Midrasch Tehillim zur Parascha Ki Tissa, Teil 1

06. Mai 2012 geschrieben von   Freigegeben in Ki Tisa Tehillim

ב"ה

Zusammengestellt von Baruch ben Mordechai HaKohen, 5769

„11 Und der Ewige redete zu Mosche und sprach: 12 Sobald du die Häupter der Kinder Israel nach ihren Gemusterten aufnimmst, so sollen sie bei ihrer Musterung ein jeder eine Sühne seiner Seele dem Ewigen geben, dass keine Plage unter ihnen entstehe bei ihrer Musterung“ (Schemot 30,11-12).

Midrasch Tehillim 2,13
Eine andere Auslegung: Vers 12. Küsset den Sohn. Das ist, was die Schrift sagt: „Dein Nabel ist ein runde Schale, dem Mischwein nicht fehlt, dein Leib ist ein Weizenhügel.“ [1] Warum werden die Israeliten mit Weizen verglichen? R. Idi hat gesagt: Wie das Weizenkorn in der Mitte gespalten und vor allen Früchten ausgezeichnet ist, so das diese ihm gegenüber nur Nebensächliches sind, so sind auch die Israeliten unter den Völkern ausgezeichnet durch Beschneidung, Zizit, Tephillin, Mesusa, und alle Völker sind ihnen gegenüber nur Nebensächliches.

R. Schim’on ben Lakisch sagt: Wie der Weizen zum Säen nur gezählt hinauskommt und auch nur gezählt eingebracht wird, so auch die Israeliten. Als sie nach Ägypten hinab zogen, zogen sie gezählt hinab, wie es heißt: „Mit siebzig Seelen zogen deine Väter hinab nach Ägypten“ (Dwarim 10,22), und als sie heraufzogen, zogen sie wieder gezählt herauf, wie es heißt: „Bei sechshunderttausend zu Fuß“ (Schemot 12,37). R. Chanina fügt zu dem, was R. Schim’on ben Lakisch gesagt, noch hinzu: Warum werden die Israeliten mit Weisen verglichen? Um dir zu sagen: Wenn ein Hausherr kommt, um mit dem Haussohne zu rechnen, so spricht er zu diesem nicht: Wie viele Körbe Stroh, wie viele Gebund Stoppel führst du nach dem Speicher, sondern er übergibt ihm die Dornen für das Feuer und das Stroh gibt er dem Winde preis. Was spricht er vielmehr? Richte deine Aufmerksamkeit darauf, wie viel Cor Weizen du in den Speicher führst, weil von ihm das Leben der Welt abhängt. Der Hausherr ist der Heilige, gelobt sei Er, denn Ihm gehört die ganze Welt, wie es heißt: „Dem Ewigen gehört die Erde und was sie füllet, der Erdkreis und seine Bewohner“ (Tehillim 24,1). Der Haussohn ist Mosche, wie es heißt: „in Meinem ganzen Hause ist er treu“ (Bemidbar 12,7). Was sprach der Heilige, gelobt sei Er, zu ihm? Richte deine Aufmerksamkeit nicht auf die Völker, denn sie werden mit Stoppeln verglichen, wie es heißt: „Er verzehrt sie wie Stoppeln“ (Schemot 15,7). Und was macht man mit Stoppeln? Man zerstreut sie auf dem Wasser, wie es heißt: „und Er schüttete Pharao und sein Heer ins Schilfmeer“ (Tehillim 136,15). Ferner werden sie noch mit Dornen verglichen, wie es heißt: „Und Völker werden zu Kalk verbrannt, wie abgehauene Dornen werden sie im Feuer auflodern“ (Jeschajahu 33,12). Aber die Israeliten werden mit dem Weizen verglichen, wie es heißt: „Dein Leib ist ein Weizenhügel“ (Schir HaSchirim 7,3). Darum sprach der Heilige, gelobt sei Er, zu Mosche: Richte deine Aufmerksamkeit auf die Israeliten, um sie zu zahlen und um zu wissen, wie viel sie sind, wie es heißt: „Sobald du aufnimmst die Zahl der Kinder Israel“ (Schemot 30,12).

