Gottes unaussprechlicher Name השם

15. April 2010 geschrieben von   Freigegeben in Essays
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ב"ה

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht der unaussprechliche Name des Heiligen, gelobt sei Er, genauer, der Grund für die Aussprache des Tetragrammatons im Hebräischen vor allem mit den Namen ADONAJ und HASCHEM. Viele gutgläubige und g-ttesfürchtige Menschen nennen heute HASCHEM irrtümlicherweise mit dem Namen "Jahve" oder ähnlich und ich bin sicher, dass solange die Ehrfurcht im Bewusstsein ist, aus ihrem Mund diese Ansprache vor dem Ewigen, g.s.E., keine Entweihung darstellt. Gerade das Streben dieser Gläubiger nach Nähe und Heiligkeit des Einen G-ttes Israels motiviert mich, durch diesen geringen Beitrag die Informationslücke etwas zu schlissen.

Zunächst zu "Jehovah", "Jahve" usw.

Die Schreibweise Jehovah wird auf den katalanischen Dominikanermönch und Judenfeind Raymund Martini (1220-1284) zurückgeführt, der in seinem polemischen antisemitischen Werk "Pugio fidei adversus Mauros et Judaeos" ("Der Dolchstoss des Glaubens gegen Mauren und Juden") den angeblichen Beweis erbracht haben wollte, dass Jesus, wie ihn die kirchliche Dogmatik lehrt, der erwartete Messias sei, und der von den Juden noch zu erwartende Messias der Antichrist wäre , weshalb die Juden bereits in dieser Welt und zu seiner Zeit (das Werk ist 1278 erschienen) als Anhänger des Teufels und als Verdammte betrachtet werden müssten. Der Zensor der Inquisition Martini war durchaus gelehrt in Midrasch, Haggada und Talmud, was seinem Werk den Anschein der Glaubwürdigkeit verlieh. Das "Pugio fidei" hat in den nachfolgenden Jahrhunderten einen enormen Schaden angerichtet, wurde es doch mehrfach herangezogen, um gegen Juden Stimmung zu machen.[1] Martini soll der erste gewesen sein, der mit Hilfe der Punktierung des Namens ADONAJ, nämlich e-o-a, unter dem Namen JHWH, JeHoWaH bildete. Schließlich wurde diese Schreibweise in etlichen Drucken übernommen, u.a. auch in der Elberfelder Bibel. Sie wird im Vorwort der 2. Auflage von 1891 begründet: „Wir haben diesen Namen des Bundesgottes Israels beibehalten, weil der Leser seit Jahren an denselben gewöhnt ist“. Ab der der Ausgabe 1985 verzichtet die Elberfelder Übersetzung auf diese Scheibung und verwendet HERR an deren Stelle.

Es ist offensichtlich, dass Martini, der Feind alles Jüdischen, der auch am berühmten Religionsdisput 1263 in Barcelona beteiligt war (den allerdings Rabbi Mosche ben Nachman, auch Nachmanides genannt, erfolgreich für sich entschied[2]), wohl wissend um die Heiligkeit des Namens für Israel, eine Form der Entweihung wählte. Nicht etwa sein Wunsch nach G-ttesverehrung motivierte ihn , sondern der Hass. Diese böse Saat fiel auf einen empfänglichen Acker Gleichgesinnter, die sich auch heute hinter höflicher Dialog- bzw. Gesprächsbereitschaft versteckend wider besseres Wissens für Verwirrung gutgläubiger Menschen sorgen.

Doch gibt es auch eine Bewegung zum Positiven: Benedikt XVI. hat 2008 den Gebrauch des Namens "Jahve" in der Liturgie untersagt[3], nachdem der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni in einer Privataudienz 2006 darum gebeten haben soll[4]. Doch der Respekt des gegenwärtigen Papstes in diesem Punkt gegenüber dem Judentum soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass seine Haltung zur jüdischen Tradition des heiligen Namens weiterhin distanziert bis abwertend ist. Hier ein Zitat aus seinem Buch "Jesus von Nazareth"[5], Seiten 176-177: "Aber in der Welt von damals gab es viele Götter; so fragt ihn Mose nach seinem Namen, mit dem dieser Gott sich den Göttern gegenüber in seiner besonderen Autorität ausweist. Insofern gehört die Idee des Gottesnamens zunächst der polytheistischen Welt zu; in ihr muss auch dieser Gott sich einen Namen geben. ... So ist die Antwort Gottes zugleich Verweigerung und Zusage. Er sagt von sich einfach "Ich bin, der ich bin" - er ist schlechthin. Diese Zusage ist Name und Nicht-Name zugleich. Deswegen war es durchaus richtig, dass man in Israel diese Selbstbezeichnung Gottes, die in dem Wort JHWH gehört wurde, nicht ausgesprochen hat, sie nicht zu einer Art Götternamen degradiert hat."

