Paraschat “WAJAKHEL“ Empfehlung

07. März 2021 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Wajaqhel

ב"ה

Paraschat “WAJAKHEL“

Auszug aus:
Belebende Parascha, Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart,
von Rabbiner Benjamin Sufiev

Zu Beginn unseres Wochenabschnitts versammelt Mosche das jüdische Volk, um
ihnen das Hüten des Schabbat zu gebieten. Sechs Tage soll gearbeitet werden, und der
siebte sei euch heilig, ein völliger Ruhetag, verkündet Er ihnen.

Unsere Gelehrten (Awot DeRabbi Natan, Kapitel 11) lernen aus diesem Vers, dass
nicht nur das Hüten des Schabbat ein Gebot ist, sondern auch die Arbeit - “so wie Israel die
Einhaltung des Schabbat geboten wurde, so sind sie auch verpflichtet zu arbeiten.“ Denn
auch das Geschäftsleben eines Juden kann im Dienste Gʻttes miteinbezogen werden,
wenn es sich nach den Geboten der Thora richtet und Gʻttes Willen entspricht. D.h. ich
arbeite und verdiene Geld, um mehr Zedaka (Wohltätigkeit; stammt vom Wort Zedek,
“Gerechtigkeit“) zu geben, um mich ungestört und frei von Geldsorgen dem Thorastudium
widmen zu können.

Aktiv - Passiv

Unsere Thorastelle aber lehrt uns auch, wie der Jude in den sechs Tagen seine Arbeit
angehen soll. Mosche spricht direkt das jüdische Volk an, als er ihnen die Pflicht, den
Schabbat zu hüten, verkündet. Passender wäre es also in folgender Weise zu sprechen:
„Sechs Tage sollt ihr arbeiten“ - in aktiver Form. Unser Vers aber ist im Passiv: soll
gearbeitet werden!

Die aktive Form “ihr sollt arbeiten“ drückt aus, dass der Mensch all seine
entsprechenden Kräfte auf die jeweilige Sache konzentriert; er “stürzt“ sich in die Sache.
Die passive Form aber bedeutet, einen kühlen Kopf zu bewahren. “Es soll gearbeitet
werden“ - die Arbeit kann auch getan werden, ohne sich voll und ganz in sie zu stürzen, auf
eine “passive“ Weise, als wäre sie nicht die Hauptsache.

Koschere Arbeitseinstellung

Und so soll der Jude seine Arbeit angehen: Es ist richtig, dass der Mensch zu arbeiten
hat, und das ist sogar ein Gebot. Aber der Jude soll sich bewusst sein, dass nicht die Arbeit
(der Materialismus) sein Leben erfüllt; sie ist nur Mittel zum Zweck. Er soll nicht seine
Seele in die Arbeit stecken! Denn das Wahre im Leben des Juden, in welches er all seine
Kräfte und Begeisterung vertiefen soll, ist seine Seele, das Spirituelle, die Bindung an Gʻtt
und die Thoralehre. Deshalb soll man nicht der Arbeit wegen die Gebote, das
Thorastudium und die täglichen Gebete vernachlässigen, und sicher nicht die Familie und
Gesundheit.

Doch da gibt es wohl bekannte Argumente: Wenn ich nicht all mein Interesse und
meine Zeit in die Arbeit stecke, wer versichert mir, dass ich für meine Familie sorgen kann?
(Dieses Argument benutzt man auch teilweise, um selbst am Schabbat zu arbeiten.)

Die Antwort lautet: Auch in Gʻtt musst du Vertrauen haben! Er ist es doch, der über
deinen Erfolg und Mißerfolg entscheidet! Da Er alle Fäden in der Hand hält, hängt auch der
Geschäftserfolg des Juden nur von Gʻtt ab. Der Jude bereitet mit seiner tagtäglichen Arbeit
nur ein “Gefäß“, in welches der gʻttliche Segen strömen kann!

Ein wahres Schabbatvergnügen

Geht der Jude in den sechs Tagen auf diese Art seine Arbeit an, ist auch sein
Schabbat anders! Somit kann unser Vers auch wie folgt interpretiert werden: Sechs Tage
soll gearbeitet werden, und der siebte sei ein völliger Ruhetag. - Damit der Schabbat ein
wahrer Ruhetag sein kann, braucht man als Vorbereitung die Werktätigkeit der sechs Tage
in Form von “soll gearbeitet werden“ - auf passive Weise. Denn wenn der Mensch während
der Woche völlig in seine Geschäfte vertieft ist, so will er mit dem Eintreten des Schabbat
all seine Sorgen vergessen, um entspannt die warme Atmosphäre des Schabbat zu
genießen, das Zusammenrücken der Familie (und nicht nur am Schabbattisch), die
angenehmen Gʻttesdienste und das Thorastudium.

Doch all dies ist kaum möglich, wenn er während der Woche so sehr in seine Arbeit
vertieft war, dass ihn schließlich auch am Schabbat Gedanken über das Geschäft, die
Ausgaben u.s.w. beschäftigen. Nur sehr schwer kann er sich von den Turbulenzen der
Woche befreien und innehalten. Wer aber einen kühlen Kopf bewahrt und in Gʻtt vertraut,
dessen Schabbat wandelt sich zu einem wahren Ruhetag, einem spirituellen Erlebnis und
einer sprudelnden Quelle von geistigen und physischen Kräften!

(Likutej Sichot, Band I, Seite 187)

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