Pessach Vorbereitung und Feier

18. Mai 2014 geschrieben von   Freigegeben in Pessach

ב"ה

..Ein schweifender Aramäer war mein Vater, und er zog nach Ägypten und wohnte dort mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk. Doch die Ägypter misshandelten uns, peinigten uns und erlegten uns harte Arbeit auf. Und wir schrien zum Ewigen, dem G-tt unserer Väter, und der Ewige hörte unsere Stimme und sah unser Elend, unsere Mühsal und unseren Druck. Und der Ewige führte uns aus Ägypten heraus mit starker Hand, mit ausgestrecktem Arm, mit großem Schrecken, mit Zeichen und Wundern. (5. Buch Mose 26,5-8)

An dieses Wunder des Auszugs aus Ägypten wird jedes Jahr feierlich gedacht. Pessach beginnt immer am 15. Nissan. Dieses Fest umfasst in Israel sieben und außerhalb Israels acht Tage. Die Begründung dieses Festes finden wir in der Thora. (2. Buch Mose 12; 3. Buch Mose 23,4-8; 5. Buch Mose 16,1-8)

Zahlreiche Vorkehrungen sind für Pessach zu treffen. Am „SCHABBAT HAGADOL", dem Schabbat vor Pessach werden in den Synagogen alle MITZWOT, die zu Pessach zu beachten sind noch einmal in Erinnerung gerufen. Dieser Schabbat steht in einer direkten Beziehung zu Pessach, denn bis zum Vorabend des Auszugs aus Ägypten, war die Basis des Schabbats die Schöpfungsordnung, nun aber kommt ein neuer Grund hinzu, nämlich die Herausführung aus Ägypten. Durch diesen weiteren Aspekt der Erlösung, verdient es dieser Schabbat groß, GADOL genannt zu werden. So zeichnet sich der Schabbat durch Ruhe und Freiheit aus. Der SCHABBAT HAGADOL bietet eine gute Gelegenheit nicht nur über die physische, sondern auch über die spirituelle Freiheit nachzusinnen.

Pessach trägt auch den Namen: Das Fest der ungesäuerten Brote, der MAZZOT, denn der Auszug aus Ägypten wurde in größter Eile vollzogen und so blieb keine Zeit, um das Brot säuern zu lassen. Im Gedenken daran isst man während der acht Festtage kein Brot, also nichts Gesäuertes, CHAMEZ und man darf auch nicht im Besitz von CHAMEZ sein. CHAMEZ ist nicht nur Brot, sondern umfasst alle Nahrungsmittel und auch Getränke, die aus Getreide hergestellt werden. Der Grund ist die Möglichkeit eines Gärungsprozesses. So ist es naheliegend, dass vor Pessach das Haus, bzw. die Wohnung vorbereitet werden muss. Bei einer Grundreinigung des Hauses wird jeder Krümel entfernt. Dabei vergisst man sogar nicht, einen Blick in die Taschen der Kleidung zu werfen, ebenfalls das Auto und den Arbeitsplatz von CHAMEZ zu reinigen. Besondere Sorgfalt gilt bei der Reinigung der Küche. Sie muss vom CHAMEZ gekaschert werden. Besonderheiten, die über das normale Putzen hinausgehen gelten für Herd, die Mikrowelle, Spülbecken und Kühlschrank. Hat man kein besonderes Geschirr für Pessach, muss man das Alltagsgeschirr ebenfalls kaschern. Nahrungsmittel, die man täglich benötigt und sie deshalb auch immer zu Hause vorrätig hat, werden entweder in einem geschlossenem Raum gelagert, oder pro forma an einen Nichtjuden verkauft. Weiter ist zu beachten, dass auch Kosmetika und Medikamente CHAMEZ enthalten können.

Am Tag vor Erew Pessach spricht der Hausherr folgenden Segen:


„Baruch Ata Adonai, Eloheinu Melech HaOlam, Ascher Kideschanu Bemitzwotaw Wetziwanu Al Beor Chamez. Amen."

(Gelobt seist Du, Ewiger, unser G-tt, König der Welt, der uns durch Seine Gebote geheiligt und uns befohlen hat, Gesäuertes zu entfernen. Amen.)

und sucht dann mit einer Kerze in der Hand im ganzen Haus nach CHAMEZ. Er wird selbstverständlich auch fündig, denn gewöhnlich werden zehn kleine Stücke CHAMEZ zuvor im Haus verteilt. Danach spricht der Hausherr:

„Alles Gesäuerte oder irgendetwas Gesäuertes, das sich in meinem Besitz befindet und von mir nicht gesehen oder entfernt wurde, oder dessen ich nicht gegenwärtig bin, möge vernachlässigt werden und besitzlos sein wie der Staub der Erde."

