Sprüche der Väter - Drittes Kapitel

06. Mai 2012 geschrieben von   Freigegeben in Pirke Awot III

ב"ה

Die Mischnajot werden nach und nach kommentiert und verlinkt

Bitte auf <Kommentar> achten

 

כל ישראל יש להם חלק לעולם הבא,שנאמר:
ועמך כלם צדיקים, לעולם יירשו ארץ, נצר מטעי, מעשה ידי להתפאר.

Ganz Israel hat Anteil an der kommenden Welt, wie es heißt:

Und Dein Volk, alle sind sie Gerechte, auf ewig werden sie das Land erben, sie sind das Sprössling Meiner Pflanzung, das Werk Meiner Hände Mir zur Verherrlichung.

Jeschajahu 60,21; Sanhedrin 90a

* * *

III,1

עֲקַבְיָא בֶּן מַהֲלַלְאֵל אוֹמֵר:
הִסְתַּכֵּל
בִּשְׁלֹשָׁה דְּבָרִים וְאֵין אַתָּה בָּא לִידֵי עֲבֵרָה.
דַּע
, מֵאַיִן בָּאתָ, וּלְאָן אַתָּה הוֹלֵךְ, וְלִפְנֵי מִי אַתָּה עָתִיד לִתֵּן דִּין וְחֶשְׁבּוֹן.
מֵאַיִן
בָּאתָ - מִטִּפָּה סְרוּחָה, וּלְאָן אַתָּה הוֹלֵךְ - לִמְקוֹם עָפָר רִמָּה וְתוֹלֵעָה.
וְלִפְנֵי
מִי אַתָּה עָתִיד לִתֵּן דִּין וְחֶשְׁבּוֹן: לִפְנֵי מֶלֶךְ מַלְכֵי הַמְּלָכִים הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא.

 

Rabbi Akawja ben Mahalalel[1] sagt:

Beachte folgende drei Dinge, und du wirst nicht der Sünde verfallen:

Sei dir dessen bewusst, woher du kommst und wohin du gehst und vor wem du einst Rechenschaft ablegen wirst.

Woher kommst du? Von einem übel riechenden Tropfen.

Wohin gehst du? An den Ort des Staubes, des Ungeziefers und Gewürms.

Vor wem wirst du einst Rechenschaft ablegen? Vor dem König der Könige, dem Heiligen, gelobt sei Er!

***

III,2

 

רַבִּי חֲנִינָא סְגַן הַכֹּהֲנִים אוֹמֵר:
הֱוֵי
מִתְפַּלֵּל בִשְׁלוֹמָהּ שֶׁלמַלְכוּת, שֶׁאִלְ מָלֵא מוֹרָאָהּ, אִישׁ אֶת רֵעֵהוּ חַיִּים בְּלָעוֹ.

 

Rabbi Chanina, stellvertretender Hohenpriester,[2] sagt:

Bete für das Wohl der Regierung, denn ohne Furcht vor ihr würde man einander lebendig verschlingen.

***

III,3

רַבִּי חֲנַנְיָא בֶּן תְּרַדְיוֹן אוֹמֵר:
שְׁנַיִם
שֶׁיּוֹשְׁבִין וְאֵין בֵּינֵיהֶן דִּבְרֵי תוֹרָה, הֲרֵי זֶה מוֹשַׁב לֵצִים, שֶׁנֶּאֱמַר (תהלים א,א) וּבְמוֹשַׁב לֵצִים לֹא יָשָׁב.
אֲבָל
שְׁנַיִם שֶׁיּוֹשְׁבִין וְיֵש בֵּינֵיהֶם דִּבְרֵי תּוֹרָה, שְׁכִינָה שְׁרוּיָה בֵּינֵיהֶם, שֶׁנֶּאֱמַר (מלאכי ג,טז) אָז נִדְבְּרו ּיִרְאֵי ה' אִישׁ אֶל רֵעֵהוּ וַיַּקְשֵׁב ה' וַיִּשְׁמָע וַיִּכָּתֵב סֵפֶר זִכָּרוֹן לְפָנָיו לְיִרְאֵי ה' וּלְחֹשְׁבֵי שְׁמוֹ.
אֵין
לִי אֶלָּא שְׁנַיִם.
מִנַּיִן
שֶׁאֲפִלּו ּאֶחָד שֶׁיּוֹשֵׁב וְעוֹסֵק בַּתּוֹרָה, שֶׁהַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא קוֹבֵעַ לוֹ שָׂכָר, שֶׁנֶּאֱמַר (איכהג, י) יֵשֵׁב בָּדָד וְיִדֹּם כִּי נָטַל עָלָיו.

 

Rabbi Chananja ben Teradjon[3] sagt:

Wenn zwei zusammensitzen und sich nicht über die Thora unterhalten, so ist dies eine „Sitzung der Spötter“, wie es heißt: „Sitze nicht in der Sitzung der Spötter“ (Tehillim 1,1).