„11 Und der Ewige redete zu Mosche und sprach: 12 Sobald du die Häupter der Kinder Israel nach ihren Gemusterten aufnimmst, so sollen sie bei ihrer Musterung ein jeder eine Sühne seiner Seele dem Ewigen geben, dass keine Plage unter ihnen entstehe bei ihrer Musterung“ (Schemot 30,11-12).

Midrasch Tehillim 104,1
Vers 1. Preise meine Seele den Ewigen! Ewiger, mein G-tt, groß bist Du sehr in Pracht und Majestät bist Du gekleidet. Das ist, was die Schrift sagt: „Dein, Ewiger, ist die Größe und die Stärke … Du erhebst Dich allem zum Haupte“ (1. Diwrej HaJamim 29,11). R. Huna hat gesagt: Was heißt „והמתנשא לכל לראש“? Du findest, dass alle den Heiligen, gelobt sei Er, preisen, wie es heißt: „Vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange wird gepriesen der Name des Ewigen“ (Tehillim 113,3). Es gibt aber keinen größeren Lobpreis für den Heiligen, gelobt sei Er, als den Lobpreis Israels. „Das Volk, das Ich Mir gebildet, meinen Ruhm sollen sie erzählen“ (Jeschajahu 43,21). Du kannst es auch daraus erkennen, dass es sich so verhält. Oben heißt es: „Preiset den Ewigen, ihr Seine Engel, Helden an Kraft, Vollführer Seines Wortes, zu hören die Stimme Seines Wortes“ (Tehillim 103,20). Es hätte doch heißen sollen; Zu vollführen die Stimme Seines Wortes, denn was der Mensch gehört hat, das tut er, warum heißt es aber so? Allein die Schrift redet von den Israeliten, denn sie standen am Sinai und ließen das Tun dem Hören vorangehen, wie es heißt: „Alles was der Ewige geredet, wollen wir tun und hören“ (Schemot 24,7). Und nachdem die Israeliten gepriesen haben, preisen die Engel hinter ihnen her. Was folgt darauf? „Preiset den Ewigen, ihr all Seine Scharen“ (dort V. 21). Das sind die Engel, sowie es heißt: „Es ahndet der Ewige an der Schar der Höhe in der Höhe“ (Jeschajahu 24,21). Das wollen die Worte sagen: והמתנשא לכל לראש, er erhebt sich über alle zum Haupte.“ Unter „ראש, Haupt“, ist nichts anderes als Israel zu verstehen, wie es heißt: „Wenn Du aufnimmst das Haupt (את ראש) der Kinder Israel“ (Schemot 30, 12), und unter „קדוש, heilig“, ist nur Israel zu verstehen, wie es heißt: „Heilig ist Israel dem Ewigen“ (Jirmejahu 2,3).

„Wenn sie in das Zelt der Zusammenkunft hineingehen, sollen sie sich mit Wasser waschen, dass sie nicht sterben, oder wenn sie dem Altar nahen zum Dienst, um dem Ewigen ein Feueropfer zu räuchern“ (Schemot 30,20).

Midrasch Tehillim 118,7
Vers 3. Es spreche doch das Haus Aharon. Womit ist die Sache zu vergleichen? Mit einem Hausherrn, der sich gut gegen seine Pächter benahm und in der Stunde der Abrechnung nicht genau es mit ihnen nahm. Zur Zeit der Tenne (Ernte) ließ er ihnen die Reste der Tenne und zur Zeit der Weinlese ließ er ihnen die Reste der Kelter. Aber wir kennen nicht sein Verfahren (Betragen) im Hause und wer kennt es? Seine Knechte und die Kinder (Bewohner) seines Palastes. Dieses aber sind die Diener des Heiligen, gelobt sei Er, das Haus Aharon, das zu jeder Zeit vor ihm opfert. Darum heißt es: Es spreche doch das Haus Aharon, d. i. es spreche doch, was Ich ihnen und jedem getan habe, der gegen sie aufstand. Es stand Korach gegen sie auf und die Erde verschlang sie; es stand Usia auf und wollte räuchern, „da brach der Aussatz an seiner Stirn aus“ (2. Diwrej HaJamim 26,19). Und weshalb habe Ich ihm mit solchem Lohn vergolten? Weil er redlich vor Mir wandelte und Meine Thora lehrte, wie es heißt: „Die Thora der Wahrheit war in seinem Munde … in Friede und Gradheit wandelte er mit Mir“ (Maleachi 2,6).

