Paraschat “HAʻASINU“

21. September 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Ha'asinu

ב"ה

Paraschat “HAʻASINU“

Auszug aus: Zeitlos aktuell - Gedanken zum Wochenabschnitt, von Dr. Zwi Braun

Der Fels

„Der Fels, untadelig ist Sein Werk, denn all Seine Wege sind gerecht. Ein Gʻtt der Treue,
ohne Trug, gerecht und gerade ist Er“ (Dewarim 32:4).

Mit diesen Worten beginnt die eigentliche Schira. Dieser Gesang beschreibt nach
Meinung des Ramban und anderer Erklärer den Verlauf der jüdischen Geschichte von
Anbeginn bis zur endgültigen Erlösung in komprimierter Form. Treffend kommentiert
Rabbiner S.R. Hirsch die Verwendung des Wortes “Zur“, Fels, als bildliche Bezeichnung
Gʻttes, die wiederholt in der Schira vorkommt:

„ʻZurʻ bietet in der gewöhnlichen Bedeutung als Fels das natürliche Bild des Festen,
Starken, Unveränderlichen, und so den Ausdruck für den stärksten und zuverlässigsten
Halt und Schutz. Auf Gʻtt übertragen, ist ʻZurʻ bildlicher Ausdruck für das Unveränderliche
und das absolut Bewältigende. Es ist der absolute Urgrund allen Seins und aller Art des
Seins ... In Beziehung zu Israel spricht daher die Bezeichnung Gʻttes als ʻZurʻ die doppelte
Gewißheit aus: Israel hat in Gʻtt den ewigen Halt seines geschichtlichen Daseins. Gʻtt will,
dass es Israel sei, darum geht es nimmer verloren. Allein Gʻtt will auch eine bestimmte Art
seines Seins, die Er ihm in Seinem Gesetz offenbart. Diesen Anforderungen kann sich
Israel nimmer entziehen. Sie sind ebenso unwandelbar wie Gʻttes Sein und Wollen.“

In der Brandung und in den Stürmen der Weltgeschichte war und ist Gʻtt der einzige
Halt für Am Israel. Er ist ein Gʻtt der Treue, der Sein Volk letzten Endes nicht verläßt, oder
wiederum in den Worten von Rabbiner Hirsch:

“Er ist ein Gʻtt, dem man vertrauen kann, der keinen verläßt, der eben als ʻZurʻ in
Seiner Unveränderlichkeit immer derselbe bleibt und, auch wo Er Gericht übt, nicht nur
objektiv dem Recht gerecht wird, sondern nur das Beste dessen bewirkt, der von Seinem
Mischpat betroffen wird. Nie übt Er Seine Macht aus an einem Geschöpf lediglich um Seine
Macht zu üben ... nicht nur Seine Ziele sind die rechten, auch Seine Wege zum Ziel sind
recht.“

Raschi sieht die Treue Gʻttes (Emuna) nicht nur auf nationaler Ebene realisiert,
sondern auch gegenüber jedem Einzelnen. Im Prinzip stellt sich hier die Frage nach Lohn
für das Gute und Strafe für das Böse. Die Anwort darauf befriedigt uns während des uns
vergönnten Daseins auf dieser Welt nicht immer. Daher auch die klassische Antwort von
Raschi, dass der definitive Lohn für die Zaddikim in der zukünftigen Welt (Olam Haba)
“ausbezahlt“ wird, während die Bösen für das von ihnen geübte Gute in dieser Welt ihren
Lohn erhalten, denn “Gʻtt ist ohne Trug, gerecht und gerade ist Er“. Es ist kein Zufall, dass
Emuna auch Vertrauen, Glauben bedeutet, und für unseren Urvater Awraham als
charakteristische Eigenschaft aufgeführt wird: “Und er vertraute (weheʻemin) auf den
Ewigen und der rechnete es ihm zum Guten an“ (Bereschit 15:6). Die Treue des jüdischen
Menschen gegenüber Gʻtt ist an einen starken Glauben gebunden, einen Glauben, der das
Überleben ermöglicht: “Und der Gerechte wird durch seinen Glauben leben“ (Chabakuk
2:4).

Vielleicht ist es kein Zufall, dass auch König David wie Mosche in seinen letzten
Worten von Gʻtt als Fels spricht. König David verknüpft allerdings den ʻZurʻ mit Israel:
“Gesprochen hat der Gʻtt Israels, zu mir geredet der Fels Israels (Zur Israel)“ (Schmuel II
23:3). Und mit diesen Worten beginnt am Schabbat unser Gebet für den jüdischen Staat:
“Unser himmlischer Vater, Fels Israels und sein Erlöser, segne den Staat Israel, den
ersten Spross unserer Erlösung und breite über ihn den Schutz Deines Friedens aus.“
Möge sich mit Hilfe Gʻttes der Kreis der Ereignisse in der Schira bald schließen!