Aber wenn zwei zusammensitzen und sich über die Thora unterhalten, dann ist die Schechina, die einwohnende Gegenwart des Heiligen, gelobt sei Er, unter ihnen, wie es heißt:  „Dann beredeten sich die Ehrfürchtigen des Ewigen einer mit dem anderen, der Ewige vernahm und hörte es und schrieb es in das Buch des Gedächtnisses vor Seinem Angesicht, den Ehrfürchtigen des Ewigen und denen, die Seinen Namen achten, zum Verdienst“ (Maleachi 3,16)

Dies gilt für zwei. Woher wissen wir, dass der Heilige, gelobt sei Er, sogar für einen, der sitzt und sich mit der Thora beschäftigt, Lohn festsetzt? Weil es heißt: „Der einsam sitzt und schweigt, weil G-tt es ihm auferlegt“ (Klagelieder 1,28).

***

III,4

רַבִּי שִׁמְעוֹן אוֹמֵר:
שְׁלֹשָׁה
שֶׁאָכְלו ּעַל שֻׁלְחָן אֶחָד וְלֹא אָמְרו ּעָלָיו דִּבְרֵי תוֹרָה, כְּאִלּוּ אָכְלוּ מִזִּבְחֵי מֵתִים, שֶׁנֶּאֱמַר (ישעיה, כח) כִּי כָל שֻׁלְחָנוֹת מָלְאוּ קִיא צֹאָה בְּלִי מָקוֹם.
אֲבָל
שְׁלֹשָׁה שֶׁאָכְלוּ עַל שֻׁלְחָן אֶחָד וְאָמְרוּ עָלָיו דִּבְרֵי תוֹרָה, כְּאִלּו אָכְלו ּמִשֻּׁלְחָנוֹ שֶׁל מָקוֹם בָּרוּךְ הוּא, שֶׁנֶּאֱמַר (יחזקאל מא,כב) וַיְדַבֵּר אֵלַי זֶה הַשֻּׁלְחָן אֲשֶׁר לִפְנֵי ה'.

 

Rabbi Schim’on[4] sagt:

Wenn drei an einem Tisch gegessen und sich nicht über die Worte der Thora unterhalten haben, dann ist es, als hatten sie von den Opfern der geistig Toten (Götzendiener) gegessen, wie es heißt: „Denn alle Tische sind voller Erbrochenem, voller Kot, haben keinen Ort [in der Schöpfung]“ [5] (Jeschajahu 28,8).

Wenn aber drei an einem Tisch gegessen und über die Worte der Thora sprachen, dann ist es, als hätten sie vom Altar des Heiligen, gelobt sie Er, gegessen, wie es heißt: „Er sagte mir: „Dies ist der Tisch, der vor dem  Angesicht des Ewigen ist““ (Ezechiel 41,22).

***

III,5

רַבִּי חֲנִינָא בֶּן חֲכִינַאי אוֹמֵר:
הַנֵּעוֹר
בַּלַּיְלָה וְהַמְּהַלֵּךְ בַּדֶּרֶךְ יְחִידִי וְהַמְּפַנֶּה לִבּוֹ לְבַטָּלָה,הֲרֵי זֶה מִתְחַיֵּב בְּנַפְשׁוֹ.

 

Rabbi Chanina ben Chachinai[6] sagt:

Wer die Nacht durchwacht und allein seine Wege geht und das Sinnen seines Herzens Nichtigem zuwendet, der verschuldet seine Seele.

***

III,6

רַבִּי נְחוּנְיָא בֶּן הַקָּנֶה אוֹמֵר:
כָּל
הַמְּקַבֵּל עָלָיו עֹל תּוֹרָה, מַעֲבִירִין מִמֶּנּוּ עֹל מַלְכוּת וְעֹל דֶּרֶךְ אֶרֶץ.
וְכָל
הַפּוֹרֵק מִמֶּנּוּ עֹל תּוֹרָה, נוֹתְנִין עָלָיו עֹל מַלְכוּת וְעֹל דֶּרֶךְ אֶרֶץ.

 

Rabbi Nechunja ben Hakkana[7] sagt:

Jeder, der das Joch der Thora auf sich nimmt, an dem zieht das Joch der weltlichen Herrschaft und seiner Mühsal vorüber.

Jeder, der das Joch der Thora von sich abwirft, der muss sich dem Joch der weltlichen Herrschaft und seiner Mühsal fügen.