Jedem einigermaßen gebildeten Juden fällt die Diskrepanz im Ton und Dictus aber auch in der Haltung zu Mosche Rabbenu auf, gegenüber dem hohen Anspruch vom Namen des Heiligen, gelobt sei Er, zu schreiben. Hier erscheint Mosche Rabbenu als ein Götzendiener, dem nicht bewusst war, vor wem er stand und etwas verwirrt nach dem Namen G-ttes fragte, als wäre dieser einer von vielen Göttern, Chalila. Die Antwort von HASCHEM soll eine Herablassung sein, damit Er "rufbar" sei und: "Er gibt sich irgendwie in unsere Menschenwelt hinein" (dort S. 178). Wie weit entfernt ist hier der Anspruch, den Jeschua HaMelech HaMaschiach im Vater Unser erhebt: "Geheiligt werde Dein Name!" יִתְקַדַּשׁ שְׁמֶךָ, der in der obigen Stelle kommentiert wurde.

Die Offenbarung des Namens

יִתְקַדַּשׁ שְׁמֶךָ ITKADASCH SCHMECHA, betet der Maschiach, Rabbenu Jeschua, und lehrt uns, ihm nachzusprechen. Der "Name" HASCHEM soll geheiligt werden. Welcher Name? Und warum nennt der Herr Jeschua den Namen nicht explizit, spricht den Namen nicht aus?

Betrachten wir zunächst eine bestimmte Stelle in der Heiligen Schrift, die uns helfen soll zu verstehen, auf welche Weise der Ewige, g.s.E., geheiligt werden wollte und will. In Dwarim 32,48-52 gebietet HASCHEM Mosche Rabbenu auf den Berg Nebo zu steigen, wo er das "ganze Land" überblicken sollte und danach dort sterben, weil er mit Aharon, seinem Bruder HASCHEM nicht geheiligt haben, wie es heißt (Vers 51): עַל אֲשֶׁר לֹא-קִדַּשְׁתֶּם אוֹתִי בְּתוֹךְ בְּנֵי יִשְֹרָאֵל" Weil ihr Mich nicht geheiligt habt in der Mitte der Kinder Israel". Nach Rasch"i zur Stelle ist die Situation in Bamidbar 20,8ff gemeint: "Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aharon, und redet vor ihren Augen zu dem Felsen, so wird er sein Wasser geben; und du wirst ihnen Wasser aus dem Felsen hervorbringen und die Gemeinde tränken und ihr Vieh." Mosche Rabbenu aber schlug den Felsen zwei Mal (Vers 11) worauf folgt (Vers 12): "Da sprach der Ewige zu Mosche und zu Aharon: Weil ihr Mir nicht geglaubt habt, Mich vor den Augen der Kinder Israel zu heiligen, deswegen sollt ihr diese Versammlung nicht in das Land bringen, das Ich ihnen gegeben habe" יַעַן לֹא-הֶאֱמַנְתֶּם בִּי לְהַקְדִּישֵׁנִי לְעֵינֵי בְּנֵי יִשְֹרָאֵלוגו'. Der Ewige, g.s.E., wollte durch ein besonders Wunderwerk, das in Seinem Namen vollbracht werden sollte, geheiligt werden. Auf das Wort von Mosche Rabbenu hin sollte lebendiges Wasser aus dem Felsen fließen, das Schlagen war nicht nötig. Damit wäre der Glaube des ganzen Volkes an HASCHEM als Schöpfer und Herrscher gestärkt worden, aber auch an Mosche und Aharon, Seine Diener. Das Wort hat eine mächtige Wirkung, es hat Schöpfungskraft. G-tt hat gesprochen und die Welt erschaffen. Groß erweist sich HASCHEM in Seinen Werken, wie König David es besingt (Tehillim 92,6): "Wie groß sind Deine Werke, Ewiger!" und groß ist der Heilige, g.s.E., in Seinen Rettungstaten, wie es heißt (Dwarim 11,2-3): "2 Und erkennet heute ... die Zucht des Ewigen, eures G-ttes, Seine Größe, Seine starke Hand und Seinen ausgestreckten Arm, 3 und Seine Zeichen und Seine Taten, die Er in Ägypten getan hat usw." Jochanan beginnt seine Botschaft mit "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei G-tt und das Wort war G-tt". Welches Wort war im Anfang, wodurch alles geworden war (Jochanan 1,3)? Das ist der Name von HASCHEM, י-ה-ו-ה. Und in Jochanan 12,28 sagt Jeschua HaMelech HaMaschiach: " אָבִי גַּדֵּל כְּבוֹד שְׁמֶךָ Mein Vater! Mache groß die Herrlichkeit Deines Namens!" Wodurch? Durch das Erlösungswerk an unserem Herrn Jeschua, seine Auferstehung von den Toten und die darauf folgende Verherrlichung seines Leibes zum ewigen Leben in OLAM HABA. Möge es uns und ganz Israel widerfahren bald und in unseren Tagen. Amen.

