Midrasch Tehillim zur Parascha Ki Tissa, Teil 4

06. Mai 2012 geschrieben von   Freigegeben in Ki Tisa Tehillim

ב"ה

Zusammengestellt von Baruch ben Mordechai HaKohen, 5769

„Und der Ewige sprach zu Mosche: Schreibe dir diese Worte auf; denn nach dem Inhalt dieser Worte habe Ich mit dir und mit Israel einen Bund geschlossen“ (Schemot 34,27).

Midrasch Tehillim 8,2
Vers 2. Ewiger, unser Herr, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erde.
Rabbi hat gesagt: Wir finden, dass bei drei Gelegenheiten (an drei Stellen) die Engel mit dem Heiligen, gelobt sei Er, rechteten (Einspruch erhoben), bei dem (ersten) Menschen, bei der Schenkung der Thora und bei der Wohnung (dem Stiftszelle).

Bei Adam. Als der Heilige, gelobt sei Er, Adam erschaffen wollte, beriet Er sich mit den Engeln. Er sprach zu ihnen: „Wir wollen einen Menschen machen“ (Bereschit 1,26). Da entgegneten sie ihm: „Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkest?“ (Tehillim 8,5). Morgen, antwortete Er, werdet ihr seine Weisheit sehen. Er ließ alle wilden und zahmen Tiere und alle Vögel vor den Dienstengel zusammenkommen und begann zu fragen: Wie ist der Namen von diesem? Sie wussten es aber nicht. Da sprach Er zu ihnen: Wollt ihr seine Weisheit kennen? Ich werde ihn fragen, und er wird mir ihre Namen sagen und alle mit Namen benennen. Was machte der Heilige, gelobt sei Er? Er ließ jegliche Gattung an dem Menschen vorüberziehen, wie es heißt: „Und der Ewige, G-tt, sammelte (ויצר) vom Erdboden alles Getier des Feldes“ (Bereschit 2,19). R. Acha hat gesagt: Heißt es nicht bereits: „Und G-tt machte (יעש) alles Getier der Erde“ (dort 1,25)? Was bedeutet ויצר? Allein dort steht ויעש und hier steht: ויצר. Es hat den Sinn des Sichversammelns (Zusammenkommens), wie es heißt: „Wenn du gegen eine Stadt dich versammelst (תצור)“ (Dwarim 20,19). „Und Er brachte (sie) zu Adam, um zu sehen, wie er sie nennen würde“ (Bereschit 2,19). Ist nicht alles vor dem Heiligen, gelobt sei Er, erschaut, warum heißt es: לראות, um zu sehen?“ Was bedeutet: לראות? „Um die Dienstengel die Weisheit Adams sehen zu lassen (להראות). „Und wie ist sein Name?“ Denn der Heilige, gelobt sei Er, hatte festgesetzt, dass er einem jeglichen Dinge einen Namen geben sollte. Der Heilige, gelobt sei Er, fragte ihn: Und wie ist dein Name? Adam antwortete: Mir ziemt es, Adam der Erste (אדם ראשון) zu heißen, weil ich vom Erdboden geschaffen worden bin. Dann fragte Er ihn: Und wie ist Mein Name? Er antwortete: Dir ziemt es: Herr (אדני) zu heißen, denn Du bist der Herr (אדני) über alles. Darum heißt es: „Ich, der Herr [Ewiger], ist Mein Namen“ (Jeschajahu 42,8), es ist Mein Name, mit dem Mich der erste Adam benannt hat. Sofort sprach der Heilige, gelobt sei Er, zu den Dienstengeln: Sehet, wie (groß) seine Weisheit ist! Und ihr sprecht: „Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkest?“

Ebenso war es bei der Schenkung der Thora. Als der Heilige, gelobt sei Er, kam, um den Israeliten die Thora auf dem Sinai zu geben, fingen die Dienstengel an mit Ihm zu rechten. Sie sprachen: „Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkest?“ Ewiger, unser Herr, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erde!Du, dessen Majestät man über den Himmeln verkündet. Sie sprachen nämlich zu ihm: Herr der Welt! Dir geziemt es, dass Du die Thora in den Himmeln gibst. Warum? Weil wir heilig und rein sind und sie heilig und rein ist, wir leben und Deine Thora ist ein Baum des Lebens. Besser ist, sie bleibt bei uns. Er antwortete ihnen: Es gehört sich nicht, dass sie bei den Oberen bestehet, denn es heißt: „Im Lande der Lebenden wird sie nicht gefunden“ (Jiob 28,13). – Giebt es denn oben ein Land? Wo aber besteht sie? Bei den Unteren, wie es heißt: „Ich habe das Land gemacht und den Menschen auf ihm geschaffen“ (Jeschajahu 45,12).

