Paraschat “PEKUDE“ Empfehlung

27. Februar 2022 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Pekudei

ב"ה

Paraschat “PEKUDE“

Auszug aus: Zeitlos aktuell - Gedanken zum Wochenabschnitt, von Dr. Zwi Braun

Vollendung und Segen

Und Mosche sah das ganze Werk und siehe, sie hatten es ausgeführt, wie Gʻtt geboten, also hatten sie
getan: da segnete sie Mosche.“ (Schmot 39:43)

In seinem Kommentar “Knesset Jecheskel“ legt Rabbi Jecheskel haKohen von
Radomsk die Betonung auf „sie hatten es ausgeführt, wie Gʻtt geboten“. Damit ist nicht nur
die äußerliche, vorschriftsgetreue Ausführung aller Arbeiten gemeint, sondern auch die
innere Anteilnahme und Begeisterung aller Beteiligten. Oft gehen wir mit großem
Enthusiasmus an eine Aufgabe heran, versprechen, unser Bestes zu geben, verlieren dann
aber allmählich unser Interesse. Das Projekt schleppt sich dahin, und selbst, wenn es
schlussendlich durchgeführt ist, ist unser anfänglich vorhandenes inneres Feuer erloschen.
Nicht so beim Bau des Mischkan. Die zum Zeitpunkt des Auftrags vorhandene
Begeisterung (“wie Gʻtt geboten“) blieb bis zum Schluss erhalten (“sie hatten es
ausgeführt“).“

Der vorhergehende Passuk klingt sehr ähnlich: “Ganz so wie Mosche geboten hatte,
also hatten die Bnej Israel die ganze Aufgabe vollbracht“ (Schmot 39:42). Was Rabbiner S.
R. Hirsch im Vers 42 und 43 mit Aufgabe bzw. Werk übersetzt, heißt im hebräischen
Original “Awoda“ und “Melacha“. Warum verwendet hier die Tora zwei verschiedene
Ausdrücke? Der Chatam Sofer sieht in Melacha den Oberbegriff für alle hergestellten
Gegenstände. Melacha beschreibt das äußerliche Ergebnis des Arbeitsprozesses, das
Was. Mit Awoda hingegen ist das Wie angedeutet, die innere Einstellung des Menschen zu
ihrer Tätigkeit. Unsere Weisen haben die Begriffe “Awodat Haschem“ geprägt, Dienst für
Gʻtt, und “Awoda schebaLev“, Dienst mit dem Herzen, eine Bezeichnung für das Gebet.
Die Tora will uns mit der Verwendung der Worte Awoda und Melacha mitteilen, dass das
Volk die Arbeit am Mischkan nicht nur als mechanische Handlung ansah, als technisch
ausgereiften Herstellungsprozess vieler Kunstgegenstände, sondern darunter einen mit
Sinn erfüllten Dienst für Gʻtt verstand. Jede äußere Handlung war von inneren Gefühlen
und Gedanken begleitet. Darin liegt auch eine Lehre für uns, die Durchführung der Mizwot
nicht zu einem routinemäßigen, mechanischen Tun absinken zu lassen. Mizwot bedürfen
der “Kawana“, sind bewusst zu praktizieren (Brachot 13a).

Welchen Segen erteilte Mosche dem Volk? Raschi zitiert die mündliche Überlieferung:
Möge es der Wille sein, dass die Schechina über dem Werk eurer Hände ruhe. Es sei das
Beglückende meines Herrn, unseres Gʻttes über uns und das Tun unserer Hände gründe
auf uns und das Tun unserer Hände stelle Du fest.

Es handelt sich hier um den letzten Vers des 90. Kapitels aus den Psalmen, welches mit
den Worten beginnt: “Ein Gebet von Mosche, dem Mann Gʻttes: Mein Herr, Zuflucht warst
Du uns in jeder Generation.“ Nach Auffassung unserer Weisen hat König David auch die
Psalmen von zehn früher lebenden Autoren in seine Sammlung aufgenommen (Baba Batra
14b - 15a). Aus einem Raschikommentar zum Talmudtraktat Schewuot 15b geht hervor,
dass Mosche bei der Einweihung auch das Kapitel 91 vortrug, welches mit den Worten
beginnt: “Wer im Schutz des Höchsten weilt, der ruht im Schatten des
Allmächtigen ...“Diese Worte passen gut zur Fertigstellung des Mischkan, des “Wohnortes“
von Gʻtt, in dessen Schatten die zwölf Stämme lagerten.

Der letzte Vers aus dem zitierten Kapitel Tehilim (90:17) enthält eine scheinbar
überflüssige Wiederholung: “Das Tun unserer Hände gründe auf uns, und das Tun unserer
Hände stelle du fest“. In seinem Kommentar zu den Psalmen führt Rabbiner Hirsch dazu
aus:

“Gründe das Tun unserer Hände auf uns, das heißt, mache uns selbständig, dass wir,
wir allein über das Tun unserer Hände zu verfügen haben, in keines Menschen
Botmäßigkeit sind, mache uns frei. Und stelle Du fest, was wir zu tun haben, schreibe Du
uns die Richtung unseres Tuns vor, gib uns Dein Gesetz, keines Menschen Knecht und
durch und durch Gʻttes Diener, das ist Israels beglückendes Los, und das ist der Inhalt der
Sendung Mosches.“

Vielleicht kann man auch das “Tun unserer Hände“ einmal auf die Vollendung des
ersten Mischkan in der Wüste beziehen und die Wiederholung auf den Wunsch Mosches,
dass auch der Bau des dritten Tempels zur messianischen Zeit unter dem Segen Gʻttes
stehen möge!