Wir erkennen, dass die Größe G-ttes mit Seiner Heiligkeit in Zusammenhang steht. Entsprechend ist auch unser Kaddisch formuliert: יִתְגַּדַּל וְיִתְקַדַּשׁ שְׁמֵהּ רַבָּא "Groß und geheiligt werde Dein großer Name usw." Wir können daher davon ausgehen, dass auch Jeschua HaMelech HaMaschiach diesen Zusammenhang im Vater Unser als erstes meint. Wo immer Menschen das Joch des Himmels auf sich nehmen, heiligen Sie den Namen des Heiligen, g.s.E.. Doch nun kommen wir zu der Frage, warum wir sagen sollen: "Sein Name werde geheiligt" und nicht einfach: G-tt werde geheiligt, oder HASCHEM werde geheiligt?

Darum kehren wir zurück zu der bereits angeführten Begegnung von Mosche Rabbenu auf dem Choreb. In Schemot 3,13 lesen wir: "Und Mosche sprach zu G-tt: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israel komme und zu ihnen spreche: Der G-tt eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie zu mir sagen werden: Welches ist Sein Name? Was soll ich zu ihnen sagen?" Und G-tt antwortete אהיה אשר אהיה"Ich werde sein, der Ich sein werde", allerdings soll Mosche Rabbenu nur einen Teil dieses Namens nennen: אהיה "Ich werde sein" hätte ihn gesandt. Schließlich im Vers 15 kommt der Satz: וַיֹּאמֶר עוֹד אֱלֹהִים אֶל-מֹשֶׁה כֹּה תֹאמַר אֶל-בְּנֵי יִשְֹרָאֵל ה' אֱלֹהֵי אֲבֹתֵיכֶם אֱלֹהֵי אַבְרָהָם אֱלֹהֵי יִצְחָק וֵאלֹהֵי יַעֲקֹב שְׁלָחַנִי אֲלֵיכֶם זֶה-שְּׁמִי לְעֹלָם וְזֶה זִכְרִי לְדֹר דֹּר: "Und G-tt sprach weiter zu Mosche: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: י-ה-ו-ה Der Ewige, der G-tt eurer Väter, der G-tt Abrahams, der G-tt Isaaks und der G-tt Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist Mein Name in Ewigkeit, und das ist Mein Gedächtnis von Geschlecht zu Geschlecht."

