Paraschat “WA'ERA“ (5778) Empfehlung

19. Januar 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Wa'era

ב"ה

Paraschat “Waera“  וארא

Auszug aus dem Kommentar von Rabbiner HIRSCH zum Sefer Schmot
ולקחתי אתכם לי לעם והייתי לכם לאלקים וידעתם כי אני יה-וה אלקיכם המוציא אתכם מתחת סבלות מצרים
Und Ich werde euch Mir zum Volk nehmen und euch zum Gʻtt werden; ihr werdet erfahren, dass Ich HaSchem euer Gʻtt bin, der euch von dem Erliegen unter Mizrajims Lasten hinausführt
(Schmot 6:7)

V. 7 ולקחתי Wenn ihr aufgerichtet, frei und dem Bewusstsein der Menschenrechte wiedergegeben sein werdet, dann werde Ich euch Mir zum Volke nehmen. Sobald ihr frei werdet, werdet ihr Mir zum Volke, ohne Land, ohne Boden, allein durch Mich!


לי לעם
In dieser kurzen Zusammenstellung, in welcher hier zum ersten Male die ganze künftige Bestimmung Israels ausgesprochen wird, liegt die spezifische Verschiedenheit des durchaus einzigartigen Judentums, das man mit dem völlig ungeeigneten Namen “jüdische Religion“ zunächst gedankenlos in die Kategorie der Religionen überhaupt, als auch eine Art Religion, einzuschachteln beliebt und sich hinterher wundert, in dem Inhalt dieser “Religion“ so vieles zu finden, was weit ab von der gewöhnlichen Heerstraße der “Religionen“ liegt. לי לעם - Gʻtt zum Volk! Darin ist es schon gesagt, dass das Judentum, das von Gʻtt gestiftete Judentum, mitnichten eine “Religion“ sei. Im Judentum gibt es auch das, was man sonst Religion nennt, aber der Begriff Judentum ist ein unendlich weiterer und anderer. Als Volk, nicht als bloße Konfession, ist Israel Sein. Und wie anders schafft sich die Leschon Kodesch (heilige Sprache) schon die Ausdrücke für die Begriffe “Volk“ und sein Korrelat “König“. Das deutsche “König“ ist: der Könnende, bei dem die Macht ist; und Volk ist: das Folgende, das zu gehorchen hat. Es ist also das Volk nur um des Königs willen da und ist gar nicht “Volk“ ohne “König“. Ganz anders in der Leschon Kodesch. Der Begriff עם setzt gar keine Beziehung zu irgendeinem Höheren oberhalb oder außerhalb voraus. Es ist ein völlig in sich abgeschlossener Begriff und setzt eine Vielheit von Menschen nur in Beziehung zueinander. מלך , Königsein, heißt eigentlich Kopf sein für den anderen, seine Intelligenz der Gesamtheit zugute kommen lassen (vergl. das rabbinische נמלך : sich mit jemandem beraten). Der König ist also um der Volksgemeinschaft willen da, damit diese untereinander und miteinander den Zweck ihrer Bestimmung erreiche; nicht aber die Volksgemeinschaft um des Königs willen. Wenn also Gʻtt spricht: ולקחתי אתכם לי
לעם , so heißt das eben nichts anderes als: eure menschengesellschaftlichen Verhältnisse sollen durch Meine Einsicht geleitet werden, eure Verhältnisse sollen eine Offenbarung Meines Geistes werden. Als daher ein späteres Geschlecht geneigt war, sein ganzes Verhältnis zu Gʻtt in Opfer- und Tempelleben aufgehen zu lassen und sich gegen die Vorwürfe menschengesellschaftlicher Entartung hinter dem Ruf verschanzte: „Tempel des Ewigen, Tempel des Ewigen!“ (Jirmijahu 7:4), konnte ihm der Prophet entgegendonnern: היכל יי המה Tempel Gʻttes sollen sie selber sein! und weiterhin erläuternd hinzufügen: “Denn an dem Tage, da Ich sie aus Mizrajim führte, habe Ich mit euren Vätern nicht über Empor- und Mahlopfer gesprochen und habe sie nicht dafür in Pflicht genommen. Sondern das istʻs, worauf Ich sie verpflichtete: gehorchet Mir, so werde Ich euch zum Gʻtt und ihr werdet Mir zum Volk sein u.s.w. Von  Opfern/Korbanot hat Gtt allerdings auch mit uns gesprochen, ja an dem Tag unserer Erlösung aus Mizrajim war es gerade ein Opfer, und nur ein Opfer, womit Er uns konstituierte. Aber Er hat uns nicht zu einer “Tempelgemeinde“ um der Opfer willen konstituiert, sondern Er hat uns durch Opfer zu einem “Volke“ konstituieren wollen, und gerade eben jene allererste Opferinstitution hat den “Staat“ in seinem wesentlichsten Grundriss aufgerichtet. Wenn andere Völker ihren Einigungspunkt in dem gemeinsamen Boden haben, hat das jüdische Volk seinen Einigungspunkt in dem gemeinsamen Gʻtt.


עבדים
sind wir nie wieder geworden, גרים sollten wir nie wieder werden, סבלות aber werden wir zu tragen haben, solange wir Menschen sind, und dass wir, so lange wir Gʻtt treu bleiben, Seines bleibenden und selbst wunderreichen Beistandes gewiss sein dürfen, dessen soll uns zuerst die Wanderung durch die Wüste für alle Zeiten überzeugt machen.