„Und Aharon und seine Söhne sollst du salben und sollst sie heiligen, um Mir den Priesterdienst auszuüben“ (Schemot 30,30).

Midrasch Tehillim 99,4
Vers 6. Mosche und Aharon unter seinen Priestern [und Schmu’el unter denen, die Seinen Namen anrufen, riefen zum Ewigen, und Er antwortete ihnen]. R. Judan im Namen des R. Jose bar Chanina und R. Berachja im Namen des R. Jehoschua ben Korcha sagt: Alle jene vierzig Jahre, welche die Israeliten in der Wüste waren, unterließ Mosche nicht das Hohepriesteramt zu versehen, wie es heißt: Mosche und Aharon unter seinen Priestern[2]. R. Berachja im Namen des R. Simon sagt: Dafür gibt es eine volle Schriftstelle, denn es heißt: „Und die Söhne Amrams, Aharon und Mosche; und Aharon ward abgesondert, ihn zu heiligen als hochheilig … und Mosche, der Mann G-ttes; aber seine Söhne sollen genannt werden nach dem Stamme Levi“ (1. Diwrej HaJamim 23,13.14).

R. Jehuda (Eleasar) bar Jose hat gesagt: Während all der sieben Tage der Einweihung [der Stiftshütte] versah Mosche das Hohepriesteramt in einem weißen Linnenhemd, an dem kein Saum war[3]. Und Schmu’el unter denen, die Seinen Namen anrufen. Und was will Schmu’el neben Mosche und Aharon? Allein sowie Mosche und Aharon wegen der Gemeinde Israel beteten, so auch Schmu’el. Das wollen die Worte sagen: Und Schmu’el unter denen, die Seinen Namen anrufen.

„13 Und du, rede zu den Kindern Israel und sprich: Fürwahr, Meine Schabbate sollt ihr beobachten; denn er [der Schabbat] ist ein Zeichen zwischen Mir und euch bei euren Geschlechtern, damit ihr wisset, dass Ich, der Ewige, es bin, der euch heiligt; 14 und beobachtet den Schabbat, denn heilig ist er euch; wer ihn entweiht, wird des Todes sterben; denn wer irgend an ihm eine Arbeit tut, selbige Seele soll ausgerottet werden aus der Mitte ihres Volkes. 15 Sechs Tage soll man Arbeit tun, aber am siebten Tage ist der Schabbat der Ruhe, heilig dem Ewigen; wer irgend am Tage des Schabbats eine Arbeit tut, wird des Todes sterben. 16 Und die Kinder Israel sollen den Schabbat beobachten, um den Schabbat zu feiern bei ihren Geschlechtern: ein ewiger Bund. 17 Er ist ein Zeichen zwischen Mir und den Kindern Israel ewiglich; denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Erde gemacht, und am siebten Tage hat Er geruht und sich erquickt“ (Schemot 31,13-17).

