Paraschat “HAʻASINU“ Empfehlung

02. Oktober 2022 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Ha'asinu

ב"ה

Paraschat “HAʻASINU“

aus:
Belebende Parascha 
Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart 
von Rabbiner Benjamin Sufiev 
Bd. II 

Himmel und Erde 
Zwei Propheten waren sich in ihrer Art sehr ähnlich und doch unterschiedlich. 
Mosche sagt in unserem Wochenabschnitt: Lauschet ihr Himmel und höre die Erde
(Dewarim 32:1) und Jeschaja sagte: Höret ihr Himmel und lausche die Erde (Jeschaja 1:2). 
Der hebräische Begriff für Lauschen האזינו drückt eine Nähe zum Zuhörer aus, während
Hören ותשמע Distanz zum Zuhörer ausdrückt. Anhand dessen erklären die
Thorakommentatoren (Sifri zu Dewarim 32:1), dass Mosche dem Himmel nahe und der Erde
fern war, denn an den Himmel wendete er sich mit „lausche“ und an die Erde mit „höre“.
Jeschaja hingegen war dem Himmel fern und der Erde nah.
Aus jeder Sache in der Thora kann man etwas lernen. Dass Mosche dem Himmel
nahe und der Erde fern war, ist nicht nur eine Erzählung, sondern auch eine Anweisung an
uns, die jeder Jude in seinem Leben anzuwenden hat.

„Himmel“ und „Erde“ beim Menschen
Andererseits müssen wir auch von der Art der Prophezeiung Jeschajas eine Lehre
ziehen, nämlich dem Himmel fern und der Erde nahe zu sein, müssen sogar davon
ausgehen, dass die Prophetie Jeschajas in einem gewissen Punkt höher steht als die
Prophetie Mosches, denn es kann nicht sein, dass die Thora von jedem Juden erwartet,
dem Himmel nahe und der Erde fern zu sein und der Prophet Jeschaja dieses Niveau nicht
erreichte. Deshalb muss die Prophetie Jeschajas auch einen gewissen Vorteil gegenüber
Mosches Prophetie aufweisen.
Tatsächlich erklärt die Lehre der Chassidut (Tora Or 33a), dass, obwohl Mosches
prophetische Fähigkeit viel größer waren als die aller anderen Propheten, Jeschaja
inkludierend, dennoch ihre Prophetie in einem gewissen Punkt höher war als die von
Mosche. Und somit gibt es auch eine Besonderheit bei der Prophetie Jeschajas, „dem
Himmel fern und der Erde nahe zu sein“.
„Himmel“ entspricht dem Thorastudium, welches der Mensch mit seinem Verstand
erfasst. Der Verstand ist das Höchste beim Menschen, sein „Himmel“. „Erde“ entspricht den
Mitzwot, welche der Mensch mit seinen „niedrigeren“ Kräften erfüllt, nämlich der Tatkraft.
Der hauptsächliche Sinn der Mitzwot liegt darin, das Irdische in die Heiligkeit
miteinzubinden (Likutej Tora, Dewarim 74b). Wer das Thorastudium zu seiner
Hauptbeschäftigung macht, ist „dem Himmel nahe“ und wer in seinem Leben die Betonung
auf die Mitzwot legt, ist „der Erde nahe“.

Zwei Stadien und eine Hauptsache
Doch jeder Jude sollte in seinem Leben sowohl dem Himmel nahe als auch der Erde
nahe sein. Dies sind zwei Stadien im Leben:
Zuerst hat er von Mosche zu lernen, dem Himmel nahe und der Erde fern zu sein. Er
sollte nicht übereilig sein, sich mit der Weltlichkeit zu beschäftigen, um das Irdische in die
Heiligkeit miteinzubeziehen. Zuallererst soll er sich voll und ganz dem Thorastudium
widmen, bis er spürt, dass die Heiligkeit der Thora im sehr nahe und die Weltlichkeit fremd
geworden ist.
Doch als nächster Schritt, nachdem ihn die Thora zu G‘tt sehr nahe gebracht hat, darf
er nicht vergessen, dass die Hauptsache „die Erde“ ist. Er kam nicht auf die Welt, um „im
Himmel zu bleiben“, sondern um sich mit der Weltlichkeit auseinanderzusetzen, damit auch
sie einen Hauch vom Himmel abbekommt. Deshalb kommt die Zeit, in der man dem
Himmel fern und der Erde nahe sein muss. So sagten unsere Meister: „Nicht das Studium
ist die Hauptsache, sondern die Tat“ (Sprüche der Väter, 1:17).

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