Parascha Ki Tetze Empfehlung

16. August 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Ki Tetze

ב"ה

Paraschat “KI TEZE“ כי תצא

Auszug aus: Zeitlos aktuell - Gedanken zum Wochenabschnitt, von Dr. Zwi Braun

Äußerer und innerer Feind

“Wenn du hinausziehst zum Krieg gegen deinen Feind, und es gibt ihn Gʻtt, dein Gʻtt in
deine Hand und du nimmst ihn gefangen“ (Dewarim 21:10).

 In seinem Kommentar “Melechet Machschewet“ betont Rabbiner Mosche Chefez, dass
die Tora hier den Singular verwendet: “Wenn du hinausziehst“. Er sieht darin die
Aufforderung zur Eֵinheit, denn nur eine im Inneren geschlossene und einmütige
Gesellschaft kann den kämpfenden Soldaten den Rücken stärken. Der ebenfalls aus Italien
stammende Kommentar “Mincha Belula“ sieht im “Hinausziehen“ den Gedanken
angedeutet, dass der Kampf von vornherein außerhalb der eigenen Grenzen stattfinden
und der Angriff des Aggressors nicht erst abgewartet werden soll. Für einen Staat mit einer
Wespentaille wie Israel (wir sprechen nicht von “Groß-Israel“, das ja so groß ist, dass es
bis zum Jarden reichen würde ...) war dies in der Vergangenheit eine schiere
Überlebensfrage. Auch Präventivschläge sind gegenüber dem Aggressor erlaubt. Dass die
Tora das Endziel jeglicher kriegerischer Auseinandersetzung nicht aus dem Auge verloren
hat, geht aus der vorangehenden Parascha hervor: “Wenn du einer Stadt nahst, sie zu
bekriegen, so hast du ihr erst Aufforderungen zum Frieden zu verkünden“ (Dewarim 20:10).
Doch solange es Staaten gibt, die allein durch Krieg ihre politischen Ziele zu realisieren
versuchen, gilt das lateinische Sprichwort in leicht angewandelter Form: “Si vis pacem,
para bellum.“ Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor, oder besser: sei auf ihn
vorbereitet!
 Indem die Tora als Erstes von der Gefangennahme des Gegners spricht, gibt sie kund,
dass nicht der totale Vernichtungskrieg beabsichtigt ist. Und die erste Vorschrift gilt den
Menschen, die oft als Erste wehrlos mißbraucht werden - den Frauen. Hier schob die Tora
bereits vor mehr als 3000 Jahren einen Riegel vor. Der rein hypotetische Fall der “schönen
Gefangenen“ ist im Prinzip die Aufnahme und der Übertritt zum Judentum, ein langwieriger
Prozess:
 “Er, der Kämpfer hat die Pflicht, sie entweder zu ehelichen ... womit sie völlig ins
Judentum übertritt und seine rechtmäßige Frau mit allen Konsequenzen wird, oder er hat
ihr die Freiheit zu geben“ (Rabbiner S. R. Hisch).
 In der langen Geschichte des Galut konnte das jüdische Volk sich nicht mehr im
offenen Kampf gegen seine Feinde wehren. Und so verwundert es nicht, das in dem hier
angesprochenen Gegner nicht nur der äußere, sondern auch der “innere Feind“ gesehen
wurde. Der Kommentar “Sifte Kohen“ erzählt zur Stelle eine Anekdote über König
Alexander den Großen. Nach der Rückkehr von seinen siegreichen Feldzügen habe ihn
Aristoteles mit den Worten begrüßt: “Du hast eine kleine Schlacht gewonnen. Die wirkliche
Herausforderung, die großer Schlacht steht dir noch bevor.“ Gemeint ist die
Auseinandersetzung mit dem “inneren Feind, dem Jezer Hara, dem Potential an Bösem,
das in jedem Menschen steckt. Unsere Weisen haben dies so formuliert: “Wer ist ein Held?
Der seine Leidenschaft bezwingt (Pirke Avot 4:1). Dem Jezer Hara gilt die ganze
Aufmerksamkeit von Chasal: So heißt es im Talmud:
 “Es sprach der Heilige. g.s.E. zu Israel: Meine Kinder, Ich habe den bösen Trieb
erschaffen und Ich habe die Tora als Mittel gegen ihn erschaffen. Wenn ihr euch mit der
Tora befasst, so werdet ihr nicht in seine Hand ausgeliefert, wie es heißt: ʻWenn du gut
handelst, wirst du dich erhebenʻ (Bereschit 4:7). Und wenn ihr euch nicht mit der Tora
befasst, so werdet ihr in seine Hand ausgeliefert, wie es heißt: ʻAn der Tür lauert die
Sünde, nach dir ist sein Verlangenʻ. Wenn du aber willst, kannst du über ihn herrschen, wie
es heißt: ʻDu wirst über ihn herrschenʻ. In der Schule Rabbi Jischmaels wurde gelehrt: Mein
Sohn, begegnet dir dieses Scheusal, so schleppe ihn ins Lehrhaus mit. Ist er Stein, so wird
er zerrieben, ist er Eisen, so wird er zerschplittert, denn es heißt: ʻSo sind Meine Worte wie
Feuer, Spruch des Herrn, wie der Hammer Felsen zersplittert.ʻ Ist er Stein, so wird er
zerrieben, denn es heißt: ʻAuf, ihr Durstigen alle, kommt zum Wasser.ʻ Und ferner heißt es:
ʻWie Wasser Steine zerreibtʻ.“ (Kidduschin 30b)
 Nimmt man den Kampf gegen den Jezer Hara ernsthaft auf, mit den Waffen Tora und
Mizwot, so verspricht uns die Tora den Sieg über ihn: “Und du nimmst ihn gefangen!“