Das gefundene CHAMEZ wird aufbewahrt und am Morgen von Erew Pessach, nachdem der gleiche Segen gesagt wurde, zusammen mit den Krümeln des Frühstücks verbrannt. Nun gilt für alle Lebensmittel „koscher lePessach". MAZZA wird nicht vor dem Seder gegessen.

Wenden wir uns nun dem ungesäuerten Brot, der MAZZA zu. MAZZA, (Plural MAZZOT) ist die Bezeichnung für aus einer der fünf Getreidearten, meistens jedoch aus Weizen und Wasser gebackenes dünnes Brot. Das Mehl wird sorgfältig gemahlen und besonders beaufsichtigt, damit sichergestellt wird, dass es nicht vorzeitig mit Wasser in Berührung gekommen ist. An den beiden Sederabenden werden SCHMURA MAZZA gegessen. Der verwendete Weizen dieser besonderen, meist runden MAZZOT, wird bereits von der Ernte an beobachtet, SCHMURA. Sie werden unter strenger Beaufsichtigung gebacken, so dass absolut gesichert ist, dass von der Ernte bis zur fertig gestellten MAZZA niemals Gesäuertes im Spiel war. MAZZOT sind gewissermaßen „bescheidene" Brote und sie werden deshalb als Speise des Glaubens betrachtet.

Am Tag vor Pessach fasten alle erstgeborenen Söhne im Andenken daran, dass der Ewige, g.s.E., die Erstgeborenen Israels verschonte, während die Erstgeborenen Ägyptens starben.

Vor Sonnenuntergang sollten die Speisen für die Sedernacht vorbereitet sein.

Vorbereitung des Sedertellers


Alles an diesem Abend ist auf den Auszug aus Ägypten fokussiert. So erinnern auch die Speisen auf dem Sederteller an dieses Geschehen. Ihre Anordnung auf der Sederplatte, K'AHRAH, die vor dem Leiter des Sederabends steht, ist folgende:

Ei Knochen

Charosset Bitterkraut

Chaseret Karpas

Zusätzlich stehen Salzwasser, ein Teller mit den MAZZOT und ein Weinkelch für den Propheten Elijahu, den man gerade am Sederabend sehnlichst erwartet, auf dem Tisch.

Jede Speise hat eine bestimmte Bedeutung:

Das Salzwasser steht für die Tränen, die das Volk Israel in der Knechtschaft vergossen hat.

Drei MAZZOT, die zwischen drei Falten eines weißen Tuches, so dass sie sich nicht berühren, gelegt werden, stellen die drei Stände der Juden, den KOHEN, die LEVITEN und ISRAEL, das übrige Volk dar.

Das Ei, BEIZAH hart gekocht und angeröstet repräsentiert das Feiertagsopfer, das zusätzlich zum Pessachlamm im Tempel dargebracht wurde.

Der Knochen, S'ROAH (gebratener Hühnerschenkel)verkörpert das Lammopfer zu Pessach.

CHAROSSET, ein Gemisch aus Äpfeln, Mandeln, (Datteln) und süßen Wein, symbolisiert den Lehm, aus dem die Ziegeln während der Skaverei geformt wurden.

Bitterraut, MAROR, Meerrettich versinnbildlicht die bitteren Leiden der Sklaverei.

KARPAS, Radieschen wird in das Salzwasser getaucht und erinnert an den Ysop, mit dem das Blut des geschlachteten Pessachammes an den Türpfosten gestrichen wurde.

CHASERET, weiter bittere Kräuter, Petersilie. Man benötigt sie im Verlauf des Seders als „MAROR" im „Sandwich".

