Paraschat Pinchas (5779) Empfehlung

05. Juli 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Pinchas

ב"ה

Paraschat “PINCHAS“

Auszug aus: Zeitlos aktuell - Gedanken zum Wochenabschnitt, von Dr. Zwi Braun

Eifer

“Und der Ewige redete zu Mosche wie folgt: Pinchas, Sohn Elasars, Sohn Aharons, des
Priesters, hat Meinen Zorn abgewendet von den Bnej Israel, indem er Meinen Eifer unter
ihnen eiferte, dass Ich nicht aufrieb die Bnej Israel in Meinem Eifer. Darum sprich: Siehe,
Ich gebe ihm Meinen Bund des Friedens“ (Bamidbar 25:10-12).

Das Ende der vorangegangenen Parascha beschreibt den sittlichen Verfall eines Teils
des Volkes, die sich mit den Frauen von Moaw und Midjan eingelassen hatten. Allen voran
Simri, ein Fürst aus dem Stamm Schimon. Der Talmud berichtet uns, wie er seine
midjanitische Geliebte, die Fürstentochter Kosbi, Mosche präsentiert und diesen provoziert:
“Sohn Amrams, ist diese verboten oder erlaubt? Und wer hat dir, wenn du sagst, sie sei
verboten, die Tochter Jitros zu heiraten erlaubt?“ (Sanhedrin 82 a). Bewusst wollte Simri
vergessen machen, dass Mosche die Midjaniterin Zippora vor der Gesetzgebung am Sinai
geheiratet hatte, nun jedoch neue Gesetze galten. Vor soviel Frechheit verstummte
Mosche, doch Pinchas griff ein, tötete Simri und Kosbi, worauf die Seuche, die bereits
24.000 das Leben gekostet hatte, aufhörte. Die Tora spricht von einem Eifer, den Pinchas
stellvertretend für Gʻtt zeigte: “... indem er Meinen Eifer unter ihnen eiferte ... “. Dieser
Formulierung entnimmt Rabbi Jerachmiel Israel Jizchak von Alexander, dass Pinchas nicht
von persönlichen, eigensüchtigen Gründen bei seiner Tat getrieben war. So wie der Eifer
Gʻttes rein “sachbezogen“ war, so war es auch um die Motivation von Pinchas bestellt.
Dass diese Tat Ausnahme bleiben sollte, ersehen wir aus der zukünftigen Bestimmung
von Pinchas. Als Priester, als Mann des friedenspendenden Segens (Bamidbar 6:26), soll
er in Zukunft auftreten. Der von Gʻtt verheißene Bund des Friedens wird von Rabbi
Awraham Menachem Rappa aus Porto als Bund des Friedens zwischen den Stämmen von
Pinchas und Simri (Levi und Schimon) gedeutet. In seinem Torakommentar “Mincha Belula“
verweist er auf das besondere Band, welches zwischen diesen zwei Söhnen von Jaakow
bestand (Bereschit 34: 25; 49:5). Nach dem Tod von Simri war ein Bruch und ein
Aufflammen von Feindseligkeiten zwischen diesen Stämmen zu befürchten. Daher
versichtert Gʻtt dem Pinchas, dass dies nicht der Fall sein würde.
Der Jalkut Schimoni, eine Sammlung von Midraschim, setzt Pinchas mit dem
Propheten Elijahu gleich. In der Tat können wir vier Gemeinsamkeiten bei diesen zwei
Persönlichkeiten entdecken. Beide zeichnen sich durch Unerschrockenheit und Hingabe an
die göttliche Sache aus (Mesirut Nefesch). Beide sind “Eiferer“, beide töteten in einer
Ausnahmesituation die Feinde Gʻttes, und beide sind danach der Sache des Friedens
verpflichtet. In der Auseinandersetzung mit den Propheten der Gottheiten Baal und Aschera
steht Elijahu am Berg Karmel 950 Feinden gegenüber und scheut die Auseinandersetzung
nicht (Melachim I, 18,19). Durch ein Wunder überzeugt Gʻtt das Volk, und die falschen
Propheten werden getötet. Doch der König Achaw und die Königin Isewel lassen Elijahu
verfolgen. Er flieht und gelangt schließlich zum Berg Gʻttes, Chorew, wo Gʻtt ihm erscheint:
“Was hast du hier, Elijahu? Und er sprach: Geeifert habe ich für den Ewigen, den Gʻtt
der Heerscharen, denn verlassen haben Deinen Bund die Bnej Israel ...“ (Melachim I, 19,
9-10).
Das Verbum, welches hier erscheint - “kano kineti“ - erscheint auch in unserem
Wochenabschnitt - “bekano et kinati“. In Seiner Antwort gibt Gʻtt Elijahu zu verstehen, dass
sein Eifer und sein Zorn nur für einen Moment, am Berg Karmel, angebracht waren, jedoch
nicht zu einer dauernden Lösung führen können. Die Stimme Gʻttes wird weder in einem
starken Sturmwind, noch in einem Erdbeben, noch im Feuer hörbar. Sie ertönt am Schluss
als ein sanftes Flüstern (Kol demama daka). Nicht durch Gewalt wird sich das Volk zu Gʻtt
zurückführen lassen. Stille, geduldige Überzeugungsarbeit haben bessere Aussicht auf
Erfolg. Elijahu erhält den Auftrag, Elischa, Sohn Schafats, zu seinem Nachfolger als
Prophet zu salben. Doch für die Zukunft bleibt Elijahu eine wichtige Aufgabe vorbehalten.
Er wird gemäß den Worten des Propheten Malʻachi in der messianischen Zeit
wiederkommen:
“Siehe, Ich sende euch Elijahu, den Propheten, bevor der Tag des Ewigen, der große
und furchbare eintrifft. Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern zurückführen, und
das Herz der Kinder zu ihren Vätern ...“ (Malʻachi 3: 23-24).
Aus Männern des Eifers, aus Pinchas und Elijahu, wurden Männer des Friedens.

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