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Paraschat „BEHAʻALOTCHA“ Empfehlung

06. Juni 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Beha'alotecha

ב"ה

Paraschat „BEHAʻALOTCHA“ בהעלותך

Auszug aus: “Zeitlos aktuell“, Gedanken zum Wochenabschnitt, von Zwi Braun

Drei Stufen
„Sprich zu Aharon und sage ihm: Wenn du die Lichter aufsteigen lässt, so sollen die sieben
Lichter zur Mitte der Menora leuchten“ (Bamidbar 8:2).

Die Torah verwendet hier nicht den üblichen Ausdruck für Entzünden - lehadlik,
sondern die Form “lehaʻalot“ - zum Aufsteigen bringen. Diese Formulierung finden wir
bereits im Wochenabschnitt Tezawe: “lehaʻalot Ner tamid“ - das ewige Licht aufsteigen
lassen (Schʻmot 27:20). Das Licht der Menora entspricht dem Licht der Torah. Daher
verwundert es uns nicht, dass der Zahlenwert von “lehaʻalot Ner tamid“ (1245) einem
bezeichnenden Vers aus Mischle entspricht: “Denn wie eine einzelne Leuchte ist eine
Mizwa, und die Torah wie das Licht“ (6:23). Auf diese Gematrija weist uns Rav Jaakow
Auerbach in seinem Werk “LeʻOrah schel Torah“ hin.
Das Entzünden der Lichter ist nicht der einzige mit der Menora verbundene Vorgang.
Ihm voraus geht das Reinigen der Menora, das Entfernen der abgebrannten Dochte und
der Ölreste. Interessanterweise bleibt die Säuberung der Menora dem Kohen vorbehalten.
Das Entzünden der Dochte aber, wenn es im Hof des Heiligtums geschieht, kann
durch jedermann erfolgen (Hilchot Beit haMikdasch 9:6). Der chassidische Gelehrte
Rabbi Pinchas Menasche von Pilz sieht in seinem Kommentar zur Torah, Sifte Zadik,
darin einen Hinweis, dass die Vorbereitung für eine Mizwa wichtiger als deren
Durchführung sein kann. Die Lichter der Menora konnte unter gewissen Umständen jeder
anzünden, die vorausgehende Reinigung des Leuchters durfte aber nur ein Kohen
vornehmen!
Behaʻalotcha ist mit dem Verb “lehaʻalot“ - emporsteigen - verwandt. In Verbindung mit
dem Entzünden der Menora verwendet es die Torah noch zweimal (Schʻmot 25:37 “Und
mache seiner Lampen sieben, und stecket man die Lampen auf, so leuchte es nach der
Vorderseite zu“; 27:20 “Und gebiete den Kindern Israel, dass sie dir bringen Olivenöl,
lauteres, ausgepresstes, zur Beleuchtung, um die Lampen beständig anzustecken“). Die
Mischna leitet davon die Vorschrift ab, dass eine steinerne Treppe mit drei Stufen vor dem
Leuchter stand (Tamid 3:9). Auf diese Treppe stieg der Priester, um den Leuchter zu
reinigen. Da die Höhe der Menora 18 Tefachim betrug (rund 1,5 m), konnte Aharon bequem
den Leuchter reinigen und entzünden, ohne auf diese Treppe angewiesen zu sein. Da der
Kohen Gadol jedoch den Dienst in seinen acht Prunkgewändern verrichtete, gehörte dazu
auch das Stirnband mit dem Namen Gʻttes. Eine Vorschrift verbietet nun dem Kohen
Gadol, seine Hände über das Stirnband und damit sozusagen “über Gʻtt“ zu erheben (Sota
38a). Daher musste er eine Treppe besteigen, um Letzteres zu vermeiden (Rabbi Arje
Leib Zinz, Melo HaʻOmer).
Die drei Stufen vor der Menora besitzen eine besondere Bedeutung. Das Licht der
Menora, das vom Judentum ausstrahlende Licht, beruht auf drei Grundlagen: Torat Israel,
Am Israel und Erez Israel. Lehre, Volk und Land sind unzertrennbar verbunden. Ramban
zur Stelle bemerkt, dass die Verbindung von Menora und dem Kohen einen Hinweis auf
spätere Ereignisse zur Zeit der Makkabäer darstellt. Unsere Weisen überliefern uns, dass
die Seleukiden damals die Ausübung dreier Mizwot unter Androhung der Todesstrafe
verboten hatten: die Beschneidung, Entsprechung für Am Israel, den Schabbat,
Entsprechung auch für Erez Israel, und Rosch Chodesch, Entsprechung für die
(mündliche) Lehre.
Der Sieg der Makkabäer über die Hellenisten wird laut Rabbi Chajim David Asulai
sinnigerweise durch das Entzünden der Menora an Chanukka gefeiert, denn diese acht
Tage widerspiegeln die drei von den Seleukiden verbotenen Mizwot. Während der acht
Tage Chanukka feiern wir mindestens einen Schabbat, dazu Rosch Chodesch Tewet.
Ferner entspricht die Zahl Acht der Beschneidung, die am achten Tag nach der Geburt
vollzogen wird. Wie Rabbi Jehuda Gerschuni in seinem Werk Schaʻare Zedek bemerkt,
sind diese drei Mizwot alle mit Licht verbunden. Den Schabbat begrüßen wir mit dem
Entzünden der Schabbatkerzen. In alten Zeiten wurde das Datum des Neumondes mit
Höhenfeuern weitergeleitet (Rosch HaSchana 22a) und eine bevorstehende Brit Mila
wurde durch Lichteranzünden bekannt gegeben (Talmud Jeruschalmi Ketubot 1:5). Das
jüdische Volk setzte sich unter Lebensgefahr für die Praktizierung dieser Mizwot im “Licht
der Öffentlichkeit“ ein. Diese Mesirut Nefesch (Hingabe) trug entscheidend zum Sieg bei.
Bis heute leuchten in jeder Synagoge bzw. in jedem jüdischen Heim Ner Tamid und die
Chanukka-Lichter, beide Zeugen der Glaubenstreue unseres Volkes!