R. Nechemja im Namen des R. Jehuda sagt: Gleich einem Menschen, der einen Sohn hatte, dem ein Finger fehlte. Sein Vater ging, um ihn die Seidenspinnerei lehren zu lassen und alle Beschäftigung dieses Handwerks. Jenes Handwerk erforderte aber alle Finger. Nach einiger Zeit kam sein Vater zum Meister und sprach zu ihm: Warum lehrst du meinem Sohne dieses Handwerk nicht? Der Meister antwortete ihm: Dieses Handwerk erfordert alle Finger, deinem Sohne aber fehlt ein Finger, und du willst, dass ich ihm die Seidenspinnerei lehre? So sprach auch der Heilige, gelobt sei Er: Die Thora kann nicht bei euch bestehen, denn unter euch gibt es keine Fortpflanzung, keine Unreinheit, kein Sterben und keine Krankheit sondern ihr seid alle heilig, in der Thora heißt es aber: „So ein Mensch im Zelte stirbt…“ (Bemidbar 19,14); „Das sei das Gesetz für den Aussätzigen…“ (Wajikra 12,2); „So eine Frau Samen bringt...“ (dort 12,2); „so eine Frau den Blutfluss hat“ (dort 15,25); „das dürft ihr essen…“ (dort 11,9); „das dürft ihr nicht essen…“ (dort V. 5). Darum heißt es: „Im Lande der Lebenden wird sie nicht gefunden“ (Jiob 28,13). Und der Heilige, gelobt sei Er, übte Gnade und gab Mosche die Thora, als Er geendet hatte, alle diese Worte mit den Engeln zu reden. Als nun Mosche hinaufstieg (auf den Berg Sinai) und nicht wieder herabkam, begingen die Israeliten jene Tat und die Tafeln wurden zerbrochen. Da freuten sich die Dienstengel und sprachen: Nun kehrt die Thora wieder zu uns zurück. Als aber Mosche hinaufstieg, um zum zweiten Male (die Thora) zu empfangen, sprachen die Dienstengel: Herr der Welt! Haben sie dieselbe nicht gestern übertreten, denn Du hast in ihr geschrieben: „Du sollst keine fremden Götter haben neben Mir“ (Schemot 20,3)? An jedem Tage, entgegnete ihnen der Heilige, gelobt sei Er: Seid ihr zwischen Mir und den Israeliten die Ankläger? Als ihr zu Abraham hinab stiegt, aßt ihr nicht Fleisch in der Milch, wie es heißt: „Und er nahm Rahm und Milch und das junge Rind … und sie aßen“? (Bereschit 18, 8). Wenn aber ein Kind von ihnen aus der Schule (eig. aus dem Hause seines Lehrers) kommt, und seine Mutter ihm ein Stück Brot, Fleisch und Käse zu essen reicht, so spricht es zu ihr: Heute hat mich mein Lehrer gelehrt: „Koche nicht ein Böcklein in der Milch seiner Mutter“ (Schemot 34,26). Da fanden sie keine Entgegnung. In dieser Stunde sprach der Heilige, gelobt sei Er, zu Mosche: „Schreibe dir auf diese Worte“ (dort V. 27), solange sie keine Entgegnung und Antwort haben.

Als endlich der Heilige, gelobt sei Er, seine Schechina auf der Wohnung ruhen lassen wollte, sprachen die Dienstengel vor ihm: Herr der Welt! „Was ist der Mensch, dass Du sein gedenkest?“ R. Jehuda im Namen des R. Aibu und R. Jehuda bar Rabbi Simon legen beide einen Vers aus: „Die Könige der Scharen (ידודון ידודון)“ (Tehillim 68,13). Sie (die Dienstengel) warfen Zettel hin, wie es heißt: “Und über Mein Volk warfen sie(ידו) das Los“ (Joel 4,3). der Heilige, gelobt sei Er, sprach zu ihnen: Bei eurem Leben! Ich werde auch so tun. „Es deckt die Himmel Sein Glanz und Seines Lobes voll war die Erde“ (Habak.uk 3,3). Er sprach nämlich zu ihnen: Bei eurem Leben! Die Schechina ist bei Mir, wie es heißt: „Und Seines Lobes voll ist die Erde.“ Die Dienstengel erwiderten: Die ist doch auch auf der Erde? Darauf sprach Er zu ihnen: Gleichwohl will Ich dir beweisen, dass es so ist, denn es heißt: „Lobet den Ewigen aus dem Himmel“ (Tehillim 148,1). „Seine Majestät ist auf der Erde und in den Himmeln (dort V. 13). Zuerst steht: „Auf der Erde“ und dann folgt erst: „In den Himmeln.“ Darum heißt es: Ewiger, unser Herr, wie herrlich ist Dein Name auf der ganzen Erde, Du, dessen Majestät man über den Himmeln verkündet.

„Und es Geschah, als Mosche von dem Berge Sinai herabstieg, - und die zwei Tafeln des Zeugnisses waren in der Hand Mosches, als er von dem Berge herabstieg, - da wusste Mosche nicht, dass die Haut seines Angesichts strahlte, weil Er mit ihm geredet hatte“ (2.Mose 34,29).

