Paraschat “DEWARIM“ Empfehlung

19. Juli 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Dwarim

ב"ה

Paraschat “DEWARIM“

Auszug aus: Zeitlos aktuell - Gedanken zum Wochenabschnitt, von Dr. Zwi Braun

Nicht nur Wiederholung

“Dies sind die Worte, die Mosche zu ganz Israel jenseits des Jardens sprach.“
(Dewarim 1:1)

Mit diesen Worten beginnt das letzte Buch der Tora, welches unsere Weisen Mischne
Tora genannt haben. Der Kommentar Mezudat Zijon leitet Mischne Tora von “scheni“ ab -
zwei, zum zweiten Mal. In diesem Buch wiederholt Mosche, was bereites in den
vorhergehenden Büchern der Tora erzählt worden ist.
Der Gaon von Wilna betrachtet die ersten fünf Verse als Einleitung, in der dreimal
Mosches Rede erwähnt wird. Vers 1: “... die Mosche sprach“; Vers 2: “... sprach Mosche“;
Vers 5: “... fing Mosche zu erläutern an“. Er sieht darin einen Hinweis auf die Einleitung von
Sefer Dewarim in drei große Abschnitte. Diese beginnen mit denselben Worten, wie die
drei mittleren Bücher der Tora. Nämlich: “Eleh“ (Dewarim 1:1); “Wajikra“ (Dew. 5:1);
“Wajedaber“ (Dew. 27:9). Zuerst lässt Mosche die Ereignisse der vierzigjährigen
Wüstenwanderung Revue passieren und ermahnt das Volk, die Fehler der früheren
Generation nicht zu wiederholen. Dabei geht Mosche nicht in der chronologischen
Reihenfolge vor. Zuerst erwähnt er die misslungene Mission der Kundschafter (Dew. 1:22),
danach die Episode des Goldenen Kalbes (Dew. 9:8). Warum diese Umkehrung der
Geschehnisse? Mosche spricht zu einer neuen Generation, die in der Wüste groß
geworden ist, nicht mehr die Sklavenmentalität der Väter besitzt, und bereit ist, in Erez
Israel einzuziehen. Eindrücklich führt ihnen Mosche das Versagen ihrer Väter vor Augen
und warnt sie, sich von Erez Israel nicht abzuwenden. Eine Mahnung, die für alle
Generationen gilt.
Im fünften Kapitel beginnt die Wiederholung und Erweiterung der Gesetzgebung, an
deren Spitze das Zehnwort steht. Ab Kapitel 27 folgt der Ausblick in die Zukunft des
jüdischen Volkes. Eine Meinung im Talmud spricht von einer 6000-jährigen Existenz der
Welt und meint damit den Zeitpunkt, an welchem spätestens die messianische Endzeit
erreicht wird (Sanhedrin 97b). Der Gaon von Wilna sieht den Verlauf des sechsten
Jahrtausends im Sefer Dewarim angedeutet. Er unterteilt dieses Buch in zehn
Wochenabschnitte und ordnet jeder Parascha eine Periode von 100 Jahren zu. Dazu
bilden Nizawim-Wajelech eine Einheit und entsprechen den Jahren 5700 bis 5800.
Bleiben wir noch einen Moment bei der Konstruktion der Wortanfänge und Wortenden
der fünf Bücher der Tora. Der Baal Haturim macht uns darauf aufmerksam. dass die
Gematrija der jeweils letzten Buchstaben der Worte, mit denen die Bücher beginnen, 611
beträgt (“Taw“ von Bereschit; “He“ von Weʻeleh; “Alef“ von Wajikra; “Resch“ von
Wajedaber; “He“ von Eleh). 611 wiederum ist der Zahlenwert von Tora, ein Hinweis, dass
im “Endeffekt“ alle fünf Bücher der Tora zusammengehören, eine Einheit bilden und aus
einer Quelle stammen.
Während die drei vorangegangenen Sefarim immer mit einem verbindenden
“waw“ (und) begonnen haben, fehlt dieses beim ersten Wort von Sefer Dewarim - es heißt
lediglich “Eleh“. Der Sfat Emet zitiert dazu die Regel unserer Weisen: “Eleh posel et
haRischonim“. Wenn es “Eleh“ heißt, wird ein Unterschied zum Vorangegangenen
gemacht, beginnt etwas Neues. Das Neue sieht der Sfat Emet hier darin, dass Mosche
nach vierzig Jahren zu einer neuen Generation spricht. Der Talmud hält fest, dass ein
Schüler erst nach vierzig Jahren voll den Sinn der Worte des Lehrers versteht (Awoda Sara
5b). Erst die neue Generation war in der Lage, Auftrag und Ziel der Tora richtig zu
verstehen, ihre Weisungen in die Realität umzusetzen. Eine weitere wichtige
Voraussetzung war die Einheit des Volkes. Keine Meutereien mehr, kein Korach in seiner
Mitte: Laut Malbim spiegelt sich dies in der Anrede Mosches wieder: Es heißt in Vers 1
nicht el Bnej Jisrael“ - zu den Söhnen Israels (Betonung des Einzelnen), sondern “el kol
Jisrael“ - zu ganz Israel (das Volk als geschlossene Einheit).