Paraschat MATTOT Empfehlung

12. Juli 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Matot

ב"ה

Paraschat “MATTOT“

Auszug aus: Zeitlos aktuell - Gedanken zum Wochenabschnitt, von Dr. Zwi Braun

Rein vor Gʻtt und den Menschen

“Und Mosche sprach zu ihnen: Wenn ihr das tut, wenn ihr euch rüstet vor Gʻtt zum Krieg.
Und es zieht jeder Gerüstete über den Jarden vor Gʻtt, bis er seine Feinde vor ihnen
ausgetrieben hat, und das Land ist vor Gʻtt unterworfen und ihr kehrt erst dann zurück; so
seid ihr rein vor Gʻtt und vor Israel und dieses Land bleibe euch zum Besitz vor
Gʻtt“ (Bamidbar 32: 20-22).

Unter der Bedingung, dass die Stämme Reuwen und Gad den anderen Stämmen bei der
Besitznahme von Erez Israel helfen werden, erlaubt ihnen Mosche, sich bereits im
Ostjordanland niederzulassen. Mit den obigen Worten führt Mosche eine heftige
Auseinandersetzung mit Reuwen und Gad einer friedlichen Lösung zu. Nur wenn sie bei
der Landnahme teilnehmen, werden sie aus der Pflicht vor Gʻtt und Israel entlassen. Aus
der Forderung “vor Gʻtt und Israel rein zu sein“ leitet der Talmud Jeruschalmi den
Grundsatz ab, dass man Gʻtt sowie den Mitmenschen gerecht werden muss (Schekalim
3:2). Auch in den Propheten (Newiim) und in den Schriften (Ketuwim) sieht der Talmud
dieses Prinzip wiederholt. Das Buch Jehoschua erzählt uns von der Rückkehr der
wehrpflichtigen Männer der Stämme Reuwen, Gad und des halben Stammes Menasche in
das Ostjordanland. Sie errichteten dort als “Symbol“ der Verbundenheit einen Altar, der
zuerst auf das Unverständnis der anderen Stämme stößt. Bei ihrer Rechtfertigung
verwenden die zweieinhalb Stämme die Formulierung: “Der Gʻtt der Götter, der Ewige, Er
weiß und Israel soll wissen ...“ (Jehoschua 22:22). Sie legen Rechenschaft vor Gʻtt und den
Stämmen ab. Im Sefer Mischle finden wir den Satz: “Finde Gunst und Wohlgefallen in den
Augen Gʻttes und der Menschen“ (3:4).

Der Talmud illustriert diesen Grundsatz anhand mehrerer Beispiele (Joma 38:8). Das
Herstellen der zwölf Schaubrote im Tempel war eine besondere Kunst, auf die sich nur
Angehörige der Familie Garmo verstanden. Es war ein Rezept, das von Generation zu
Generation weitergegeben wurde. Unsere Weisen lobten diese Familie für folgendes
Verhalten: Nie sah man deren Kinder mit feinem, gut gebackenem Brot in der Hand. So
entgingen sie dem Verdacht, von den nur für den Tempel bestimmten Schaubroten zu
genießen.
Auch das Anfertigen des Räucherwerks für den Goldenen Altar war ein Geheimnis,
dass sich im Besitz der Familie Awtinas befand. Um nicht in den Verdacht zu geraten,
Bestandteile dieser Mischung für private Zwecke zu benutzen, verzichteten die Frauen aus
dieser Familie bei ihrer Hochzeit auf jegliches Parfüm. Eine Braut von einem anderen Ort,
die in diese Familie einheiratete, verpflichtete sich zu gleichem Verhalten.
Eine Reihe von halachischen Anordnungen beruht ebenfals auf diesem Prinzip. Für
den Priester, der aus der Schatzkammer des Tempels Geld für den Ankauf von Opfertieren
entnahm, galten spezielle Kleidungsvorschriften:
“Der Abhebende darf nicht mit aufgekrempeltem Gewand, Schuhen, Sandalen, Tefillin
oder mit einem Amulett (Beutel) eintreten. Damit man nicht sage, wenn er verarmt, er habe
sich am Tempelschatz vergriffen. Und wenn er reich wird, er habe sich am Tempelschatz
bereichert. Der Mensch muss nämlich seinen Mitmenschen gerecht werden, wie er Gʻtt
gerecht werden muss“ (Mischna Schekalim 3:2).
Wir dürfen durch unser Verhalten, selbst wenn es rechtmäßig ist, nicht bei den
anderen den Verdacht aufkommen lassen, wir hätten ungerecht gehandelt.
Im Talmudtraktat Pessachim (13a) lesen wir:
Wenn die Verwalter der Armenkasse keine Armen für die Verteilung der Spenden
finden, so dürfen sie das kupferne Kleingeld in bequemer aufzubewahrende Silberdinare
nur gegen Fremdgeld, nicht aber gegen das eigene Geld eintauschen. Wenn die Verwalter
der Armenküche keine Bedürftigen für die Speisung finden, so dürfen sie die Lebensmittel
nur an Fremde verkaufen, nicht aber selbst aufkaufen, denn es heißt: “Ihr sollt vor Gʻtt und
Israel rein sein.“
Für das Sammeln von Zedaka-Geldern schreibt der Schulchan Aruch die Präsenz von
mindestens zwei Personen vor, die in der Öffentlichkeit immer in Sichtweite voneinander
bleiben sollen (Jore Dea 256:3; 257:1). Der halachische Fachbegriff für diese Vorschriften
heißt „Marit Ajin“, das Auge, welches etwas sieht und den Menschen zu falschen
Schlußfolgerungen verleiten könnte. Wird ein gewisses Verhalten in der Öffentlichkeit
wegen “Marit Ajin“ verboten, so ist es in der Regel auch in der Privatsphäre nicht erlaubt.
Der Chatam Sofer bemerkt in einem seiner halachischen Responsen, dass es viel
schwerer sei, den Menschen als Gʻtt gerecht zu werden, wir es aber immer versuchen
müssen!