***

III,7

 רַבִּי חֲלַפְתָּא בֶּן דּוֹסָא אִישׁ כְּפַר חֲנַנְיָה אוֹמֵר:
עֲשָׂרָה
שֶׁיּוֹשְׁבִין וְעוֹסְקִין בַּתּוֹרָה, שְׁכִינָה שְׁרוּיָה בֵּינֵיהֶם, שֶׁנֶּאֱמַר (תהלים פב,א) אֱלֹהִים נִצָּב בַּעֲדַת אֵל.
וּמִנַּיִן
אֲפִלּוּ חֲמִשָּׁה, שֶׁנֶּאֱמַר (עמוס ט,ו) וַאֲגֻדָּתו ֹעַל אֶרֶץ יְסָדָהּ.
וּמִנַּיִן
אֲפִלּוּ שְׁלֹשָׁה, שֶׁנֶּאֱמַר (תהלים פב,א) בְּקֶרֶב אֱלֹהִים יִשְׁפֹּט.
וּמִנַּיִן
אֲפִלּוּ שְׁנַיִם, שֶׁנֶּאֱמַר (מלאכי ג,טז), אָז נִדְבְּרוּ יִרְאֵי ה' אִישׁ אֶל רֵעֵהוּ וַיַּקְשֵׁב ה' וַיִּשְׁמָע וְגוֹ'.
וּמִנַּיִן
אֲפִלּוּ אֶחָד, שֶׁנֶּאֱמַר (שמות כ,כא) בְּכָל הַמָּקוֹם אֲשֶׁר אַזְכִּיר אֶת שְׁמִי אָבוֹא אֵלֶיךָ וּבֵרַכְתִּיךָ.

 

Rabbi Chalafta ben Dosa[8] aus Kefar-Chananja sagt:

Wenn zehn zusammensitzen und sich mit der Thora beschäftigen, dann weilt die Schechina, die einwohnende Gegenwart G-ttes weilt mit ihnen, wie es heißt: „G-tt steht in der Ratsversammlung G-ttes“ (Tehillim 82,1).

Woher wissen wir, dass die Schechina auch bei fünfen ist? Weil es heißt: „Seine Vereinigung hat Er auf der Erde gegründet“ (Amos 9,6).

Woher wissen wir, dass die Schechina auch bei dreien ist? Weil es heißt: „Inmitten der Richter richtet G-tt“ (Tehillim 82,1).

Woher wissen wir, dass die Schechina auch bei zweien ist? Weil es heißt: „Sodann bereden sich die den Ewigen ehrfürchten mit einander, der Ewige achtet darauf und hört es …“ (Maleachi 3,16).

Woher wissen wir, dass die Schechina auch bei einem einzigen ist? Weil es heißt: „An jedem Ort, wo Ich Meinen Namen gedenken lassen, will Ich zu dir kommen und dich segnen.“ (Schemot 20,21).

***

III,8

רַבִּי אֶלְעָזָר אִישׁ בַּרְתּוֹתָא אוֹמֵר:
תֵּן
לוֹ מִשֶּׁלּוֹ, שֶׁאַתָּה וְשֶׁלְּךָ שֶׁלּוֹ. וְכֵן בְּדָוִד הוּא אוֹמֵר (דה"א, כט,יד) כִּי מִמְּךָ הַכֹּל וּמִיָּדְךָ נָתַנּוּ לָךְ.

 

Rabbi El ’asar aus Bartota[9] sagt:

Gib dem Heiligen, gelobt sei Er, von dem Seinem, denn du selbst und alles, was dir gehört, ist Sein. Entsprechend sagt David: „von Dir kommt alles, und was wir Dir geben, stammt aus Deiner Hand“ (I. Diwre HaJamim 29,14).

***

III,9

 

רַבִּי יעקוב אוֹמֵר:
הַמְּהַלֵּךְ
בַּדֶּרֶךְ וְשׁוֹנֶה וּמַפְסִיק מִמִּשְּׁנָתוֹ וְאוֹמֵר, מַה נָאֶה אִילָן זֶה וּמַה נָאֶה נִיר זֶה, מַעֲלֶה עָלָיו הַכָּתוּב כְּאִלּוּ מִתְחַיֵּב בְּנַפְשׁוֹ.

 

Rabbi Jakow ben Kerschai[10] sagt:

Wenn einer des Weges geht und lernt Thora, und unterbricht das Lernen und sagt: „Wie wohltuend ist dieser Baum und wie wohlgefällig dieses Feld!“, so erhebt gegen ihn die Heiliger Schrift den Vorwurf, als hätte er sich gegen seine Seele verschuldet.