Midrasch Tehillim 92,2
Eine andere Auslegung: Vers 1. Ein Psalm, ein Lied für den Schabbattag. Das ist, was die Schrift sagt: „Eitelkeit der Eitelkeiten, spricht Kohelet, Eitelkeit der Eitelkeiten; alles ist eitel“ (Kohelet 1,2). R. Jehuda bar Simon begann seinen Vortrag mit den Worten: „Eitelkeit der Eitelkeiten.“ Siebenmal gebraucht Kohelet das Wort: Eitelkeit (הבל)“[4], nämlich: „Eitelkeit (הבל)“ d. i. eine, „Eitelkeit“ (הבלים)“, das sind zwei, siehe, das sind zusammen drei; „Eitelkeit“ (הבל)“, d. i. eine, „Eitelkeiten (הבלים)“, das sind zwei, siehe, das sind zusammen sechs, „alles ist eitel (הכל הבל)“, siehe das sind sieben. Warum? Gegenüber den sieben Tagen der Schöpfung. Schlomo sprach nämlich: Was wurde am ersten Tage erschaffen? Himmel und Erde. Und was ist ihr Ende? „Denn die Himmel zergehen wie Rauch und die Erde zerfällt wie ein Kleid“ (Jeschajahu 51,6). Schlomo sprach: „Eitelkeit.“ Was wurde am zweiten Tage erschaffen? Die Veste. Und was ist ihr Ende? „Und zusammengerollt wie eine Buch werden die Himmel“ (dort 34,4). Schlomo sprach: „Eitelkeit.“ Und was wurde am dritten Tage erschaffen? „Es sammeln sich die Wasser“ (Bereschit 1,9). Und was ist ihr Ende? „Und der Ewige lässt vertrocknen die Zunge des Meeres von Ägypten“ (Jeschajahu 11,5). Schlomo sprach: „Eitelkeit“. Und was wurde am vierten Tage geschaffen? Die Lichter, wie es heißt: „Und G-tt gab sie an die Veste der Himmel“ (Bereschit 1,17). Und was ist ihr Ende? „Und es errötet der Mond und es schämt sich die Sonne“ (Jeschajahu 24,23). Schlomo sprach: “Eitelkeit.“ Und was wurde am fünften Tage erschaffen? „Es regen sich die Wasser“ (Bereschit 1,20). Und was ist ihr Ende? „Hinweg, hinweg raffe Ich alles von der Oberfläche der Erde“ (Zephanja 1,2). Schlomo sprach: „Eitelkeit.“ Und was wurde am sechsten Tage erschaffen? Der Mensch, wie es heißt: „Und G-tt bildete den Menschen“ (Bereschit 2,7). Und was ist sein Ende? „Denn Staub bist du und zum Staube sollst du zurückkehren“ (dort 3,19). Schlomo sprach: „Eitelkeit.“ Und was wurde am siebenten Tage erschaffen? Der Schabbat. G-tt betrachtete ihn nach dieser und nach jener Seite, um einen Fehler an ihm zu entdecken, aber er fand keinen, sondern er war ganz heilig und Licht und Ruhe.

R. Jizchak hat gesagt: Obgleich es sich so verhält, so sah Er doch, dass der Mensch an ihm sündigen und mit seiner Seele sich verschulden würde, daher sprach Er: Auch dieser ist Eitelkeit. Daher sprach Schlomo: „Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel.“ Siehe das sind sieben.

