Paraschat “Chaje Sarah“ Empfehlung

07. November 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Chaje Sarah

ב"ה

Paraschat “Chaje Sarah“

Auszug aus: Zeitlos aktuell - Gedanken zum Wochenabschnitt, von Dr. Zwi Braun

Geistig und irdisch verbunden

“Und Sarah starb in Kirjat Arba, das ist Chewron im Lande Kenaan, und Awraham kam, um Sarah zu
beklagen und sie zu beweinen“ (Bereschit 23:2).

Rabbiner S. R. Hirsch bemerkt zu diesem Vers:
“Gewöhnlich wird erklärt: Da kam Awraham, also war er nicht gegenwärtig bei ihrem Tode.
Es wird also dahin erklärt: Als er von der Akeda nach Hause kam, fand er seine Frau nicht
mehr. Zu dieser Erklärung muss jedoch dann auch noch ergänzt werden, dass Sarah von
Awraham vor seinem Gang nach Morija von Berschewa nach Chewron entfernt worden
war, damit sie den Schmerz nicht plötzlich erhielte. Allein eine Erwägung der
ursprünglichen Bedeutung des “wajawo“ dürfte diese ganze Voraussetzung unnötig
machen. ʻBoʻ heißt ursprünglich: sich aus dem Freien ins Haus, aus der Öffentlichkeit in
einen Privatraum begeben. So bei Gidʻon (Schoftim 6:19), Jeschajahu (26:20), Jecheskel (3:23).
Also: Awraham zog sich zurück, schloss sich ein, um zu klagen und um seine Sarah zu
beweinen. Ob hier nicht darum auch ein kleines Kaf כ in ʻweliwkotahʻ (sie zu beweinen)
steht, stellen wir als möglich hin. Wir wissen, was die Sarah dem Awraham gewesen sein
muss, wenn ein Awraham eine Sarah verliert. Er klagt, er weint, aber er trägt den Schmerz
in sich, zu Hause.“

Zur Erklärung des kleingeschriebenen “ כ“ zitiert Rabbi Chajim Czernowitzer in seinem
Kommentar “Beʻer Majim Chajim“ den Midrasch Rabba, der auf einen Vers in Mischle verweist:
“Die tüchtige Frau ist die Krone ihres Mannes“ (12:4). Die Krone heißt im Hebräischen
“Keter“, und wird mit einem “ כ“ geschrieben. Mit Sarahs Tod verlor Awraham seine Krone,
symbolisiert durch das kleine “כ“!

Benno Jacob (zu 13:18) gibt einen Überblick zur Bedeutung des Ortes, an dem Sarah starb:
“Chewron, das ist Vereinigung, wahrscheinlich von mehreren Quartieren, daher Kirjat Arba.
Es ist die älteste, noch heute bestehende biblische Stadt, die nach Bamidbar 13:22 noch
sieben Jahre vor Zoan (Tanis) in Ägypten erbaut worden ist. Sitz der Erzväter, wird es die
Stätte ihres Grabes. Jehoschua bestimmt Chewron zu einer Zufluchtsstätte, und David
residiert hier siebeneinhalb Jahre, bevor er Jeruschalajim zur Hauptstadt macht.“

Rabbenu Bachya führt verschiedene Gründe für den Namen Kirjat Arba an:
In der Machpela sind nach der Überlieferung vier Ehepaare begraben: Adam und Chava,
Awraham und Sarah, Jitzchak und Rivka, Jaakow und Lea. Zur Zeit der Eroberung durch
die Bnej Israel wohnte dort Arba, ein riesiger Mensch, mit seinen Söhnen Achiman,
Scheschai und Talmei. Schließlich liegt Kirjat Arba im Stammesgebiet von Jehuda, dem
vierten Sohn Jaakows. Chewron deutet Rabbenu Bachya wie später Benno Jacob als
Vereinigung. Allerdings nicht im räumlichen, sondern im geistigen Sinn: “Jeder, der dort
begraben liegt, dessen Seele vereinigt sich oben, in der Stadt Gʻttes, mit den vier
Lagerstätten der Schechina, mit dem gʻttlichen Thron.“

Diese Idee kommt auch bei späteren Erklärern wieder vor, so z.B. bei Rabbi Jizchak Karo in
seinem Kommentar “Toldot Jizchak“. Rabbi Nathan Spira schreibt in seinem Werk “Megale
Amukot“, dass die Seele beim Verlassen des Körpers ihren Weg nach ʻobenʻ durch die
Maʻarat HaMachpela nimmt, und alle unsere Gebete auch auf diesem Weg nach oben
steigen! Interessanterweise finden wir in der Mischna bereits einen Zusammenhang
zwischen dem Darbringen des täglichen Morgenopfers im Tempel (heute durch das
Schacharit-Gebet ersetzt) und Chewron: “Dann sprach der Vorgesetzte zu ihnen (den
Priestern): Geht hinaus und seht, ob es schon Zeit zum Schlachten ist (das Morgenopfer
durfte nicht vor Tagesanbruch geschlachtet werden). War es soweit, sagte der Ausschau
Haltende: ʻEs tagt.ʻ Matja, der Sohn des Schmuel, sagte: ʻDie Meldung lautete: Der ganze
östliche Horizont ist schon hellʻ. Bis nach Chewron hin? (Chewron liegt südlich von
Jeruschalajim. War der Lichtstreifen schon bis dahin vorgedrungen, so dehnte er sich
schon über den ganzen östlichen Horizont aus.) Jener antwortete: ʻJaʻ!“ (Tamid 3:2).

Der Talmud Jeruschalmi erklärt, dass mit dieser Frage nach Chewron bewusst die Verdienste
der dort ruhenden Urväter und Urmütter angesprochen wurden. Doch ist das jüdische Volk
nicht nur geistig mit Chewron verbunden. Indem Awraham dort zum ersten Mal Boden in
Erez Israel käuflich erwirbt, ist Chewron eine Entsprechung für die ʻirdischeʻ Verbundenheit
von Am Israel und Erez Israel. Die bewegte Geschichte dieser Stadt sieht der “Jalkut
Reʻuweni“ in den Buchstaben des Namens “Arba“ angedeutet: Igra (mit “Alef“ am Anfang)
Rama, Beʻira Amikta. Wörtlich: hohes Dach - tiefe Grube. In Chewron öffnen sich geistige
Höhen und in der langen Geschichte dieser Stadt leider auch irdische Abgründe. Möge mit
Gʻttes Hilfe Chewron zu seiner geistigen Bestimmung, als Wegweiser für Seelen und
Gebete, zurückfinden.