Parascha SCHLACH LECHA Empfehlung

15. Juni 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Schlach Lecha

ב"ה

Paraschat “SCHLACH LECHA“

Belebende Parascha
Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart
von Rabbiner Benjamin Sufiev
(Auszug)

DER HIRTE

In unserem Wochenabschnitt erfahren wir von der Entsendung der zwölf Boten in das
Heilige Land, ihrem fatalen Fehler und seinen tragischen Folgen. Der Talmud erzählt
(Talmud Sota 34b), dass vor ihrer Entsendung Mosche für Joschua betete, damit G‘tt ihn
aus dem bösen Plan der Boten errette.
Es stellt sich die einfache Frage: Zu Beginn ihrer Mission hatten die Boten nichts
Böses im Sinne, wie Raschi kommentiert (Raschi zu Numeri 13:3). Andernfalls hätte sie
Mosche gar nicht geschickt. Warum dann aber war ein besonderes Gebet für Joschua
notwendig? Und wenn doch Mosche gewisse Zweifel an den Boten hatte, weshalb betete
er nicht für alle?

Kein einfaches Vergehen
Die Lehre der Chassidut erklärt (Likutej Tora, Schlach, am Anfang), dass das Vergehen der
Boten nicht so oberflächlich war, wie es auf den ersten Blick scheint. Es handelte sich bei
ihnen um die zwölf Häupter des jüdischen Volkes, jeder von ihnen Führer eines Stammes,
ihrer geistigen Größe wegen dazu bestimmt; in einem Wort: um Zaddikim (Gerechte). Ihr
besonderer Weg, G‘tt zu dienen, allerdings brachte sie wohl unbewusst zur Sünde.
Der Dienst der Zaddikim an G‘tt ist in zwei Wege einzuteilen. Die einen gehen daran,
sich vollkommen der G‘ttesnähe zu widmen, durch spirituelle Reinigung und Abschirmung
von der materiellen Welt und ihrer Bedürfnisse. Die anderen dienen G‘tt, indem sie sich in
den Dienst des jüdischen Volkes stellen und sich sogar für dieses aufopfern, jeder in seiner
Generation. Der erste Weg aber ist nur wenigen Zaddikim eigen. Sie leben zwar in dieser
Welt, doch hängen voll und ganz G‘tt an, so wie Schimon bar Jochaj (auch Raschbi
genannt,120-170 n.Z.). Der Schüler von Rabbi Akiwa und bedeutender Kabbalist und
Verfasser des Sohar gehörte zu jenen Zaddikim, und er pflegte den Spruch zu sagen: “Der
Mensch pflügt und säet, aber was wird aus der Thora?“ (Talmud B‘rachot 35b)? Und der
Talmud hält fest: “Viele taten wie Rabbi Schimon, aber ihnen war jene G‘ttesnähe nicht
zuteil.“

Völlige Hingabe
Der zweite Pfad ist der Weg des “Hirten der Herde G‘ttes“, welcher nicht nach seiner
Vollkommenheit trachtet, sondern dem jüdischen Volk und seinen Bedürfnissen im Dienst
steht. So einer war unser Lehrer Mosche. Selbst für die Frevler in Israel setzte er sich ein,
für jene, die mit dem Goldenen Kalb sündigten. Der Midrasch (Bamidbar Rabba, Abschnitt
19:3) erzählt sogar, dass Mosche mit seiner Generation, die den Auszug aus Mizrajim
erlebte und der Sünde wegen das Heilige Land nicht betreten durfte, in der Wüste blieb
und dort starb, nur damit auch sie Teil an der Totenauferstehung zur endgültigen Erlösung
habe!
Die herausragende Eigenschaft so eines Gerechten ist die völlige Hingabe seines
ganzen Seins an G‘tt und Seinen Willen. Da er weiß, dass G‘ttes Wille die Heiligung
unserer Welt ist, ist er bereit, auf seine persönliche spirituelle Perfektion zu verzichten, um
sich voll und ganz dem g‘ttlichen Willen in unserer Welt hinzugeben.

Der jüdische Führer
Die Boten gehörten zu den Zaddikim, die von unserer Welt abgesondert waren. Deshalb
neigten sie dazu, in der Wüste zu bleiben, wo das Himmelsbrot sie nährte und die g‘ttlichen
Wolken für all ihre anderen Bedürfnisse sorgten, so dass sie sich ausschließlich der
G‘ttesarbeit widmen konnten. Sie konnten den g‘ttlichen Willen, das Land einzunehmen
(die Heiligung des Materiellen) nicht akzeptieren, so dass sie das sogar zu verhindern
versuchten. Mosche kannte ihren G‘ttesdienst, doch ahnte er nicht, dass sie so weit gehen
würden. Joschua aber sollte zukünftiger Führer Israels werden, denn er war ein Zaddik,
welcher zu den “Hirten der Herde G‘ttes“ gehörte. Da Mosche seine Bestimmung und
Einstellung im Dienste G‘ttes kannte, betete er nur für ihn, dass er nicht den Weg der
anderen Zaddikim annehme.

(Likutej Sichot, Band 2, Seite 320)