Weil Er den siebenten Tag schuf, damit an ihm keine Arbeit verrichtet werde, so heißt es bei ihm nicht: „Und es ward Abend und es ward Morgen“. Womit ist diese Sache zu vergleichen? Mit einem Könige, der ein kostbares Gefäß hatte, das er nur an seinen Sohn vererben wollte. Ebenso wollte der Heilige, gelobt sei Er, den Schabbattag der Ruhe und Heiligung nur an die Israeliten vererben. Du kannst es auch daraus erkennen, dass es sich so verhält: Als die Israeliten aus Ägypten zogen, gab Er ihnen, bevor Er ihnen noch die Thora gab, den Schabbat, und sie feierten schon zwei Schabbate, bevor Er ihnen die Thora gab, wie es heißt: “Und Deinen heiligen Schabbat hast Du ihnen kund getan, und Gebote und Satzungen und Thora hast Du ihnen befohlen durch Deinen Knecht Mosche“ (Nechemija 9,14)[5]. Und der Heilige, gelobt sei Er, segnete und heiligte den Schabbat und die Israeliten sind verpflichtet, ihn zu heiligen. Du kannst es auch daraus erkennen, dass es sich so verhält: Denn während der ganzen vierzig Jahre, wo die Israeliten in der Wüste waren, gab Er ihnen an den sechs Werkeltagen das Manna, am Schabbat aber fiel es nicht herab, nicht etwa, weil er nicht die Kraft hatte, es zu geben, sondern weil Schabbat vor Ihm war. Als das Volk solches sah, feierte es auch den Schabbat, wie es heißt: „Und das Volk feierte am siebenten Tage“ (Schemot 16,30). Der Heilige, gelobt sei Er, sprach: Den Schabbat habe Ich den Israeliten als ein Zeichen zwischen Mir und ihnen gegeben, an den sechs Werkeltagen habe Ich die Welt erschaffen, am Schabbat aber ruhte Ich, deshalb heißt es: „Zwischen Mir und zwischen den Kindern Israel sei er ein Zeichen für ewig“ (dort 31,17). Sieben Himmel erschuf Ich und von allen erwühlte Ich Mir zur Wohnung Meiner Ruhe nur die Arabot (ערבות)[6], wie es heißt: „Machet Bahn dem, er auf den Arabot reitet, in Jah ist sein Name“ (Tehillim 68,5); sieben Aratzot (Erden) erschuf Ich und von allen erwählte Ich mir nur Eretz Israel, wie es heißt: „Beständig sind die Augen des Ewigen, Deines G-ttes, darauf“ (Dwarim 11,12). [Sieben Berge erschuf ferner der Heilige, gelobt sei Er, und von allen erwählte Er sich nur den Berg Sinai, wie es heißt: „Der Berg, den G-tt zu Seiner Ruhe begehrt“ (Tehillim 68,17)]. Sieben Meere erschuf Ich und von allen erwählte Ich Mir nur das Meer Kinneret und Ich vererbte es dem stamme Naphtali, wie es heißt: „Gesättigt von Gnade, und voll der Segnung des Ewigen, das Meer und den Mittag erbe“ (Dwarim 33,23). Sieben Welten erschuf Ich, und von allen erwählte Ich Mir nur die siebente Welt, sechs zum Aus- und zum Einziehen und eine, die ganz der Feier und der Ruhe zum ewigen Leben dient. Sieben Tage erschuf Ich, und von allen erwählte Ich Mir nur den siebenten Tag, wie es heißt: „Und G-tt segnete den siebenten Tag“ (Bereschit 2,2). Sieben Jahre erschuf Ich, und von allen erwählte Ich Mir nur das Schemittajahr (Erlass); wie es heißt: „Am Ende von sieben Jahren mache Schemitta (Erlass); und jeder, der den Schabbat beobachtet, dem vergibt der Heilige, gelobt sei Er, seine Sünden, wie es heißt: „Der den Schabbat beobachtet, מחללו„ (Jeschajahu 66,2) d. i. מחלו לו, vergeben ist ihm.

„Und Er gab Mosche, als Er auf dem Berge Sinai mit ihm ausgeredet hatte, die zwei Tafeln des Zeugnisses, Tafeln von Stein, beschrieben mit dem Finger G-ttes“ (Schemot 31,18).

Midrasch Tehillim 5,1
Vers 1. Dem Sangmeister auf Flöten (הנחילות). Ein Psalm von David. Das ist, was die Schrift sagt: „Und von der Wüste nach Mattana” (Bemidbar 21,18). R. Jehuda sagt: Von der Wüste aus waren die Israeliten würdig, dass ihnen die Thora durch Mosche gegeben wurde[7], wie es heißt: „Und Er gab Mosche … die zwei Tafeln des Zeugnisses“ (Schemot 31,18). „Und von Mattana (d. i. vom Geschenke der Thora) nach Nachliel נחליאל“ (Bemidbar 21,19), denn sie nahmen einen Götzen in Besitz (שנחלו)[8] und sprachen: „Dies sind deine Götter, Israel!“ (Schemot 32,8). „Von Nachliel (d. i. von der Besitzergreifung des Götzen) nach Bamot (במות)“ (Bemidbar 21,19). Nachdem sie den Götzen in besitz genommen, kam zu ihnen der Todesengel (בא להם מלאך המות)[9], wie es heißt: „In dieser Wüste sollen sie umkommen (יתמו) und allda sollen sie sterben“ (Bemidbar 14,35). „Und vom Bamot (d. i. vom Tode) nach dem Tal (בגיא)“ (Bemidbar 21,20), weil sie schuld waren dass jener Gerechte (Mosche) im Tale (בגיא) begraben wurde. Das ist, was Jirmejahu gesagt hat: „Sieh’ deinen Weg im Tal, erkenne, was du getan hast“ (Jirmejahu 2,23).

