Paraschat Jitro (5778)

09. Februar 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Jitro

ב"ה

Parascha “Jitro“ יתרו

Auszug aus: Kommentar von Rabbiner S. R. HIRSCH zum Sefer Schmot

ומשה עלה אל האלקים ויקרא אליו יי מן ההר לאמר כה תאמר לבית יעקב ותגיד לבני ישראל
אתם ראיתם אשר עשיתי למצרים ואשא אתכם על כנפי נשרים ואבא אתכם אלי
„Mosche aber war hinangegangen zu Gʻtt hin, da rief ihm Gʻtt vom Berg zu: Also
sage dem Haus Jaakows und stelle den Söhnen Israels vor: Ihr habt gesehen, was
Ich an Mizrajim getan, während Ich euch auf Adlerflügel hob und euch zu Mir
brachte.“ (Schmot 19:3,4)

V.3 Während das Volk sich dem Berge gegenüber lagerte, war Mosche als ihr Abgesandter
zu Gʻtt hinangegangen, damit eben das Bereitsein des Volkes zur Erfüllung der
Bestimmung תעבדון את האלקים בהר הזה zum Ausdruck zu bringen. Indem er aber hinanging,
rief Gʻtt ihm von der Höhe hinab zu: כה תאמר u.s.w. Es enthält dies den Grundgedanken
dessen, was Gʻtt unter עבודת אלקים versteht. Dem בית יעקב , der Familie, und insbesondere
den Trägern des Familienlebens, den Frauen, soll dieser Grundgedanke in das Gemüt
hinein gesprochen und erläutert werden; den Söhnen Israels, in dieser Gegenüberstellung
speziell den Männern, תגיד , soll er vollständig vergegenwärtigt und, um ihn nie aus den
Augen zu verlieren, gegenüber gestellt werden.
V.4 אתם ראיתם Die Basis eures Gʻtt- und Selbstbewusstseins beruht nicht auf einem
immerhin Zweifel zulassenden Glauben, sondern auf eigener, selbstgeschöpfter
Sinnesüberzeugung. Ganz in derselben Weise heißt es Kapitel 20:19: כה תאמר u.s.w. אתם ראיתם
כי מן השמים דברתי עמכם von der Tatsache der Gesetzoffenbarung. Beide Grundwahrheiten, auf
welchen das ganze Judentum beruht, יציאת מצרים und מתן תורה , die ägyptische Erlösung und
die Gesetzgebung, stehen ganz auf dem Boden selbsterlebter, empirischer Sinneswahrnehmung,
die jede Möglichkeit der Täuschung ausschließt, da sie von so vielen
Hunderttausenden gleichzeitig gemacht worden. Beide Grundwahrheiten teilen daher den
höchsten Grad der Gewissheit, sind völlig dem Gebiete eines bloßen Meinens und
Glaubens entzogen, gehören dem Gebiete des Wissens an und sind somit unumstößliche
Tatsachen, welche mit derselben Gewissheit wie die Tatsache unseres eigenen Daseins
und des Daseins der äußeren sinnlichen Welt all unserem anderen Wissen zum
Ausgangspunkt dienen müssen. Ihr habt g e s e h e n, was Ich gleichzeitig an Mizrajim und
euch getan, wie Ich die größte menschliche Macht, weil sie gewalttätig sich Mir widersetzte,
niederwarf, und wie Ich euch, die hilflosesten, niedergetretensten Menschen, weil sie Mir
vertrauten und sich Mir hingaben, hoch über den Bereich aller feindlichen Mächte
emporhob und in unmittelbare Beziehung zu Mir brachte.
“Ihr habt g e s e h e n , wie Ich der Einzige bin, den die Menschen zu fürchten, und
zugleich der Einzige, dem die Menschen zu vertrauen haben.“
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Auszug aus: Midrasch Tehillim
("Paraschat haSchawua in den Tehillim/Psalmen", zusammengestellt von Baruch ben Mordechai HaKohen)
Midrasch Tehillim 24,7
Vers 3. Wer steigt hinauf auf den Berg des Ewigen? D. i. Mosche, wie es heißt: „Und
Mosche stieg hinauf zu Gʻtt“ (Schemot 19,3). Und wer stehet auf seiner heiligen Stätte? D. i.
Mosche, wie es heißt: „Und du bleibe hier bei Mir“ (Dwarim 5,28).
Vers 4. Wer rein an Händen ist, d. i. Mosche, wie es heißt: „Nicht einen Esel von einem unter
ihnen habe ich genommen“ (Bamidbar 16,15); und reinen Herzens ist, d. i. Mosche, der seine
Angelegenheiten klar darlegte ( שהיה מברר ) in dem Augenblicke, als der Heilige, gelobt sei Er,
zu ihm sagte: Gehe in Meiner Sendung zu Pharao, wie es heißt: „Und Mosche sprach zu
Gʻtt: Siehe, ich käme zu den Kindern Israel und spräche zu ihnen: Der Gʻtt eurer Väter
sendet mich zu euch! Und sie sprächen zu mir: Welches ist Sein Name? Was soll ich ihnen
sagen“ (Schemot 3,13)? Wer nicht erhebt zum Eitlen die Seele, d. i. Mosche, denn er nahm
nicht zum Eitlen die Seele des Ägypters, wie es heißt: „Und er wandte sich dahin und
dorthin, und als er keinen Mann sah, erschlug er den Ägypter“ (Schemot 2,12). Was sah er?
Er sah die Engel und beriet sich mit ihnen, dass er ihn rechtens umbringe, denn er
erschaute, dass kein Ger Zedek, Gerechter, von ihm erstehen würde, wie es heißt: „Und
als er sah, dass kein Mann da war.“ Und der nicht schwört zum Truge, d. i. Mosche, wie es
heißt: „Und Mosche schwor, bei dem Manne zu bleiben“ (Schemot 2,21). Daraus geht hervor,
dass Mosche dem Jitro schwur, dass er ohne seine Erlaubnis nicht nach Ägypten wieder
zurückkehre. Unter ויואל ist nichts anderes als , שבועה ,Schwur zu verstehen, wie es heißt:
„Und Schaul beschwor ויאל das Volk“ (1. Schmuʻel 14,24). Komm und sieh, als er in der
Sendung des Heiligen, gelobt sei Er, nach Ägypten zurückkehren wollte, was steht da
geschrieben? „Und Mosche ging und kam zurück zu Jitro, seinem Schwiegervater“ (Schemot
4,18).

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