Paraschat „WAJEZE“ Empfehlung

21. November 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Wajetze

ב"ה

Paraschat „WAJEZE“

aus:
Belebende Parascha
Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart
von Rabbiner Benjamin Sufiev

AUF GÖTTLICHER MISSION

Die Thora als ewig geltender Wegweiser für die Menschheit ist auch in ihren
geschichtlichen Abhandlungen Träger aktueller Botschaften. All die Ereignisse des
jüdischen Volkes und seiner Erzväter gehören keinesfalls zu den historischen Geschichten
der antiken Welt, auch wenn sie gern gelesen werden.

Da doch die Thora das Wort G‘ttes an den Menschen ist und sie ihn in jedem Detail
zurechtweist, besteht auch der Sinn der historischen Abhandlungen in ihr darin, den Juden
in seinem Wandel zu führen. Das gilt vor allem für die Lebensgeschichte unserer Erzväter
und Erzmütter, da „die Väter Vorbild der Kinder sind“, und im Besonderen Jaakow, der als
Erlesenster der Väter gilt.

In unserem Wochenabschnitt erfahren wir von der Auswanderung Jaakows aus dem
Heiligen Land nach Charan, wo er der Knecht Lawans wird und so seine Familie gründet.
22 Jahre später kehrt er in das Heilige Land zurück.

Auswandern zahlt sich aus

Der Sohar macht auf einen interessanten Unterschied zwischen der Auswanderung
Jaakows und seiner Rückkehr in das Heilige Land aufmerksam.

Als Jaakow bei seiner Reise nach Charan eine G‘ttesoffenbarung empfing - „Und G‘tt
stand über ihm“ - heißt es: „Und er traf auf einen Ort.“ Er musste also die G‘ttesoffenbarung
aufsuchen, und auch als er sie antraf, empfing er sie nur im Traum, nicht im vollen
Bewusstsein.

Bei seiner Rückkehr aus Charan aber steht in der Thora geschrieben: „Und die Engel
G‘ttes trafen ihn an.“ Die Engel und G‘tt selbst (wie der Sohar betont) suchten die Nähe
Jaakows, welcher sie in vollem Bewusstsein empfing.

Auf welches spirituelle Niveau muss wohl Jaakow gelangt sein, dass G‘tt ihn
höchstpersönlich empfing? Eines ist jedenfalls sicher: Dieses Niveau erreichte er durch
seine Auswanderung nach Charan.

Grundsteinlegung

Tatsächlich hatten die Wege Jaakows nach Charan einen viel höheren, göttlichen Sinn,
nämlich den Grundstein für das jüdische Volk zu legen. Dieses Ziel konnte Jaakow nur in
Charan erreichen.

Deshalb entspricht die Auswanderung Jaakows nach Charan der Galut, bis zur
Zerstreuung des jüdischen Volkes über die ganze Welt.

Und so schreibt Rambam: „Die Leiter, die Jaakow erblickte, und die Engel, die an ihr
auf und abstiegen ... stehen für die Königtümer, unter die das jüdische Volk geraten wird,
und seine Unterdrückung durch jene Herrschaften“ (Hilchot Jesodej haThora, Kapitel 7:3).

Die Rückkehr Jaakows ins Heilige Land entspricht der endgültigen Erlösung. Schon
von Geburt an liegt es in der Bestimmung des jüdischen Volkes, in die Galut zu gehen, um
dort eine Mission zu erfüllen. Laut der jüdischen Mystik handelt es sich dabei um „das
Wiederentdecken der gefallenen göttlichen Funken, die über die ganze Welt verstreut
wurden“.

Einfacher erklärt, lernen wir von unserem Erzvater Jaakow, dass der Jude seinen
bequemen, „mit Jüdischkeit erfüllten Ort“ zu verlassen hat, und sogar die vier Wände des
Lehrhauses (wie Jaakow es tat, da er bei Schem, Noachs Sohn, sich nur dem
Thorastudium widmete), um nach „Charan“ zu ziehen, d.h. die „jüdische Auseinandersetzung
mit der Außenwelt, mit seinem Nächsten, zu suchen.

Es gibt Menschen, welche sich Jaakows Mission zur Lebensaufgabe machen. Aber
jeder sollte sich zumindest hin und wieder Jaakow zum Vorbild nehmen, indem er
beispielsweise seinem „Nachbarn“ einen Besuch abstattet mit einer Einladung zum Schiur
oder zum Legen von Tefillin u.s.w. Schließlich ist er hier auf göttlicher Mission.

Der Weg zum Erfolg

Die „Auswanderung in die Welt“ versichert dem Juden nicht nur, dass er sie heil übersteht,
sondern sogar etwas viel Feineres: „Und der Mann breitete sich gar sehr aus“ (wie es in
der Thora über Jaakow heißt) - er hat Erfolg auf der ganzen Linie, und auch seiner
Umgebung bringt er Wohl, so dass er bei Ende seiner Mission, der Rückkehr ins „Heilige
Land“ (der vollkommenen Erlösung), von einer ganz besonderen Herrschaft begrüßt wird,
von G‘tt und Seinen Himmelsheerscharen, welche ihn schon zu segnen suchen - „Und die
Engel trafen ihn an!“

(Likutej Sichot, Band 1, Seite 34)