Der Seder


Nachdem alles vorbereitet ist, beginnt der SEDER. SEDER bedeutet einfach Ordnung. Und so taucht man nun nach einer ganz bestimmten Ordnung in die Vergangenheit ein, um mit dem ganzen Volk Israel, quasi als Teil der Generation des Auszugs in Ewigkeit den Auszug aus Ägypten mitzuerleben, der hier und jetzt wieder zur Gegenwart wird. Denn es heißt in der HAGGADA: „Bechol dor wador chajaw 'adam lir'ot et 'azmo ke'ilu hu' jaz'a miMizrajim. In allen Generationen ist der Mensch verpflichtet, sich vorzustellen, er sei selbst aus Ägypten gezogen." Alle Anwesenden sind festlich gekleidet und der Tisch ist strahlend weiß, königlich mit dem besten Geschirr und den edelsten Gläsern gedeckt und jeder wartet gespannt darauf, dass die Hausfrau mit dem Segen:

„Baruch Ata Adonai, Eloheinu Melech Haolam, Ascher Kidschanu Bemitzwotaw, Weziwanu Lehadlik Ner Schel Jom Tow. Amen."

(Gelobt seist Du, Ewiger, unser G-tt, König der Welt, der uns durch Seine Gebote geheiligt und uns befohlen hat, die Festtagskerzen anzuzünden. Amen.)

die Kerzen anzündet, um das Fest zu eröffnen.

Fünfzehn Stufen führen zum Tempel hinauf, und ebenso viele Rituale leiten durch den Sederabend.

KADDESCH – Heiligung des Festtages

Nun beginnt der Seder mit dem KIDDUSCH, der Heiligung des Festtages, die der Leiter des Seders über ein Glas Wein spricht:

„Baruch Ata Adonai, Eloheinu Melech Haolam, Bore Pri Hagafen. Amen.

(Gelobt seist Du, Ewiger, unser G-tt, König der Welt, Schöpfer der Frucht des Weinstocks. Amen.)

Danach trinken alle das erste Glas Wein. Jeder ist aufgerufen an Pessach vier Becher von dem besonderen, unter Aufsicht geernteten, gegorenen und abgefüllten Pessachwein linksseitig angelehnt zu trinken. Einst durften sich nur freie Menschen links anlehnen, nun wird die Freiheit Israels durch diese Geste proklamiert.

U-RECHAZ – Waschen der Hände

Der Leiter übergießt seine Hände auf die vorgeschriebene Weise mit Wasser, trocknet sie, spricht jedoch keinen Segen.

KARPAS – Eintauchen der Erdfrucht

Nun taucht erst der Leiter ein Radieschen in das Salzwasser, spricht den Segen für die Erschaffung der Erdfrüchte und isst es, dann wiederholen die Anwesenden diese Handlung.

JACHAZ – Brechen der MAZZA

Der Leiter nimmt nun die mittlere MAZZA, den Levi und bricht sie in zwei Teile, versteckt das größere Stück (AFIKOMAN) und legt das kleinere wieder an die gleiche Stelle zurück. Diese Aktion erinnert zum einen an die Spaltung des Roten Meeres und zum andern repräsentiert das kleinere Stück Bescheidenheit. Alle heben den Teller mit den MAZZOT hoch und sprechen:

„Dieses armselige Brot haben unsere Väter im Land Ägypten gegessen. Alle, die hungrig sind, sollen kommen und essen. Alle, die Mangel leiden, sollen kommen und mit uns feiern – dieses Jahr hier und nächstes Jahr in Jeruschalajim. Dieses Jahr in Erwartung, nächstes Jahr in Erfüllung! Amen."

MAGID – Erzählung vom Auszug – die HAGGADA

Der Arme wird eingeladen, am Seder teilzunehmen. Das zweite Glas wird gefüllt. Das jüngste Kind fragt nun, warum diese Nacht anders ist, als alle anderen Nächte? Warum nur Ungesäuertes gegessen wird, warum bittere Kräuter gegessen und sie zweimal eingetauchen werden und warum man angelehnt sitzt? Die Antworten gibt die HAGGADA, die Erzählung vom Auszug aus Ägypten.

Rachza – Waschen der Hände

Der Leiter wäscht sich mit dem üblichen Segen die Hände.

MOZI – Lobspruch über das Brot und

MAZZA – Lobspruch über die MAZZA

Der Leiter erhebt die drei MAZZOT, spricht den Segen über das Brot und einen besonderen Segen über die MAZZOT. Nun wird ein etwa olivengroßes Stück von der oberen MAZZA abgebrochen und ein ebenso großes von der schon angebrochenen mittleren und beide zusammen gegessen.

