Das Leiden des Maschiach

29. Januar 2012 geschrieben von   Freigegeben in Chassidische Geschichten

ב"ה

 

בִּקְרֹבַי אֶקָּדֵשׁ, וְעַל-פְּנֵי כָל-הָעָם, אֶכָּבֵד

"Bei denen, die mir nahen, will Ich geheiligt,

und vor dem ganzen Volk will Ich verherrlicht werden."

Wajikra 10,3

 

Leiden des Maschiach Hoffnung JesusEines Tages fragte der Talmid seinen Rabbi: „Lieber Rebbe, warum heißt es, dass der Maschiach bei seinem ersten Kommen sterben muss?“

 

Der Rebbe schaute das bekümmerte Gesicht des jungen Mannes an und antwortete:

„Gräm dich nicht, sondern erkenne die Weisheit und die Gnade G.-ttes, dann wirst du getröstet werden und wirst anderen ein Trost sein! Wie du weißt, wenn in Israel ein Mensch versehentlich getötet wurde, so konnte sich der Schuldige in einer der Asylstädte vor der drohenden Todesstraffe verbergen. Er musste dort die Lebensspanne des jeweils amtierenden Hohenpriesters verweilen. So hat der Tod des einen das freie Leben des anderen ermöglicht, weil das letzte Gebet des Gerechten an den himmlischen Vater die Vergebung der Sünden und ewiges Leben für Israel zum Gegenstand hat. Die Kraft dieses Gebets ist stärker als alle Sünden und zerbricht die darauf stehenden Straffen.“

 

Der Rebbe erkannte in den Augen des Schülers dessen Verwirrung. „Du fragst dich wohl, warum das so ist? Nun, das Leben ist grundsätzlich heilig, denn genau genommen, ist jede Form von Leben eine Offenbarung der Leben spendenden Kraft des Schöpfers, des Heiligen, gelobt sei Er, der die Quelle allen Lebens ist. Wo Heiligkeit wohnt, kann Entweihung nicht sein, und sie wird vernichtet. Wenn ein Mord, G-tt behüte!, begangen wird, so muss der Mörder unbedingt sterben, denn er hat den Namen des Ewigen, G-tt bewahre uns davor!, entweiht. Wenn aber eine Tötung ohne Absicht geschieht, so verschafft der Ewige, g.s.E., dem Schuldigen einen Platz in Seiner Gnade, doch dort kann dieser nur geheiligte Dinge im Dienst der Diener G-ttes tun – das sind die Kohanim, bzw. Leviten, die, wie du weißt, die Asylstädte verwalteten. Damit war der Mann aus dem üblichen Leben Israels herausgenommen. Für seine Familie und Freunde war dieser wie tot, den sie konnten seine Nähe nicht mehr genießen, es sei denn, sie begleiteten ihn in die Verbannung.

Weiterhin wird erzählt, dass die Mutter des Verbannten den Ewigen, g.s.E., darum bat, Er möge die Zeitspanne der Verbannung verkürzen. Damit bat sie praktisch um den Tod des amtierenden Hohenpriesters! Andererseits, die Mutter des Hohenpriesters bat natürlich um ein langes Leben für ihren Sohn! Die beiden Mütter entfachen im Himmel einen Kampf, denn die Gebete der Mütter sind die stärksten, vor allem, wenn diese sich auf das Leben ihrer Kinder konzentrieren.

Daraus können wir folgendes lernen: Wenn der Gesalbte G-ttes kommt, wird die Sünde Israels der eines Todschlägers gleich kommen, der im Wald einen Baum fehlt und dabei versehentlich mit dem Eisenstück, dass sich plötzlich vom Stihl des Beils löst, seinen Nächsten tötet. Der einzige Ort für das Überleben Israels ist eine Asylstadt, doch wo gibt es eine solche, die ein ganzes Volk aufnehmen könnte? Darum muss das Volk in die Verbannung und in der gesamten Welt zerstreut werden.

Weiterhin bittet die einwohnende Gegenwart G-ttes, die das Volk Israel nie verlässt und auf allen seinen Wegen bei den Zadikim (Gerechte) ruht, das ist die „untere Mutter“, den König um das freie Leben ihrer Kinder. Die „obere Mutter“, von der es heißt „seine einwohnende Gegenwart ist in den Höchsten Höhen“, bietet jedoch um das Leben ihres Sohnes, des ewigen Hohenpriesters, das ist der Maschiach.

Der König in Seiner Weisheit hat entschieden, zwischen den beiden Frieden zu stiften, in dem Er den Bitten beider Mütter entspricht:

Die Verbannung Israels wird zeitlich befristet sein, wenn der Hohenpriester auf die Erde kommt und stirbt durch die Hand der Verbrecher, die zur ewigen Verdammnis bestimmt sind (was auf keinen Fall bedeutet, dass der Ewige, g.s.E., den Tod Seines Sohnes oder irgend eines Menschen wünsche, G-tt behüte!). Doch der letzte Wille des Maschiach und sein Gebet ist die Bitte um die Vergebung der Sünde und ewiges Leben für ganz Israel und alle, die G-tt dafür bestimmt hat. Sein Lohn ist die Auferstehung von den Toten als Ersten und das ewige Leben im Genuss der vollkommenen Einheit mit dem himmlischen Vater.“

 

Das Gesicht des Schülers erhellte sich. „Dann gibt es ja noch Hoffnung für Israel?“

 

„Ja, für Israel und für alle Menschen, die einander die Liebe G-ttes, die Vergebung der Sünden und das ewige Leben gönnen und entsprechend handeln!“

 

 

Nissan 5764

Baruch ben Mordechai


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