Die Rabbanan erklären den Vers auf diese Weise. „Von Mattana nach Nachliel (נחליאל)“, d. i. sie (die Israeliten) erwarben (שנחלו) den Heiligen, gelobt sei Er, zum G-tt und Er erwarb (נחל)sie zum Volke. „Von der Wüste nach Mattana“, denn sie waren würdig, die Thora von der Wüste aus zu empfangen. David sprach: Da es sich so verhält, so stimme ich auf beides an: Dem Sangmeister auf Flöten.

Eine andere Auslegung: „Von Mattana nach Nachliel“. Es sollte nicht so heißen, sondern wegen des Geschenkes (ממתנה), das Du uns in Besitz nehmen ließt, o G-tt ((שנחלתנו אל, d. i. wegen des Brunnens, den ihnen der Heilige, gelobt sei Er, gab, stimmten sie ein Lied an und sie hatten Wasser. Gleich einer Frau, welche aus ihrem Vaterhause in das Haus ihres Gemahls gehen wollte, sie reiste wegen des Wassers in einem Schiffe dahin. So sprach auch David: „Sie gingen inציוה auf dem Strome“ (Tehillim 105,41). Was heißt בציוה? In Schiffen? Es ist so, wie gesagt ist: „Und ein starkes Schiff (וצי אדיר)“ (Jeschajahu 33,21).

