Paraschat “WAJELECH“ Empfehlung

05. September 2021 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Wajelech

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Paraschat “WAJELECH“

Auszug aus: Zeitlos aktuell - Gedanken zum Wochenabschnitt, von Dr. Zwi Braun

Tragen und getragen werden

Mosche schrieb diese Tora und übergab sie den Priestern, den Söhnen Levis, welche die
Lade des Gʻttesbundes trugen, und allen Ältesten Israels“ (Dewarim 31:9).
Rabbiner S.R. Hirsch macht auf die Tatsache aufmerksam, dass es eigentlich nicht die
Priester waren, welche die Bundeslade trugen:

“Die Bundeslade war sonst von den Leviim des Stammes Kehat zu tragen (Bamidbar
3:31). Allein ausnahmsweise bei besonders hervorragender Gelegenheit wurde sie von
Priestern getragen. So beim Durchzug beim Jarden (Jehoschua 3.3ff.), bei der
Umschreitung Jerichos (Jehoschua 6:6) und bei der endgültigen Einbringung derselben in
das Allerheiligste des von Schlomo erbauten Tempels (Melachim I 8:3). Auch scheint der
Moment der ersten Übergabe der Schrift der Tora an die Priester und Ältesten ein solcher
gewesen zu sein, für welchen die Kohanim mit der Bundeslade zu erscheinen hatten.“

Diese Erklärung finden wir bereits bei Chiskuni. Unter den Ältesten versteht Ibn Esra
die Mitglieder des obersten Sanhedrin. Die Aufgabe der Kohanim beschreibt auch ein
weiterer Vers im Sefer Dewarim: Sie (die Leviim) lehren Deine Ordnungen Jaakow und
Deine Lehre Israel ...“ (31:10). Die Leviim und Kohanim waren nicht nur für den Dienst im
Stiftszelt und später im Tempel verantwortlich, sie waren gleichzeitig die geistigen Führer
des Volkes.

Der Talmud zieht aus der Bezeichnung der Kohanim als Söhne der Leviim eine bis
heute gültige, halachische Schlussfolgerung:

“ein Priester liest aus der Tora als Erster vor, nach ihm ein Levi und nach ihm ein
Israel. Woher weiß ich dies? Es heißt: ʻUnd gab die Lehre den Priestern, den Söhnen
Levisʻ (Dewarim 31:9). Rabbi Matan erwiderte: Weiß ich denn nicht, dass die Priester
Söhne Levis sind? Vielmehr besagt dies dass der Priester dem Levi vorangehe. In der
Schule Rabbi Jischmaels wurde gelehrt: ʻDu sollst ihn heilig haltenʻ (Wajikra 21:8). Bei
jeder heiligen Handlung beginne er zuerst, er spreche über die Mahlzeit den Segen zuerst
und er erhalte bei jeder Mahlzeitverteilung eine gute Portion zuerst“ (Gittin 59b).

Nach der Zerstörung des Ersten Tempels war die Rolle der Lehrerschaft von den
Priestern und Leviim auf die Schreiber und Rabbanim übergegangen. Nach der Zerstörung
des Zweiten Tempels, als die zeremoniellen Aufgaben des Stammes Levi nicht mehr
realisiert werden konnten, waren es die Talmide Chachamim, welche endgültig die geistige
Führung des Volkes übernahmen und letztendes zur Verbreitung der Tora im Volk
beitrugen. Berühmt ist die Episode, in der Rabbi Jochanan ben Sakkai den siegreichen
römischen Feldherren und späteren römischden Kaiser Vespasian um die Gewährung
einer Bitte angeht: “Gib mit Jawne und seine Schriftgelehrten“ (Gittin 56b). Die dortige
Toraakademie war es, welche das Überleben des jüdischen Volkes im Exil nach dem
Verlust der nationalen Unabhängigkeit ermöglichte. Nur das intensive Studium der Tora
unter Anleitung der Gelehren sicherte den Fortbestand des jüdischen Volkes im besetzten
Erez Israel und in der Diaspora. So wurde die Tora wirklich zum Besitz jedes einzelnen
Juden.

Der chassidische Gelehrte Rabbi Meir von Apta geht auf das Tragen der Bundeslade
durch die Kohanim-Leviim näher ein. er zitiert einen Anspruch unserer Weisen, wonach
nicht die Leviim die Bundeslade trugen, sondern umgekehrt die Bundeslade ihre Träger
trug (Sota 35a). Das kann man so verstehen, das den Leviim die Lade aus Gold nicht zur
physischen Last wurde, weil sie durch die darin enthaltenen Zehn Gebote “beschwingt“
wurden und diese ihnen “Flügel“ verliehen. Den gleichen Gedanken finden wir in Pirke
Awot:

Rabbi Nechunja, Sohn Hakanas sagt: Wer das Joch der Tora auf sich nimmt, von dem
entfernt man das Joch der Herrschaft und das Joch des bürgerlichen Lebens. Wer aber
das Joch der Tora abwirft, dem legt man das Joch der Herrschaft und des bürgerlichen
Lebens auf“ (3:6)."

Treffend kommentiert Rabbiner S.R. Hirsch diese Maxime:

Wer sich mit seinem ganzen denkenden und schaffenden Leben in den Dienst der
Tora stellt, den drücken alle diese Lasten nicht, er trägt sie freudig mit als Teil seiner von
Gʻtt ihm auferlegten Bestimmung. Wer aber den Gʻtt schuldigen Toradienst wie ein Joch
abwirft, der meint Wunder, wie frei er sich damit macht, und sieht nicht, wie damit alle
anderen Lasten des politischen und bürgerlichen Lebens erst zu niederdrückenden Bürden
werden ...“

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