Paraschat “WAERA“ Empfehlung

10. Januar 2021 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Wa'era

ב"ה

Paraschat “WAERA“

aus: Belebende Parascha
Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart
von Rabbiner Benjamin Sufiev

WASSERPLAGE

Einer der Gründe für die fundamentale Wichtigkeit des Auszugs aus Ägypten im Judentum
ist die tiefe Bedeutung dieser körperlichen und geistigen Befreiung. Denn der Auszug aus
Ägypten ist nicht nur ein historisches Ereignis, das viele tausend Jahre zurückliegt. Der
jüdischen Mystik zufolge (Tanja, Kapitel 47) ist im spirituellen Sinn der „Auszug aus
Ägypten“ ein tagtäglicher Prozess im Leben des Menschen, nämlich unsere eigenen,
inneren Begrenztheiten zu überwinden. So z.B. verhält es sich mit der Gewohnheit. Der
Mensch muss große Anstrengungen aufbringen, um Dinge zu tun, die über seiner
Gewohnheit stehen. Indem wir uns aus den Fesseln unserer Enge befreien, geben wir dem
Geistigen in uns die Freiheit, sich stärker ausdrücken zu können. Somit lassen wir unser
wahres, g‘ttliches Wesen zu Wort kommen!

Wasser und Blut

Unser Wochenabschnitt erzählt von den zehn Plagen, welche den Anfang des Auszugs aus
Ägypten bildeten. Und diese lehren uns, wie wir auch aus unserem „Ägypten ausziehen“
können.
Die erste Plage war Blut - alles Wasser in Ägypten verwandelte sich in Blut. Der erste
Schritt also, uns aus unserem Ägypten zu befreien, ist die Verwandlung von „Wasser“ in
„Blut“. Wasser symbolisiert Kälte und Gefühllosigkeit. Blut hingegen steht für Wärme,
Begeisterung und Lebenskraft. Wenn ein Jude aus seinem Ägypten ausziehen will, seine
Begrenztheit überwinden möchte, so muss er als erstes das „Wasser“ in „Blut“ verwandeln!
Sein Dienst zu G‘tt soll nicht gefühllos und ohne Lebensfreude praktiziert werden, sondern
eher in der Entsprechung des „Bluts“, lebendig und voller Begeisterung!

Begeisterung ist notwendig
Dazu gibt es das Argument: „Wozu die dringende Notwendigkeit für so große Begeisterung
beim Begehen einer Mizwa oder bei der Teilnahme an einem Schiur? Auch ohne sie kann
ich G‘tt dienen! Was soll denn so schlimm daran sein, wenn ich mal keine Lust habe in die
Synagoge zu gehen! Ich halte mich ja an die jüdischen Traditionen, und ganz bestimmt
begehe ich kein Verbot!“
Doch die Wahrheit ist härter; denn eine gefühllose Einstellung in Sachen Judentum
führt letztendlich zur Entwicklung einer Abneigung bis hin zum Verlassen jüdischer Werte!
Kälte und Gefühllosigkeit bedeuten, dass der Mensch kein wirkliches Interesse an einer
gewissen Sache hat. Wenn ein Mensch wirklich an etwas interessiert ist, bemüht er sich
darum mit all seinen Kräften, mit voller Hingabe, Lebenskraft und Freude. Denn es ist ihm
wichtig. Gefühllosigkeit gegenüber dem Judentum zeigen nur, dass die Thora und ihre
Gebote für einen nur eine Gewohnheitssache sind; Mitzwot werden wie rein technische
Tätigkeiten behandelt. Und diese Begrenztheit in Bezug auf jüdische Werte ist der Beginn
des weiteren Absinkens!
Der erste Schritt also ist diese Gleichgültigkeit abzuschaffen und an ihrer statt neuen
Schwung in die Mitzwot zu bringen! Mitzwot sind nicht eine Sache, die man schnell hinter
sich zu bringen hat, als wolle man bei G‘tt nur seine Schuld begleichen. Das Gebet, das
Thorastudium, die Gebote sollen mit Lebensfreude, Begeisterung, Liebe und Hingabe
behandelt werden!

Hidur Mitzwot

Und ein praktischer Ausdruck dafür ist das „Ehren der Mitzwot“. Jemand, der G‘tt nur aus
Gewohnheit „dient“, ohne Begeisterung dafür, dem reichen billige Tefillin von mäßiger
Qualität, ein schnell abgespultes Gebet, und Lebensmittel, die „gerade noch kosher
sind“ (nebenbei: bei materiellen Gütern achtet er sehr wohl auf die Qualität, auch wenn er
dafür tiefer in die Tasche greifen muss). Denn er will ja nur seine Pflicht erfüllen. Aber
jemand, der sein Judentum ehrlich angeht, bemüht sich um „Qualitätsware“ - nur beste
Tefillin, ein Gebet im Minjan u.s.w.! Denn er dient G‘tt aus Liebe und mit reinem Herzen!
Das ist der erste Schritt für den Auszug aus Ägypten, und am Ende erreicht man
schließlich seine individuelle Erlösung; und von der individuellen Erlösung kommt man zur
universalen, vollkommenen Erlösung - und das sofort in unseren Tagen!
(Likutej Sichot, Band 1, Seite 119)

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