Paraschat “Wajakhel“ Empfehlung

20. Februar 2022 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Wajaqhel

ב"ה

Paraschat “Wajakhel“

Auszug aus: “Studien zu den wöchentlichen Tora-Vorlesungen“, von Nechama Leibowitz

Heiligkeit des Ortes und der Zeit

Wie schon in der vorhergehenden Sidra Ki Tisa (Schmot 31: 12-17) wird auch hier das
Verbot des Arbeitens am Schabbat ausgesprochen - allerdings diesmal, ohne dass es in
Beziehung zu den Arbeiten bei Bau und Ausstattung des Stiftszeltes (die ja zum Kern der
am Schabbat verbotenen Arbeiten wurden) stünde.

Und Mosche versammelte die ganze Gemeinde Israels und sagte zu ihnen: ʻDies sind
die Worte, die Gʻtt nun befohlen hat: Sechs Tage sollst du Arbeit verrichten, und am
siebenten Tag sei euch heilig ein Schabbat Schabbaton für Gʻtt, jeder, der an ihm Arbeit
verrichtet, wird sterben. An allen euren Wohnsitzen zündet kein Feuer an am
Schabbat.ʻ“ (Schmot 35: 1-3)

Abarbanel fragt sich, weshalb gerade an diesem Ort in der Tora vom Verbot der
Schabbatentweihung die Rede ist. Warum, so fragt Abarbanel, beginnt Mosche die Rede
an die Israeliten, die er versammelt hat, um ihnen die Art des Dienstes im Stiftszelt zu
befehlen, mit dem Schabbatgebot, das doch schon verschiedentlich (nicht nur in Ki Tisa,
sondern auch in den zehn Geboten oder anlässlich des Manna) zur Sprache gekommen
ist. Vor allem wundert sich Abarbanel darüber, dass das Schabbatgebot in Ki Tisa direkt
nach dem Themenkomplex des Stiftszeltes erwähnt wurde, hier aber unmittelbar davor. Die
Antwort Abarbanels betrifft die Frage, welcher Wert der Arbeit - und insbesondere der
Arbeit am Stiftszelt - und welcher dem Schabbat zugemessen wird: “Man hätte gemäß den
Befehlen zum Stiftszelt und seiner Ausstattung, die die enge Verbindung mit Gʻtt und das
Dasein Seiner Gegenwart im Volk lehren, meinen können, dass diese Arbeit würdiger sei
als alle anderen Arbeiten, und sicherlich als das Ruhen am Schabbat, da doch die
Vollkommenheit jeder Sache in ihrer Verrichtung liegt und die Tat vollkommener ist als das
Niederlegen der Arbeit und das Ausruhen, und sicherlich bei einer so würdigen und heiligen
Angelegenheit. Vielleicht hätten die Israeliten deshalb denken können, die Arbeit am
Stiftszelt verdränge die Schabbatruhe. Denn es kommt doch hinzu, dass die Tat den
Glauben eher bestärkt als das Nichtstun und das Ruhen von der Arbeit. Denn die Tat ist
Wirklichkeit und das Ruhenlassen Abwesenheit, und die Wirklichkeit wirkt stärker als die
Abwesenheit.“ Daraus, so Abarbanel, hätte man schließen können, dass die Arbeit allein
derart auf den Glauben und die Bestätigung Gʻttes als Weltschöpfer wirke, dass der
Schabbat nicht mehr gebraucht worden wäre. Deshalb ermahnt Gʻtt das Volk besonders,
den Schabbat nicht durch den Bau am Stiftszelt zu verdrängen.

Wohl beantwortet Arbabanel damit die Frage, was die Tora veranlasst hat, nochmals
auf das Schabbatgebot zurückzukommen, nachdem Bau und Ausstattung des Stiftszeltes
angeordnet sind, und weshalb Mosche, bevor er dem Volk die mit dem Stiftszelt
verbundenen Verbote nennt, nochmals die Heiligkeit des Schababt betont. Doch wissen wir
deshalb noch nicht, weshalb der Schabbat den Bau des Stiftszeltes verdrängt und nicht
umgekehrt.

Darauf antwortet ausführlich Abraham Joshua Heschel in der Einleitung seines Buches
Schabbat. Seine Bedeutung für den heutigen Menschen.“ Dort heißt es: “Mit der Technik
hat der Mensch den Raum erobert. Dieser Triumph wurde häufig nur dadurch errungen,
das der Mensch einen wesentlichen Teil seiner Existenz opfert, nämlich die Zeit. Im Bereich
der Technik verbuchen wir Zeit, um Raum zu gewinnen. ... Eines der bedeutensten Wörter
in der Bibel ist das Wort kadosch (heilig); dieses Wort ist mehr als alle anderen ein Zeichen
für das Geheimnis und die Majestät des Gʻttlichen. Nun, was war der erste heilige
Gegenstand der Weltgeschichte? Es ist eine einzigartige Gelegenheit, bei der das
bedeutsame Wort kadosch zum ersten Mal gebraucht wird. In Bereschit am Ende der
Schöpfungsgeschichte: Wie außerordentlich bemerkenswert ist die Tatsache, dass es auf
die Zeit angewendet wird: ʻUnd Gʻtt segnete den siebten Tag und heiligte ihn.ʻ Im
Schöpfungsbericht wird kein Gegenstand im Raum erwähnt, dem der Charakter der
Heiligkeit zukäme. Als die Geschichte begann, gab es nur eine Heiligkeit in der Welt, die
Heiligkeit der Zeit. Als am Sinai das Wort Gʻttes gesprochen werden sollte, wurde die
Heiligkeit im Menschen verkündet. ʻIhr sollt Mir ein heiliges Volk sein.ʻ Erst nachdem das
Volk der Versuchung erlegen war, das Goldene Kalb zu verehren, wurde die Errichtung der
Stiftshütte, die Heiligkeit eines Ortes, befohlen.“

Der Midrasch Aggada zur Sidra Truma beschreibt ausführlich eine Szene, in welcher
das Volk Israel Gʻtt bedrängt, Ihm - wie andere Völker ihren Königen - ein besonderes
Bauwerk stiften zu dürfen, und Gʻtt das Stiftszelt ihretwegen, nicht Seinetwegen befiehlt.
Sie sollen tun, was sie begehren, aber das Wie der Ausführung wird ihnen befohlen.
Demzufolge wäre die Heiligkeit des Stiftszeltes nur auf die Initiative Israels zurückzuführen,
während die Heiligkeit des Schabbat direkt und noch während der sechs Schöpfungstage
von Gʻtt selbst bestimmt worden ist.

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