist die Thora, wie es heißt (Tehilim 29,11) „Der Ewige gibt Stärke Seinem Volke“;

„geführt zu Deiner heiligen Wohnung“ das ist der Dienst in der Stiftswohnung und im Tempel.

[Eine weitere Betrachtung.] „Du hast durch deine Güte geleitet“ das sind die Generationen von der Erschaffung der Welt bis die Kinder Israel aus Mitzrajim hinausgingen und die Thora empfingen, als der Heilige g.s.E. sie in Seiner Güte leitete, obwohl sie keine guten Werke aufzuweisen hatten, durch welche sie leben konnten und der Ewige g.s.E. ernährte sie in Seiner Güte, worüber David 26 Mal „denn ewig währt Seine Güte“ sprach, und in derselben Güte gingen Israel aus Mitzrajim. Davon sprach [Mosche Rabbenu]: „Du hast durch deine Güte geleitet das Volk, das du erlöst“, in Seiner Güte erlöste Er sie;

„hast es durch deine Stärke geführt“, führte sie im Verdienst der Thora, welche sie vor der Aufstellung der Stiftswohnung empfingen.

Womit ist die Welt in jener Stunde zu vergleichen? Einem Gefäß auf zwei Standbeinen, das nicht stehen kann und zittert. Als man ihm ein drittes Standbein anbrachte, wurde er stabil und stand fest. So auch als die Stiftswohnung gemacht wurde, wie es heißt „geführt zu deiner heiligen Wohnung“ wurde die Welt sofort stabil, wie sie zu Beginn nicht war, sondern [stand] nur auf zwei Standbeinen – Gnade und Thora, und zitterte. Als das dritte Standbein gemacht wurde, das ist die Stiftswohnung, stand sofort die Welt fest, wie geschrieben steht: „Aufrichten die Wohnung“. Woher [wissen wir], dass die Welt „Zelt“ genannt wird? Weil es heißt: „Aufrichten die Wohnung“.

Zitat Ende

Dieser Midrasch lehrt unter anderem die Dinge nicht isoliert und beziehungslos zu betrachten, um sie in „einem geistigen Regal abzulegen“, sondern immer nach dem Zusammenhang zu suchen, der im Plan G-ttes vor Anbeginn der Schöpfung vorhanden ist. Nicht Gnade allein, auch nicht die Stärke allein, und auch nicht der G-ttesdienst allein und für sich, sondern alle drei Dinge zusammen wirken zur Vollkommenheit hin, wie es in Tehillim 50,1 heißt: „G-tt [EL], der Allmächtige [ELOHIM], Ewiger [JHWH] sprach und rief die Erde, vom Osten die Sonne bis zu ihrem Niedergang“[6]. Doch die Liebe G-ttes ist die Ursache für die Schöpfung, für die Erschaffung des Menschen. Die Gabe der Thora und der G-ttesdienst erweisen sich als die Entfaltung der Gnade, als Lehre und Weg zur Annäherung an Ihn und zur Erkenntnis des Ewigen, denn Er möchte erkannt werden, wie es heißt (Hoschea 2,22) „Und Ich werde dich Mir anverloben in Treue und du wirst den Ewigen erkennen“.

Die Liebeswerke sind daher der Weg der Nachfolge G-ttes, denn durch sie wird Sein Name verherrlicht und die Wahrheit Seine Thora bezeugt. In Dwarim 13,5 heißt: „Dem Ewigen, eurem G-tt, sollt ihr nachfolgen und Ihn fürchten; und ihr sollt Seine Gebote beobachten und Seiner Stimme gehorchen und Ihm dienen und Jhm anhangen.“ Der Talmud lehrt[7] entsprechend, dass der Mensch in den Wegen G-ttes wandeln soll. Darüber spricht auch der Maschiach (Matitjahu 25,35-36): 35 Denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken; ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf; 36 nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich; ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir.“ Dieser Vers steht im direkten Zusammenhang zu den Liebeswerken G-ttes. Es heißt[8], der Heilige g.s.E. hat Frischvermählte gesegnet (Adam und Chawa im Paradies), Kranke besucht (Abraham nach der Beschneidung durch die drei Engel), Hungrige genährt (durch Manna in der Wüste), Durstigen zu trinken gegeben (Wasser aus dem Felsen), Tote begraben (Mosche Rabbenu) usw.

Wenn wir also Thora lernen, so muss das Ziel des Lernens stets die Tat sein, die Tat hat aber zwei Aspekte: den G-ttesdienst im Heiligtum, sowie die Mitzwot und die Liebeswerke. Wer Thora nicht lernt, der kann G-tt nicht gefallen, denn wie soll man wissen, wie man G-ttesdienst verrichtet und wie man Ihm nachfolgt? Der Lehrer des vollkommenen Weges ist der König Maschiach, wie es heißt (Matitjahu 23,10) „denn einer ist euer Lehrer des Weges, der Maschiach.“

Möge der Ewige, g.s.E., unsere Augen erleuchten durch Seine Thora und unsere Herzen im anhangen lassen durch Seine Gebote, und uns in Seinem Sohn Jeschua HaMelech HaMaschiach zur Liebe und Ehrfurcht vor Seinem Heiligen Namen einen. Amen und Amen.

[1] Siehe hierzu die Werke von Rabbiner Joseph Carlebach, z.B. Die drei großen Propheten
[2] Z.B. RAMBA“N, Rabbi Mosche Ben-Nachman 1263 in Barcelona. König Jakob von Aragonien erklärte den großen Rabbi zum Sieger, konnte jedoch nicht verhindern, dass RAMBA“N vor dem Klerus aus Spanien fliehen musste. Siehe dazu Nachmanides, Rabbiner Dr. Chone, Morascha Verlag Zürich 1986.
[3] Nach der Zerstörung des II. Tempels durch die Römer wanderte der Sanhedrin von Ort zu Ort. Im Jahre 425 n. Chr. soll der Ältestenrat in Tweria seine letzte Sitzung gehabt haben.
[4] Safra, Parascha Bechukotai 2. Das Buch Safra ist der Halachische Midrasch von Waikra.
[5] Bemidbar Rabba 12,12
[6] Der Zusammenhang zwischen der Gnade, dem G-ttesdienst und den Liebeswerken zu den drei oben genannten Namen des Einen G-ttes wird an einer anderen Stellen erörtert.
[7] bSotah 14a u.a.
[8] Bereschit Rabba 8,13; Kohelet Rabba 7,7 u.a.

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