Midrasch Tehillim 75,5
Vers 11. Und all die Hörner der Frevler schlag ich ab, hoch seien die Hörner der Gerechten. Zehn Hörner (קרנות) hat der Heilige, geb. sei er! den Israeliten gegeben: Das Horn Abrahams, wie es heisst: „Ich will singen von meinem Freunde, das Lied meines Freundes von seinem Weinberge. Einen Weinberg hatte mein Freund auf dem Horne des Oelsohnes“ (Jes. 5, 1); das Horn Jizchaks, wie es heisst: „und siehe, ein Widder, der hernach hängen blieb im Dickicht an seinen Hörnern“ (Gen. 22, 13); das Horn Moses, wie es heisst: „Und Moses wusste nicht, dass hornartig war die Haut seines Angesichts“ (Ex. 34, 29); das Horn Samuels in der Prophetie, wie es heisst: „Und Hanna betete: Erhöht ist mein Horn“ (1 Sam. 2, 1); das Horn Aharons in der Höhenpriesterwürde, wie es heisst: „Erhöht ist sein Horn in Ehren“ (Ps. 112, 9); das Horn des Synedriums in der Thora, wie es heisst: „Und der Mond, der Sonne gleich, hatte Hörner sich zur Seite“ (Hab. 3, 4); (Hab. 3, 4); das Horn Hemans in der Levitenwürde, wie es heisst: „All diese waren Söhne Hemans, des Sehers des Königs, dass nach den Worten Gottes (sein) Horn erhoben werde“ (1 Chron. 25, 5); das Horn Jerusalems bei der Erbauung, wie es heisst: „Und aus den Hörnern der Reemim erhöre mich“ (Ps. 22,22); das Horn des Königs Messias in dem Königthume, wie es heisst: „Er erhöht das Horn seines Gesalbten“ (1 Sam. 2, 10); das Horn Davids in dem Lichte der Künftigen Tages, wie es heisst: „Dort lasse ich sprossen ein Horn dem David, richte an eine Leuchte meinem Gesalbten“ (Ps. 132, 17). Als die Israeliten sündigten, wurden ihnen die Hörner genommen und den Völkern verliehen, wie es heisst: „Es (das Thier) hatte zehn Hörner“ (Dan. 7, 7). Daraus erhellt, dass die Völker der Welt mit diesen Thieren (Chajoth) verglichen werden. Solange die Hörner der Frevler bestehen, sind die Hörner Israels abgeschlagen, wie es heisst: „Er schlägt ab in zorniger Gluth das ganze Horn Israels“ (Thren. 2, 3). Aber zur Zeit, wo er die Hörner der Gerechten erhebt, schlägt er die Hörner der Frevler ab, wie es heisst: Und all die Hörner der Frevler schlag’ ich ab. Sofort werden die Hörner des Gerechten erhöht, sein Horn, das der Gerechte der Welt abgeschlagen hatte.

„Und Aharon und alle Kinder Israel sahen Mosche an, und siehe, die Haut seines Angesichts strahlte; und sie fürchteten sich, ihm zu nahen“ (Schemot 34,30).

Midrasch Tehillim 21,4
Vers 4. Denn Du kommst ihm entgegen mit Segnungen des Guten (טוב). Nach R. Jehuda bezieht sich das auf den Segen Mosches, der gut (טוב) genannt wird, wie es heißt: „Und sie sah ihn, dass er gut war“ (Schemot 2,2). Nach den Rabbanan aber geht es auf die Thora, die gut genannt wird, wie es heißt: „Denn eine gute Lehre gebe Ich euch“ (Mischle 4,2).
Vers 5. Leben forderte er von Dir. R. Jochanan hat gesagt: Zu drei Menschenkindern sprach der Heilige, gelobt sei Er: Fordere! Nämlich zu Schlomo, Achas und dem König Maschiach.[1]
R. Berechja hat gesagt: Selbst für die, welche lebendig in die Hölle hinabgefahren sind, wie die Kinder Korachs und seine Rotte, bittet Er (שאל), dass sie wider herauf kommen.“[2] (1. Schmu’el 2,6).
Vers 6. Groß ist seine Herrlichkeit durch Deine Hilfe, d. i. groß ist Er in Seinen Werken. Hoheit und Majestät legst Du auf ihn, d. i. die Hoheit des Lehrers und die Majestät des Schülers. In diesem Sinne heißt es: „Und lege von deiner Hoheit auf ihn“ (Bemidbar 27,20). Es heißt: Von deiner Hoheit, und nicht: Deine ganze Hoheit. Und wo wurde sie Jehoschua verliehen? R. Judan hat gesagt: Am Jordan wurde sie ihm verliehen. Von Mosche heißt es: „Und sie fürchteten sich ihm zu nahen“ (Schemot 34,30), und von Jehoschua heißt es: „Und sie fürchteten sich vor ihm, wie sie sich vor Mosche gefürchtet hatten“ (Jehoschua 4,14).

[1]vergl. Tehillim 2,8
[2] שאול ist im Sinne von שאל  gedeutet.

 
 
 
 
 
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