MAROR – Essen des Bitterkrauts

Der Leiter nimmt vom Bitterkraut, tunkt es in CHAROSSET, spricht den Segen und isst es ohne sich anzulehnen. Die Tischgesellschaft tut das gleiche.

Korech – Essen einer MAZZA mit Bitterkraut

Nun isst man das sogenannte „Sandwich", das von Hillel eingeführt wurde. Dazu bricht man zwei Stücke von der unteren MAZZA ab, nimmt Maror und taucht sie in den CHAROSET. Dies kommt jetzt zwischen die beiden Mazzastücke. Man spricht: „Dies tat Hillel zur Zeit, als der Tempel stand: Er nahm das Pessachopfer, ungesäuertes Brot und Bitterkraut und aß es zusammen, um das Wort zu erfüllen, das geschrieben steht: „Mit ungesäuertem Brot und Bitterkraut soll man es essen."

Schulchan Orech – Abendessen

Das Festessen beginnt mit einem hart gekochten Ei, das man vor dem Essen in Salzwasser taucht.

ZAFUN – Suchen des AFIKOMAN

Alle Kinder werden aufgefordert das versteckte Stück MAZZA, den AFOKOMAN zu suchen. Wer es findet bekommt eine Belohnung. Dann wird von diesem Stück, das das Pessachlamm symbolisiert, gegessen. Der gegenwärtige Glaube im Volk ist, dass der Maschiach unter ihnen ist, sich aber verbirgt und deshalb nicht erkannt wird. Erst das Kommen des Maschiach am Ende des Seders macht das Volk ganz, heil, eben zu einem Ganzen.

BARECH – Tischgebet nach der Mahlzeit

Das dritte Glas wird mit Wein gefüllt, gesegnet und angelehnt getrunken. Danach füllt man das vierte Glas mit Wein und der Leiter schenkt das Glas für den Propheten Elijahu ein, dann öffnet er die Tür und spricht:

„Siehe, ich will euch senden ELIJAHU HANAVI, ehe der große und schreckliche Tag des Ewigen kommt. Er soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu den Vätern." (Maleachi 3,23f)

Mit diesen und noch weiteren Worten lädt man Elijahu, den Vorboten der Ankunft des Maschiachs ein. Die Tür wird wieder geschlossen.

HALLEL - Lobgesang

Es folgt der Lob G-ttes. Er hat Israel befreit und sich als Herr des ganzen Universums erwiesen. Dafür gebühren ihm Lobpreisungen und Ehre. Das Hallel umfasst die Psalmen 115 -118 und Psalm 136. Nun wird ein letztes Mal der Segen über den Wein gesprochen und das vierte Glas Wein wird angelehnt getrunken.

NIZRA - Annahme

Der Seder wurde den Vorschriften entsprechend ausgeführt und jeder Teilnehmer kann sicher sein, dass der Ewige, g.s.E., alles angenommen hat. Auch wenn der Seder wunderbar verlaufen ist, wünscht man sich jedoch mit den Worten:

„LESCHANA HABAA BEJERUSCHALAJIM" - Nächstes Jahr in Jeruschalajim"

dass man den Seder das nächste Jahr in Jeruschalajim feiern möge.

SEFIRAT HA'OMER – Omerzählen


Zwischen Pessach und Schawuot gibt es einen Zusammenhang. Mit dem Auszug aus Ägypten, der Sklaverei zu Pessach wurde das Volk Israel physisch befreit. Doch zur wahren Freiheit gehört unbedingt auch die spirituelle Freiheit. Diese bekommt Israel mit der Übergabe der Thora am Sinai zu Schawuot. Zwischen beiden Ereignissen, die durch die beiden Feste in gewisser Weise wiederholt werden, liegen 49 Tage, in denen man sich auf den Erhalt der Thora innerlich vorbereitet, man geht G-tt quasi entgegen. Ihren Ausdruck findet die Vorbereitung im Zählen der Tage, SEFIRAT HA'OMER vom zweiten Abend von Pessach, unmittelbar nach Einbruch der Nacht, bis Schawuot, dem 50. Tag. Das Omerzählen gründet sich auf den Vers aus dem 3. Buch Mose 23,18:

„15 Und ihr sollt zählen vom anderen Tage nach dem Schabbat, von dem Tage, da ihr das Omer der Schwingung gebracht habt: es sollen sieben volle Wochen sein. 16 Bis zum anderen Tage nach dem siebenten Schabbat sollt ihr fünfzig Tage zählen;..."
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