***

III,10

רַבִּי דּוֹסְתַאי בְּרַבִּי יַנַּאי מִשּׁוּם רַבִּי מֵאִיר אוֹמֵר:
כָּל
הַשּׁוֹכֵחַ דָּבָר אֶחָד מִמִּשְּׁנָתוֹ, מַעֲלֶה עָלָיו הַכָּתוּב כְּאִלּוּ מִתְחַיֵּב בְּנַפְשׁוֹ, שֶׁנֶּאֱמַר (דברים ד,ט), רַק הִשָּׁמֶר לְךָ וּשְׁמֹר נַפְשְׁךָ מְאֹד פֶּן תִּשְׁכַּח אֶת הַדְּבָרִים אֲשֶׁר רָאוּ עֵינֶיךָ.
יָכוֹל
אֲפִלּוּ תָּקְפָה עָלָיו מִשְּׁנָתוֹ, תַּלְמוּד לוֹמַר (שם) וּפֶן יָסוּרוּ מִלְּבָבְךָ כָּל יְמֵי חַיֶּיךָ, הָא אֵינוֹ מִתְחַיֵּב בְּנַפְשׁוֹ עַד שֶּׁיֵּשֵׁב וִיסִירֵם מִלִּבּוֹ.

 

Rabbi Dostai bar Jannai[11] sagte im Namen Rabbi Meirs:

Jeder, der auch nur ein einziges Wort des Gelernten vergisst, so erhebt gegen ihn die Heiliger Schrift den Vorwurf, als hätte er sich gegen seine Seele verschuldet, wie es heißt: „So hüte dich und bewahre deine Seele, dass du die Worte nicht vergisst, die deine Augen gesehen haben“ (Dwarim 4,19).

Gilt das etwa auch, wenn die Mischna schwer einzuprägen war? Daher lehrt die Schrift: „… damit sie nicht weichen aus deinem Herzen alle Tage deines Lebens“ (dort). Das bedeutet: Er verschuldet sich an seiner Seele erst dann, wenn er sich hinsetzt und das Gelernte aus seinem Herzen weichen lässt [da er mit Nichtigem beschäftigt].

***

III,11

רַבִּי חֲנִינָא בֶּן דּוֹסָא אוֹמֵר:
כָּל
שֶׁיִּרְאַת חֶטְאוֹ קוֹדֶמֶת לְחָכְמָתוֹ, חָכְמָתוֹ מִתְקַיֶּמֶת.
וְכָל
שֶׁחָכְמָתוֹ קוֹדֶמֶת לְיִרְאַת חֶטְאוֹ , אֵין חָכְמָתוֹ מִתְקַיֶּמֶת.

 

Rabbi Chanina ben Dosa[12] sagt:

Jeder, dessen Furcht vor Sünde vorangeht dessen Weisheit, seine Weisheit wird Bestand haben.

Und jeder, dessen Weisheit vorangeht der Furcht vor der Sünde, dessen Weisheit wird keinen Bestand haben.

***

III,12

הוּא הָיָה אוֹמֵר:
כָּל
שֶׁמַּעֲשָׂיו מְרֻבִּין מֵחָכְמָתוֹ, חָכְמָתוֹ מִתְקַיֶּמֶת.
וְכָל
שֶׁחָכְמָתוֹ מְרֻבָּה מִמַּעֲשָׂיו, אֵין חָכְמָתוֹ מִתְקַיֶּמֶת.

Er sagte:

Jeder, dessen Werke größer sind, als seine Weisheit, dessen Weisheit wird Bestand haben.

Und jeder, dessen Weisheit größer als seine Werke, dessen Weisheit wird keinen Bestand haben.

***

 

III,13

הוּא הָיָה אוֹמֵר:
כָּל
שֶׁרוּחַ הַבְּרִיּוֹת נוֹחָה הֵימֶנּוּ, רוּחַ הַמָּקוֹם נוֹחָה הֵימֶנּוּ.
וְכָל
שֶּׁאֵין רוּחַ הַבְּרִיּוֹת נוֹחָה הֵימֶנּוּ, אֵין רוּחַ הַמָּקוֹם נוֹחָה הֵימֶנּוּ.

Er sagte:

Jeder, dem die Menschen wohl gewogen sind, dem ist der Heilige, gelobt sei Er, wohl gewogen.

Und jeder, dem die Menschen nicht wohl gewogen sind, dem ist der Heilige, gelobt sei Er, nicht wohl gewogen.

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III,14

רַבִּי דּוֹסָא בֶּן הַרְכִּינָס אוֹמֵר:
שֵׁנָה
שֶׁל שַׁחֲרִית, וְיַיִן שֶׁל צָהֳרַיִם, וְשִׂיחַת הַיְלָדִים, וִישִׁיבַת בָּתֵּי כְנֵסִיּוֹת שֶׁל עַמֵּי הָאָרֶץ, מוֹצִיאִין אֶת הָאָדָם מִן הָעוֹלָם.

 

Rabbi Dosa ben Horkinas[13] sagt:

Schlaf bis in den Vormittag, Wein am Mittag, kindliches Geschwätz und die Lehre in der Synagoge der Ungebildeten bringen den Menschen aus der Welt.

