Paraschat “Wajechi“ (5777) Empfehlung

05. Januar 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Wajechi

ב"ה

Paraschat “Wajechi“

Auszug aus: “Zeitlos aktuell“, von Dr. Zwi Braun

Jaakow berief seine Söhne und sprach: Sammelt euch alle in einem! Ich möchte euch sagen, was euch am Ende der Tage treffen wird. Haltet zusammen und höret, Söhne Jaakows! (Bereschit 49: 1-2)

Die Übersetzung folgt Rabbiner S.R. Hirsch, wobei lediglich der hebräische Begriff “Acharit haJamim“ zeitgemäßer mit “Ende der Tage“ wiedergegeben wurde. Viele Kommentatoren verstehen darunter die messianische Endzeit (Ramban, Sʻforno, Hirsch). Doch Haʻamek Dawar (Rabbi Naftali Zwi Jehuda Berlin) verweist auf eine andere Verwendung dieses Begriffes, der jeweils den Abschluss einer bestimmten Epoche bedeutet. Jaakow bezieht sich in seinem Segen auf den Einzug nach Erez Israel bis zur Zeit der Richter. Wenn Bilʻam von “Acharit haJamim“ spricht (Bamidbar 24:14), so umfasst er damit den Zeitraum bis zur Herrschaft von König David und König Schʻlomo. Für Mosche endet damit die Periode des ersten Tempels (Dewarim 31:29), und erst die Propheten bezeichnen so das Ende des zweiten Galut und somit die messianische Endzeit (z.B. Jecheskel 38:16).

Gerade wegen ihrer Verschiedenartigkeit sieht S.R. Hirsch Jaakow sich in diesen Worten an seine Söhne wenden:

„Erst muss ein Sinn alle Söhne der Jaakowsfamilie durchdringen, ehe das ʻAcharit haJamimʻ kommt. Es kommt nicht, solange nicht das ʻsammelt euchʻ sich verwirklicht hat. ʻHaltet zusammen und höretʻ, diese beiden Worte des sterbenden Vaters tragen die ganze jüdische Geschichte bis zum ʻAcharit haJamimʻ. Materiell seid ihr Bne Jaakow, eine Minorität. Darum haltet zusammen, wachset ineinander, in der Eintracht liegt eure Stärke. Und: ʻHöret, Söhne Jaakowsʻ. Nur durch eins kann die schwächste Minderzahl der stärksten Majorität den Sieg abgewinnen, es ist der Geist. Habet ein Ohr, habet Sinn für das Geistige. Dies ist das Testament unseres Vaters Jaakow. Eintracht und Geist, darin erkennt er Stärke und Leben seiner Kinder. Und wenn der Durst nach Geist in euch wach wird, so habet keinen anderen Durst als nach den Überlieferungen eures Vaters Israel!“

Soweit S.R. Hirsch. Nur durch geistige Einheit, beruhend auf dem das jüdische Volk einigenden Band der Torah, war ein Überleben im Galut möglich. Nur die Einheit des Volkes kann die messianische Endzeit herbeiführen. Auch Mosche Rabbenu greift in seinem Abschiedssegen an das Volk diese Idee wieder auf. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Torah dasselbe Verb “sich versammeln“ verwendet, wenn sie Mosche sagen lässt: Er ward in Jeschurun König, indem sich die Volkshäupter sammelten (beʻhitassef), vereint die Stämme Israels (Dew. 33:5).

Gʻtt ist König über Israel, wenn das Volk zusammensteht. In der messianischen Endzeit wird Gʻtt schließlich König über eine friedlich geeinte Völkerfamilie sein: “Und Gʻtt wird König sein über die ganze Welt, an diesem Tag wird Gʻtt der Eine sein und Sein Name eins“ (Sacharja 14:9).