Wir lernen hier also zwei Namen: אהיה אשר אהיה und auf eine besondere Weise י-ה-ו-ה. Traktat bBrachot 9b lehrt dazu: "אהיה אשר אהיה (Schemot 3,13). Der Heilige, g.s.E., sagte zu Mosche: Geh' und sage den Kindern Israel: Ich war mit euch in dieser Versklavung und Ich werde mich euch sein in der Versklavung der [vier] Reiche[6]. Er sagte vor Seinem Angesicht: Herr der Welt! Jede Not hat ihre Zeit. Der Heilige, gelobt sei Er, sagte zu Mosche: Geh' und sage ihnen: "אהיה hat mich zu euch gesandt (dort)". Damit wird ausgesagt, dass mit diesem Namen das Erlösungswerk G-ttes verbunden ist. So wie HASCHEM Israel aus Ägypten erlöste, wird Er das Volk auch künftig erlösen. Doch wollte Mosche Rabbenu das Volk nicht damit erschrecken, das es möglicherweise in der Zukunft immer wieder versklavt werden könnte, noch bevor sie aus der Sklaverei Ägyptens befreit worden waren. Darum verkürzte HASCHEM die Sendung auf den einen אהיה, was auf die Erfüllung der Verheißung an Abraham Awinu hinweist. Dort heißt es im Bund zwischen den Stücken (Bereschit 15,13-14), dass der Ewige, י-ה-ו-ה die Nachkommen Abrahams nach 430 Jahren aus der Sklaverei befreien wird und dass das Volk, dass sie versklavte, gerichtet werden wird. Dennoch lesen wir in Schemot 6,3: "Und Ich bin Abraham, Jizchak und Jakob erschienen als der Allmächtige G-tt אל שדי; aber mit Meinem Namen Ewiger י-ה-ו-הhabe Ich Mich ihnen nicht kundgegeben." Natürlich kannten die Erzväter den Namen HASCHEM, aber immer unter dem Aspekt einer Verheißung, an die sie geglaubt haben, die aber noch nicht erfüllt wurde, das ist EL SCHADAJ. Nun aber, so Schemot 6,3, werden die Kinder Israel HASCHEM unter dem Namen אהיהkennen lernen, durch welchen Er sie erlösen wird.

Eine zusätzliche Erklärung zu אהיה finden wir in Schemot Rabba 3,6: "Und es sagte G-tt zu Mosche" (Schemot 3,14). Rabbi Abba bar Mammal sagte: Der Heilige, gelobt sei Er, sagte zu Mosche: Meinen Namen willst du wissen? Ich werde nach Meinen Werke genannt: Manchmal werde Ich mit EL SCHADAJ benannt, mit ZEBAOT, mit ELOHIM, mit HASCHEM. Wenn Ich die Geschöpfe richte werde ich ELOHIM genannt; wenn Ich Krieg gegen die Bösewichte führe werde Ich ZEBAOT genannt; wenn Ich Mich mit den Sünden der Menschen beschäftige, werde Ich SCHADAJ genannt; wenn Ich Mich Meiner Welt erbarme, werde Ich י-ה-ו-ה HASCHEM genannt, denn HASCHEM ist die Eigenschaft der Barmherzigkeit, wie es heißt (Schemot 34,6): ה' ה' אל רחום וחנון "Ewiger, Ewiger, G-tt, barmherzig und gnädig usw." Siehe אהיה אשר אהיה, Ich werde genannt nach Meinen Werken. Rabbi Jizchak fügt hinzu: Der Heilige, gelobt sei Er, sagte zu Mosche: Sage ihnen: Ich bin es, der da war; Ich bin es, der jetzt ist; und Ich bin es, der künftig ist, darum ist אהיה drei Mal [in Schemot 3,13] geschrieben." Der Ewige, gelobt sei Er, offenbart sich dem Menschen durch Seine Taten und natürlich ist Er immer der selbe Eine und Einzige, der sich nicht ändert.

 

Die Aussprache für י-ה-ו-ה

Der höchste Name ist י-ה-ו-ה, wie es heißt (Tehillim 97,9): כִּי-אַתָּה ה' עֶלְיוֹן עַל-כָּל-הָאָרֶץ מְאֹד נַעֲלֵיתָ עַל-כָּל-אֱלֹהִים: "Denn Du, Ewiger, bist der Höchste über die ganze Erde; Du bist sehr erhaben über alle Götter". Über diesen Namen sagt HASCHEM selbst: זֶה-שְּׁמִי לְעֹלָם וְזֶה זִכְרִי לְדֹר דֹּר "Dies ist Mein Name in Ewigkeit, und dies ist Mein Gedächtnis von Geschlecht zu Geschlecht". Nach bPessachim 50a gebietet HASCHEM selbst, wie Sein Name gelesen werden soll: In dieser Welt לְעֹלָם soll Sein Name anderes gedacht werden, als in der künftigen Welt: In dieser Welt wird ADONAJ gelesen, wo י-ה-ו-ה geschrieben steht; in der künftigen Welt wird er so ausgesprochen, wie es geschrieben steht. Darum hat die Messora (Tradition der Schreibung der Heiligen Schrift) in den meisten Fällen die Punktierung von לְעֹלָם unter die vier Buchstaben gestellt: יְהֹוָ-ה, damit der Leser besonders auf die Barmherzigkeit des Ewigen hingewiesen werden soll, durch die Er diese Welt regiert.[7]