***

III,15

רַבִּי
אֶלְעָזָר
הַמּוֹדָעִי אוֹמֵר:
הַמְּחַלֵּל
אֶת הַקֳּדָשִׁים, וְהַמְּבַזֶּה אֶת הַמּוֹעֲדוֹת, וְהַמַּלְבִּין פְּנֵי חֲבֵרוֹ
בָּרַבִּים
, וְהַמֵּפֵר בְּרִיתוֹ שֶׁל אַבְרָהָם אָבִינוּ עָלָיו הַשָּׁלוֹם, וְהַמְּגַלֶּה פָנִים בַּתּוֹרָה שֶׁלֹּא כַּהֲלָכָה, אַף עַל פִּי שֶׁיֵּשׁ בְּיָדוֹ תּוֹרָה וּמַעֲשִׂים טוֹבִים, אֵין לוֹ חֵלֶק לָעוֹלָם הַבָּא.

 

Rabbi El’asar aus Modi’in[14] sagt:

Wer Heiliges entweiht und wer die Feste des Ewigen verachtet und wer seinen Freund in der Öffentlichkeit beschämt und wer seinen Bund (die Beschneidung) schädigt und wer Verkehrtes über Thora behauptet[15], sogar wenn er gute Thorakenntnis besitzt und gute Taten, der hat keinen Anteil an der künftigen Welt.

***

III,16

רַבִּי יִשְׁמָעֵאל אוֹמֵר:
הֱוֵי
קַל לָרֹאשׁ וְנוֹחַ לַתִּשְׁחֹרֶת, וֶהֱוֵי מְקַבֵּל אֶת כָּל הָאָדָם בְּשִׂמְחָה .

 

Rabbi Ischma’el[16] sagt:

Sei leichtfüßig gegenüber dem Verantwortlichen

und sei nachsichtig gegenüber der Jugend

und empfange jeden Mitmenschen mit Freude.

***

III,17

רַבִּי עֲקִיבָא אוֹמֵר:
שְׂחוֹק
וְקַלּוּת רֹאשׁ, מֵרְגִילִין לְעֶרְוָה.
מָסֹרֶת
, סְיָג לַתּוֹרָה.
מַעַשְׂרוֹת
, סְיָג לָעֹשֶׁר .
נְדָרִים
, סְיָג לִפְרִישׁוּת.
סְיָג
לַחָכְמָה, שְׁתִיקָה .

 

Rabbi Akiba[17] sagt:

Spöttisches und übertriebenes Gelächter sowie Leichtsinn verführen zur Unzucht.

Die Überlieferung ist ein schützender Zaun für die Thora.

Der Zehnte ist ein schützender Zaun für den Wohlstand.

Gelübde sind der schützende Zaun für die Enthaltsamkeit.

Der Zaun um die Weisheit ist das Schweigen.

***

III,18

הוּא הָיָה אוֹמֵר:
חָבִיב
אָדָם שֶׁנִּבְרָא בְּצֶלֶם .
חִבָּה
יְתֵרָה נוֹדַעַת לו ֹשֶׁנִּבְרָא בְּצֶלֶם, שֶׁנֶּאֱמַר (בראשית ט,ו) כִּיבְּצֶלֶם אֱלֹהִים עָשָׂה אֶת הָאָדָם.
חֲבִיבִין
יִשְׂרָאֵל שֶׁנִּקְרְאוּ בָּנִים לַמָּקוֹם.
חִבָּה
יְתֵרָה נוֹדַעַת לָהֶם שֶׁנִּקְרְאוּ בָּנִים לַמָּקוֹם, שֶׁנֶּאֱמַר (דבריםיד,א) בָּנִים אֹתָם לַה' אֱלֹהֵיכֶם.
חֲבִיבִין
יִשְׂרָאֵל, שֶׁנִּתַּן לָהֶם כְּלִי חֶמְדָּה.
חִבָּה
יְתֵרָה נוֹדַעַת לָהֶם שֶׁנִּתַּן לָהֶם כְּלִי חֶמְדָּה שֶׁבּוֹ נִבְרָא הָעוֹלָם, שֶׁנֶּאֱמַר (משליד,ג) כִּי לֶקַח טוֹב נָתַתִּי לָכֶם, תּוֹרָתִי אֶל תַּעֲזֹבוּ.

Er sagte:

Innig geliebt ist der Mensch, denn er wurde im Ebenbilde G-ttes erschaffen. Ein zusätzlicher Liebeserweis war die ihm gewährte Erkenntnis, dass er im Ebenbilde G-ttes erschaffen ist, wie es heißt: „denn im Ebenbilde G-ttes hat Er den Menschen gemacht“ (Bereschit 9,6).