Eine andere Auslegung: „Und von der Wüste nach Mattana und von Mattana nach Nachliel.“ R. Janai hat gesagt: Wenn der Mensch sich selbst wie eine Wüste (כמדבר) macht, auf die alle treten, so ist er der Thora würdig, und wenn er der Thora würdig ist, so nimmt er G-tt in Besitz (נחלו אל), und wenn sein Wissen sich mehrt, so kommen Schmerzen über ihn, wie es heißt: „nach dem Tal“.[11] Die Gemeinde Israel spricht: Weil der Heilige, gelobt sei Er, mir den Brunnen zum Geschenk gegeben, so habe ich Ihn in Besitz genommen, darum heißt es: „Von Mattana nach Nachliel.“ Desgleichen heißt es: „Der Ewige ist mein Teil, spricht meine Seele“ (Ejcha 3,24). Der Heilige sprach zu ihnen: Ich bin euer Theil und ihr seid Mein Teil, wie es heißt: „Denn des Ewigen Teil ist Sein Volk, Jakow das Los seines Besitzes“ (Dwarim 32,9). David sprach: Ihr seid das Erbteil des Heiligen, gelobt sei Er, und Er ist euer Erbteil, wie es heißt: „Und Mein Erbteil ist Israel“ (Jeschajahu 19,25). Es heißt nicht על הנחלה (sing.), sondern: אל הנחילות (plur.), d. i. wegen des Erbteils (על הנחלה), dass ihr es erbtet, und wegen des Erbteils (על הנחלה), dass Er euch erbte (aneignete). Woraus schließt du, dass sie erst in Folge des Geschenkes Ihn erbten (in Besitz nahmen)? Weil es heißt: „Von Mattana nach Nachliel.“ Solange sie nicht aus dem Brunnen getrunken, sprachen sie: „Ist der Ewige in unsrer Mitte?“ (Schemot 17,7), siehe, so ist es gut, wenn nicht, so wollen wir uns einen Abgott machen; nachdem sie aber (aus dem Brunnen) getrunken, sprachen sie: „Alles, was der Ewige geredet, wollen wir tun und hören“ (dort 24,27). Durch zwei Erbteile haben wir Dich in Besitz genommen, Du hast uns die Thora und das Land Israel zum Erbteil gegeben. Und so sprach auch David: „Ich besitze Deine Zeugnissen ewiglich“ (Tehillim 119,111). Und das anmutige (gepriesen) Land (ארץ צבי) ließ Ich dich besitzen, wie es heißt: „Ich gab dir ein liebliches Land, ein Eigentum, das die Zierde (צבי צבאוה) ist unter den Zierden der Völker“ (Jirmejahu 3,19). Was heißt: „Die Zierde der Völker?“ Weil alle es begehren (צובין) und Wohlgefallen daran haben. Gleich einem Könige, welcher an seinem Tische saß und viele Söhne hatte, den jüngsten liebte er aber am meisten und er gab ihm deshalb Geschenke; darunter befand sich auch ein großes Feld, das alle liebten, er sprach aber zu ihnen: Es gehört mir. Ebenso heißt es: „Als der Höchste den Völkern Besitz gab“ (Dwarim 32,8).Und wem gab Er Sein Teil? Seinem jüngsten Sohne, wie es heißt: „Denn des Ewigen Teil ist Sein Volk, Jakow das Los Seines Erbteils“ (dort V. 9). Auch das Heiligtum wird Erbteil (נחלה) genannt, wie es heißt: „Zur Ruhe und zum Erbteile“ (dort 12,9). Es heißt: „Wie schön (טובו) sind deine Zelte, Jakow“ (Bemidbar 24,5), d. i. welches ist die Natur deiner Zelte, Jakow? „Wie die Bäche sich hinstrecken“ (dort V. 6). Wie mit diesem Bache, in den ein Mensch unrein hinabsteigt und rein wieder heraufkommt, so verhielt es sich auch mit dem Heiligtum, ein Mensch geht mit Sünden hinein und kommt ohne Sünden wieder heraus. So sprach auch Mosche: „Denn bisher seid ihr noch nicht bis zu der Ruhe und zu dem Erbteile gelangt“ (Dwarim 12,9). Unter „המנוחה, Ruhe“ ist das (gelobte) Land und unter „הנחלה, Erbteil“ ist das Heiligtum zu verstehen. David sprach zu dem Heiligen, gelobt sei Er: Alles, was Du uns gegeben hast, ist gut und lieblich, wie es heißt: „Die Lose sind mir aufs lieblichste gefallen, auch das Erbteil ist schön an mir„ (Tehillim 16,6). Und so heißt es: „Frohlocke nicht, meine Feindin! Bin ich auch gefallen, ich stehe wieder auf; sitze ich auch im Finstern, der Ewige wird mir Licht sein“ (Micha 7,8). Hätte ich nicht im Finstern gegessen, so wäre er mir nicht Licht gewesen. Weil du, spricht Er (Gott) darauf, das Strafgericht an dir gerecht findest, so nenne sie: „Terebint der Gerechtigkeit, Pflanzung des Ewigen zur Verherrlichung“ (Jeschajahu 61,3).

[1] Vergl. Midrasch Schir HaSchirim z. St.
[2]S. Pesikta DeRab Kahana, Piska Para; Pesikta Rabba Piska a 14¸Wajikra Rabba Par. 11; Schemot Rabba Par. 37.
[3] S. j. Joma I, 38b.
[4] Eig. Sieben Eitelkeiten spricht Kohelet hier an.
[5] An dieser Stelle wird zuerst des Schabbats gedacht, und dann erst der Thora.
[6] Vergl. Pesikta des Rab Kahana, Piska בחוש תעכיעי; Wajikra Rabba Par. 29, Ende. ערבות Arawot ist der siebente Himmel
[7] Die Thora wird als Geschenk (מתנה) betrachtet.
[8]נחליאל wird als Notarikon נחלו אל erklärt.
[9]  במות wird als Notarikon  בא במול erklärt.
[10]Der Plural wird gedeutet.
[11] Vergl. Erubin 54a.

 
 
 
 
 
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