Der erste, der den Ewigen, g.s.E., mit "Herr" אדני ADONAJ angesprochen hat, war Abraham Awinu, so bBrachot 7b: "Es sagt Rabbi Jochanan im Namen Rabbi Schimon ben Jochai: Vom Tage an, da der Heilige, gelobt sei Er, die Welt erschuf, gab es keinen Menschen, der den Heiligen, gelobt sei Er, אדון "Herr" nannte, bis Abraham kam und Ihn אדון "Herr" nannte, wie es heißt (Bereschit 15,8): ויאמר אדני ה' במה אדע כי אירשנה "Und er sagte: Herr, Ewiger, woran werde ich erkennen, dass ich es erbe?"[8] Das ist die erste Stelle in der Thora, wo der Ewige "Herr" genannt wird. Nach Schel"o HaKadosch (Rabbi Jeschajahu Horowitz, 16. Jh.) stand es eben Abraham als erstem Menschen zu, die Göttlichkeit des Ewigen auf Erden zu offenbaren und Ihn als Herrscher zu proklamieren, weshalb auch der Buchstabe האseinem Namen Abram hinzugefügt wurde. Im selben Traktakt steht weiter: "Raw sagte: Daniel wurde aus keinem anderen Grund geantwortet, als wegen Abraham, wie es heißt (Daniel 9,17): "Und nun erhöre unser G-tt das Gebet Deines Dieners und sein Flehen und lasse Dein Angesicht leuchte über Deinem verwüsteten Heiligtum um des Herrn אדני willen." Es hätte doch "um Deinetwillen" heißen sollen? Aber gemeint ist, wegen Abraham, der Dich mit "Herr" אדון anrief." Der Talmud lehrt hier, dass der Ewige, g.s.E., auf das Gebet Daniels hörte, weil dieser um Abrahams willen gebetet hat, der als erster Mensch die Herrschaft des Ewigen auf sich nahm.

Der Sohar, Teil II, Seite 124a (zur Parascha Jitro gegen Ende) fügt einen weiteren Aspekt hinzu: Wo immer der Name אדון in der Schrift genannt ist, wird auf eine bevorstehende Versetzung oder Vertreibung der Bevölkerung durch den Ewigen hingewiesen, wie in Jeschajahu 3,1: "Denn siehe, der Herr, Ewiger der Heerscharen, nimmt von Jeruschalajim und von Jehuda Stütze und Unterstützung hinweg usw." Ähnliches finden wir in Jehoschua 3,11 als das Volk vor der Landeinnahme stand: "Siehe, die Lade des Bundes des Herrn אדון der ganzen Erde zieht vor euch her in den Jordan." In diesem Zusammenhang wird die Ansprache Abrahams in Bereschit 15,8 klarer: "Und er sagte: Herr אדני, Ewiger, woran werde ich erkennen, dass ich es erbe?" Es ist natürlich auffällig, dass in den meisten Versen ADONAJ und in einigen ADON genannt ist. In beiden Fällen ist die Herrschaft des Einen G-ttes angesprochen, wobei ADONAJ die absolute Herrschaft über die Welt, die Erde und die Historie insgesamt bezeichnet, wohingegen ADON die spezifische Herrschaft über das Jetzt und Hier betont, die im Namen ADONAJ beinhaltet ist.