Innig geliebt ist Israel, denn sie werden „Kinder G-ttes“ genannt. Ein zusätzlicher Liebeserweis war die ihnen gewährte Erkenntnis,  dass sie Kinder G-ttes genannt sind, wie es heißt: „Kinder seid ihr dem Ewigen, eurem G-tt“ (Dwarim 14,1).

Innig geliebt ist Israel, denn ein köstliches Kleinod wurde ihnen anvertraut. Ein zusätzlicher Liebeserweis war die ihnen gewährte Erkenntnis, dass ihnen ein köstliches Kleinod anvertraut wurde, wie es heißt: „Denn eine gute Lehre gab Ich euch, Meine Thora verlasst nicht!“ (Mischle 4,3).

***

III,19

הַכֹּל
צָפוּי
, וְהָרְשׁוּת נְתוּנָה, וּבְטוּב הָעוֹלָם
וְהַכֹּל
לְפִי רֹב הַמַּעֲשֶׂה.

Alles ist vorhergesehen;

und die  Entscheidungsfreiheit ist gewährt;

und durch Güte wird die Welt gerichtet;

und alles wird nach der Mehrheit der Taten entschieden.

***

III,20

הוּא הָיָה אוֹמֵר:
הַכֹּל
נָתוּן בְּעֵרָבוֹן, וּמְצוּדָה פְּרוּסָה עַל כָּל הַחַיִּים.
הַחֲנוּת
פְּתוּחָה, וְהַחֶנְוָנִי מַקִּיף, וְהַפִּנְקָס פָּתוּחַ, וְהַיָּד כּוֹתֶבֶת, וְכָל הָרוֹצֶה לִלְוֹת יָבוֹא וְיִלְוֶה, וְהַגַּבָּאִים מַחְזִירִים  תָּדִיר בְּכָל יוֹם, וְנִפְרָעִין מִן הָאָדָם מִדַּעְתּוֹ וְשֶׁלֹּא מִדַּעְתּוֹ , וְיֵשׁ לָהֶם עַל מַה שֶּׁיִּסְמֹכוּ, וְהַדִּין דִּין אֱמֶת, וְהַכֹּל מְתֻקָּן לִסְעֻדָּה.

Er sagte:

Alles Gegebene ist durch Pfand gesichert und ein Netz ist über alle Lebendige aufgespannt.

Der Laden ist geöffnet und der Ladenbesitzer teilt aus, und das Buch ist aufgeschlagen und die Hand notiert, und jeder, der leihen will, soll kommen und leihen;

und die Aufseher fordern täglich und treiben die Schuld ein mit oder ohne Einsicht des Menschen und sie haben, worauf sie sich stützen;

und das Urteil ist ein wahrhaftes Urteil, und für das Festmahl ist alles zubreitet.

***

III,21

רַבִּי אֶלְעָזָר בֶּן עֲזַרְיָה אוֹמֵר:
אִם
אֵין תּוֹרָה, אֵין דֶּרֶךְ אֶרֶץ.
אִם
אֵין דֶּרֶךְ אֶרֶץ, אֵין תּוֹרָה.
אִם
אֵין חָכְמָה, אֵין יִרְאָה.
אִם
אֵין יִרְאָה, אֵין חָכְמָה.
אִם
אֵין בִּינָה, אֵין דָעַת.
אִם
אֵין דַעַת, אֵין בִּינָה.
אִם
אֵין קֶמַח, אֵין תּוֹרָה.
אִם
אֵין תּוֹרָה, אֵין קֶמַח.

 

Rabbi El’asar ben Asarja[18] sagt:

Wenn keine Thora, keine Moral;

wenn keine Moral, keine Thora.

Wenn keine Weisheit, keine Ehrfurcht;

wenn keine Ehrfurcht, keine Weisheit.

Wenn kein Verstand, keine Erkenntnis;

Wenn keine Erkenntnis, kein Verstand.

Wenn kein Mehl, keine Thora;

wenn keine Thora, kein Mehl.

