Paraschat Re'eh Empfehlung

10. August 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Re'e

ב"ה

Paraschat “REʻEH“

aus: Belebende Parascha
Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart
von Rabbiner Benjamin Sufiev

WIEDERGUTMACHUNG

An unserem Schabbat segnen wir den Monat Elul, auch „Monat der Tschuwa“ genannt. Elul
ist der letzte Monat im Jahr und somit eine Zeit der völligen Besinnung und des
Nachdenkens über Taten und verabsäumte Taten jedes Einzelnen in diesem Jahr. Es ist
eine Zeit, Geschehenes wiedergutzumachen und noch nicht Getanes jetzt nachzuholen
und zu vervollkommnen. Somit bildet der Monat Elul eine Vorbereitung für das Neue Jahr.
Wie diese Vorbereitung für Elul aussehen soll, lernen wir aus den Anfangsbuchstaben
dieses Monatsnamens. Die Buchstaben von „Elul“ ( אלול ) deuten auf gewisse Verse, von
denen jeder einen anderen Zweig im Dienste G‘ttes ausdrückt.
Der erste Schritt ist Tschuwa. Dies wird in folgendem Vers gedeutet: „Und G‘tt, dein
G‘tt, wird beschneiden dein Herz und das Herz deiner Nachkommen“ (Dewarim 30:6). Die
Beschneidung des Herzens und die Entfernung der „Vorhaut“, welche die Liebe jedes
Juden zu G‘tt verhüllt, ist die Tschuwa!

Die drei Säulen
Mit der Öffnung des Herzens für G‘tt durch die Beschneidung beginnt der zweite Schritt,
welcher in drei Bereiche unterteilt wird. Es handelt sich um die „drei Säulen, auf die die
Welt sich stützt“ - die Thora, das Gebet und gute Taten (Sprüche der Väter 1:2).
Das Thorastudium wird in einem der Verse über die „Zufluchtsstädte“ (Orte, die einem
unabsichtlichen Totschläger vor den Bluträchern Zuflucht geben) gedeutet: „G‘tt hat es ihm
unter die Hand geschickt“ (Schmot 21:13). Auch die Thora gleicht einer Zufluchtsstadt, die
aufnimmt und beschützt, wie im Talmud steht: „Das Thorastudium nimmt auf“ (Talmud
Makot 10a) - denn sie behütet den Menschen vor Bösem.

Das Gebet und die gute Tat
Die zweite Säule ist das Gebet: „Ich bin meines Geliebten und mein Geliebter ist
mein“ (Schir haSchirim 6:3). In dem Hohelied des Königs Schlomo spiegelt sich die
„Liebesbeziehung“ G‘ttes mit Seinem Volk Israel wider. Durch das Gebet kommuniziert der
Mensch mit seinem Schöpfer - er geht mit ihm eine Bindung ein. Der dritte Vers - „einer
dem anderen und Geschenke an die Armen“ (Esther 9:22) deutet auf die gute Tat.
Im Monat Elul liegt es an jedem, sich intensiver mit der Thora, dem Gebet und der
guten Tat zu beschäftigen. Allgemeiner ausgedrückt dient besonders diese Zeit einer
Annäherung an die eigene Identität. Der eine tut dies, indem er anfängt, Tefillin zu legen
(auch wenn für den Anfang nur einmal wöchentlich), der andere nimmt auf sich, täglich das
Kri‘at Schma - das jüdische Glaubensbekenntnis - zu lesen u.s.w.

Der vierte Vers
Doch das Schlüsselwort, um diese Taten der Tschuwa in die Praxis umzusetzen, heißt
„Erlösung“. Und zuallererst Erlösung von all den fesselnden Ketten, die den Menschen
nicht zur Ruhe kommen lassen (Geldsorgen, Gruppenzwang u.s.w.). Der Jude muss sich
von dem Gefühl der Freiheit inspirieren lassen, bevor er seinen Dienst an G‘tt antritt.
Schließlich ist es G‘tt, welcher die Lösung zu allen Sorgen hat.
Und so kommen wir zur vollkommenen Erlösung, die auch in dem Wort „Elul“ gedeutet
wird: „Und sie sprachen also, singet G‘tt“ (Schmot 15:1). Der Vers ist eine Strophe im „Lied
am Schilfmeer“, welches das jüdische Volk bei der Erlösung aus Mizrajim sang und noch
zur vollkommenen Erlösung singen wird. Das Gefühl der Erlösung aus eigener, innerer
Bedrängnis, das Gefühl, seine inneren Grenzen zu überwinden (oftmals hervorgerufen
durch gesellschaftliche Ordnungen und Weltanschauungen), dieser „Spürsinn“ der Freiheit
ist die beste Vorbereitung für die vollkommene Erlösung, die Ära der wahren Freiheit!
(Likutej Sichot, Band 29, Seite 272)