Wir fassen zusammen:

Der Ewige, gelobt sei Er, meinte etwas besonders, als Er zu י-ה-ו-הsagte: "Dies ist Mein Name in Ewigkeit, und dies ist Mein Gedächtnis von Geschlecht zu Geschlecht." Der Ewige, g.s.E., hat mit Abraham Awinu einen Bund geschlossen, dessen Gültigkeit stets vor Seinem Angesicht ist und der uns, den Kindern Abrahams fortwährend bewusst sein muss. Abraham erkannte als erster den Ewigen als den einen wahren G-tt und nahm das Joch des Himmelreich auf sich, darum nannte er Ihn ADONAJ, Herr, im Bund zwischen den Stücken (Bereschit 15,8), worauf der Ewige ihm die Menschheitsgeschichte offenbarte: die Versklavung seiner Nachkommen, die Befreiung und den Bund am Sinai vorhersehen ließ, aber auch die Landeinnahme, die Herrschaft der Reiche und die künftige endgültige Erlösung durch den Maschiach und das ewige Leben. In der Sendung von Mosche Rabbenu erinnerte ihn der Ewige an den Bund mit Abraham, Jizchak und Jakob und lehrte ihn und durch ihn alle Generationen, dass wir den Namen י-ה-ו-ה mit dem Namen ADONAJ zu nennen haben solange diese Welt besteht. Insbesondere gilt dies im Gebet und Lehre, wie Daniel (9,17) es uns vorgemacht hat. Vollständigkeitshalber muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Name י-ה-ו-ה auch andere Aussprachen kennt, die davon abhängen, welche Punktuation die Messora wählt. So kann der Name als ELOHIM אֱלֹהִים gelesen werden, wie z.B. in Bereschit 15,2 und 8: אֲדֹנָי יֱהוִֹ-ה ADONAJ ELOHIM.

Es ist nur schlüssig, dass Jeschua HaMelech HaMaschiach uns im Vater Unser lehrt, den Namen des Ewigen zu heiligen, womit wir dem Willen G-ttes folgen und in der Tradition unserer Väter bleiben, was ausdrücklich der Wunsch des Herrn Jeschua war. Tatsächlich heiligen wir den Namen des Ewigen, g.s.E., dadurch, dass wir Ihn eben in der Liturgie und der Lehre ADONAI nennen, und nicht beliebig anderes.

Zuletzt sei angemerkt, dass ich in dieser Schrift sowohl den Namen "Ewiger" als auch HASCHEM benutze. Beide Namen sind heute in der jüdischen Tradition gebräuchlich, wobei in der deutschen Sprache die Benennung "Ewiger" spätestens seit Mendelsohns Übertragung bekannt ist (in Anlehnung an LEOLAM "in Ewigkeit" Schemot 3,15) und wird auch in den Siddurim benutzt. Der Name HASCHEM ist eine Erweiterung des Gedanken, den Namen G-ttes nicht zu entweihen. Alles hat seinen Platz und seine Zeit - wenn wir uns dadurch heiligen, dass wir uns Zeit für das Gebet und das Lernen nach dem Willen G-ttes festmachen, dann sprechen wir ADONAJ an. Wenn wir uns aber im Alltag bewegen, so sprechen wir HASCHEM an, wie z.B. BARUCH HASCHEM, "gelobt sei der Ewige". Damit vermeiden wir das unbeabsichtigte Entweihen Seines Namens, G-tt behüte.

Für Interessierte habe ich eine bemerkenswerte Begründung von Schel"o Hakadosch für die Aussprache ADONAJ beigefügt.

[1]              Siehe unter anderem: Jesus und Maria in Judentum, Christentum und Islam, Ausgabe 2, von Friedman Eißler, Beate Ego, Christfried Böttrich; Nachdrucke u.a. J. de Voisin, Paris 1651, J.B. Carpzow, Leipzig 1687
[2]              Lese Sefer HaVikuach von Ramban
[3]              Siehe Anhang A, Committee on divine worship on the use of “the Name of God” in the Sacred Liturgy vom 29.6.2008
[4]              siehe Meldung auf der Website der Gesellschaft für jüdisch-christiliche Beziehungen: www.jcrelations.net/de/?item=3016
[5]              Jesus von Nazareth, Joseph Ratzinger, Benedikt XVI. Verlag Herder, Freiburg in Breisgau, ISBN 978-3-451-29861-5
[6]              Gemeint sind die vier Reiche: Babylon, Medo-Persien, Syro-Griechen und Rom
[7]              Daraus leitete wohl, so eine berechtigte Vermutung, der Besserwisser Mönch Martini sein JeHoVaH ab
[8]              In Tosaphot Brachot 49a ist Bereschit 49,2 genannt

 
 
 
 
 
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