***

III,22

הוּא הָיָה אוֹמֵר:
כָּל
שֶׁחָכְמָתוֹ מְרֻבָּה מִמַּעֲשָׂיו, לְמָה הוּא דּוֹמֶה, לְאִילָן שֶׁעֲנָפָיו מְרֻבִּין וְשָׁרָשָׁיו מֻעָטִין, וְהָרוּחַ בָּאָה וְעוֹקַרְתּו ֹוְהוֹפְכְתוֹ עַל פָּנָיו, שֶׁנֶּאֱמַר (ירמיה, יז,ו) וְהָיָה כְּעַרְעָר בָּעֲרָבָה וְלֹא יִרְאֶה כִּי יָבוֹא טוֹב וְשָׁכַן חֲרֵרִים בַּמִּדְבָּר אֶרֶץ מְלֵחָה וְלֹא תֵשֵׁב.
אֲבָל
כָּל שֶׁמַּעֲשָׂיו מְרֻבִּין מֵחָכְמָתוֹ, לְמָה הוּא דּוֹמֶה, לְאִילָן שֶׁעֲנָפָיו מֻעָטִיןוְ שָׁרָשָׁיו מְרֻבִּין, שֶׁאֲפִלּוּ כָּל הָרוּחוֹת שֶׁבָּעוֹלָם בָּאוֹת וְנוֹשְׁבוֹת בּוֹ אֵין מִזִּיזִין אוֹתוֹ מִמְּקוֹמוֹ, שֶׁנֶּאֱמַר (שם, יז,ח) וְהָיָה כְּעֵץ שָׁתוּל עַל מַיִם וְעַל יוּבָל יִשְׁלַח שָׁרָשָׁיו וְלֹא יִרְאֶה כִּי יָבֹא חֹם, וְהָיָה עָלֵהוּ רַעֲנָן, וּבִשְׁנַת בַּצֹּרֶת לֹא יִדְאָג, וְלֹא יָמִישׁ מֵעֲשׂוֹת פֶּרִי.

Er sagte:

Jeder, dessen Wissen größer ist, als seine Taten, womit ist er zu vergleichen? Mit einem Baum, der viele Zweige und wenige Wurzeln hat. Und es kommt Wind auf, entwurzelt ihn und stürzt ihn um, wie es heißt: „Er wird sein wie ein Strauch in der Einöde, der das Gute, wenn es kommt, nicht sehen wird, und der fristet ausgedörrt in der Wüste, im salzigen unbewohnten Land“ (Jirmejahu 17,6).

Aber jeder, dessen Taten größer sind, als sein Wissen, womit ist er zu vergleichen? Mit einem Baum, der wenige Zweige und viele Wurzeln hat; und wenn alle Winde der Welt aufkämen und gegen ihn bliesen, könnten sie ihn nicht von der Stelle rücken, wie es heißt: „Und er wird sein wie ein am Wasser gepflanzter Baum, der am Bach seine Wurzeln ausstreckt, und sich nicht fürchtet, wenn die Hitze kommt; und sein Grün ist frisch, und im Jahre der Dürre ist er unbesorgt, und er hört nicht auf, Frucht zu tragen“ (Jirmejahu 17,8).

***

 III,23

רַבִּי אֱלִיעֶזֶר בֶּן חִסְמָא אוֹמֵר:
קִנִּין
וּפִתְחֵי נִדָּה, הֵן הֵן גּוּפֵי הֲלָכוֹת.
תְּקוּפוֹת
וְגִמַטְרְיָאוֹת, פַּרְפְּרָאוֹת לַחָכְמָה.

 

Rabbi Elieser ben Chisma[19] sagt:

Der Traktat Kinnim (Nester)[20] und der Traktat Pitche Nida (Beginn der Periode) sind der Leib der Halachot. Astronomie und Geometrie sind Zutaten für die Weisheit.

רַבִּי חֲנַנְיָא בֶּן עֲקַשְׁיָא אוֹמֵר:
רָצָה הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא לְזַכּוֹת אֶת יִשְׂרָאֵל, לְפִיכָךְ הִרְבָּה לָהֶם תּוֹרָה וּמִצְוֹת, שֶׁנֶּאֱמַר ה
'חָפֵץ לְמַעַן צִדְקוֹ יַגְדִּיל תּוֹרָה וְיַאְדִּיר.

Rabbi Chananja ben Akaschja sagt:

Der Heilige, gelobt sei Er, wollte Israel verdienstvoll machen, daher mehrte Er ihm Thora und Gebote, wie es heißt: „Der Ewige trachtete nach seiner (Israels) Gerechtigkeit, Er machte die Thora groß und verherrlichte sie“ (Jeschajahu 42,21; Makot 23b).

[1] Rabbi Akawja ben Mahalalel lebte zur Zeit Hilels des Älteren im 1. Jh. v. Chr.

[2]Rabbi Chanina lebte im 1. Jahrhundert.

[3]Rabbi Chananja ben Teradjon, lebte zur Zeit des Aufstandes von Bar Kochba im 2. Jahrhundert. Er zählt zu den zehn Märtyrern der Fremdherrschaft Roms. Rabbi Chananja wurde bei lebendigem Leib verbrannt, eingerollt in das Pergament der Thora, weil er sich weigerte, aufzuhören zu unterrichten. Um seine Qualen zu verlängern, wurde an seine Brust feuchte Schafswolle befestigt (bAwoda Sara 18a).

[4] Rabbi Schim’on ben Jochai (Raschbi), war Schüler des Rabbi Akiba, lebte Mitte des 2. Jahrhunderts. Überall in der Mischna, wenn nur der Name Schim’on erwähnt ist, ist Raschbi gemeint. Verfasser halachischer Midraschim u. a zu Schemot, Bemidbar und Dwarim. Ihm wird auch die Verfasserschaft des Sohar zugeschrieben. Rabbi Schim’on musste sich gemeinsam mit seinem Sohn El’asar 13 Jahre lang vor den Römern in einer Höhle verbergen.

[5] Die Übersetzung folgt der Erklärung von Maharal, Derech Chajim Kapitel 3 zur Stelle.

[6]Rabbi Chanina ben Chachinai war einer der ersten Schüler von Rabbi Akiba. Nach einer Überlieferung war er einer der zehn Märtyrer des Reichs. Er soll von seinem zwölften bis zu seinem 95. Lebensjahr als er umgebracht wurde, gefastet haben.

[7] Rabbi Nechunja ben HaKana lebte zur Zeit des II. Tempels und starb kurz vor dessen Zerstörung. Er war ein Meister der Thorat HaSod, der Lehre vom Verständnis der Prophetie. Sein berühmter Schüler ist Rabbi Ischma’el, der Verfasser der dreizehn Regeln der Auslegung. Rabbi Nechanja soll u. a. das Buch Bahir verfasst haben. Auch das Gebet ANA BEKOACH soll von ihm stammen.

[8] In bBaba Metzia 94a wird er auch Abba Chalafta genannt. Er tradierte im Namen des Rabbi Meir, also etwa zweite Hälfte des 2. Jh. Leider ist über sein Leben nur wenig bekannt.

[9] Mit vollem Namen: Rabbi Elasar ben Jehuda. Er war Zeitgenosse von Rabbi Akiba und wirkte etwa in der ersten Hälfte des 2. Jh. Rabbi Elasar war berühmt für seine Großzügigkeit gegenüber den Bedürftigen.

[10] Rabbi Jakow war Zeitgenosse von Rabbi Jochanan ben Sakai und erlebte die Zerstörung des II. Tempels.

[11]Rabbi Dostai war Schüler von Rabbi Meir und wirkte Ende der zweiten Hälfte des 2. JH.

[12] Rabbi Chanina ben Dosa lebte um die Zeit der Zerstörung des II. Tempels. Er war Schüler und Freund von Rabbi Jochanan ben Sakai. Rabbi Chanina war für seine Redlichkeit berühmt und dafür, sich nie von Gaben anderer abhängig machen zu wollen- Er und seine Ehefrau zogen bittere Armut vor. Die Gebete um Genesung von Rabbi Chanina wurden oft erhört.

[13] Rabbi Dosa ben Horkinas war Zeitgenosse von Rabbi Jochanan ben Sakai und lebte noch lange nach der Zerstörung des II. Tempels. Wegen seiner Weisheit suchten die größten Gelehrten seinen Rat und seine halachischen Entscheidungen waren oft autoritativ.

[14] Rabbi El’asar aus Midi’in wirkte zu Beginn der ersten Hälfte des 2. Jh. und war Onkel des Bar Kochba. Es heißt, so lang er betete konnte man Bejtar, die letzte Festung der Befreiungskämpfer, nicht einnehmen, allerdings ist sie am Tage seines Todes gefallen (j. Ta’anit. IV,5)

[15] Z.B. dass die Thora nicht von HASCHEM ist, oder dass keine Auferstehung von den Toten gäbe, Chalila.

[16] Rabbi Ischma’el ben Elischa, meistens schlicht R. Ischma’el genannt, wurde als Kind in die römische Gefangenschaft weggeführt und von Rabbi Jehoschua freigekauft. Er gilt als einer der größten Weisen seiner Generation Anfang des 2. Jh. Von ihm stammen u.a. die dreizehn Auslegungsregeln der Thora, die heute in allen Sidurim eingeordnet sind (Safra, Wajikra I,1).

[17] Rabbi Akiba gilt als der größte unter den Tanaim. Er erlebte die Zerstörung des II. Tempels und war eine der Hauptpersonen bei dem gescheiterten Befreiungskrieg von Bar Kochba 135 n. Chr.

[18] Rabbi El’asar ben Asarja ist der zehnte Nachkomme des Esra HaSofer, der die Verbannten aus der babylonischen Gefangenschaft zurückführte und zusammen mit Nechemija die Epoche des II. Tempel begründete. In Rabbis El’asar Kindheit wurde der II. Tempel zerstört und er wurde in römische Gefangenschaft weggeführt. Rabbi Jehoschua ben Chaninja kaufte ihn frei und gab ihm eine gute Ausbildung.

[19] Rabbi Elieser ben Chisma war Schüler des Rabbi Akiba. Er war berühmt für seine Gelehrsamkeit in Mathematik und Astronomie (bHoriot 10a).

[20] Taubenpaare, die man als Opfer darbrachte, nannte man קן Ken, Nest.

 
 
 
 
 
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