Paraschat WAJELECH Empfehlung

09. September 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Wajelech

ב"ה

Paraschat “WAJELECH“

Belebende Parascha
Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart
von Rabbiner Benjamin Sufiev
(Auszug)

ANGESICHT

Unser Wochenabschnitt Wajelech wird in den meisten Jahren am „Schabbat
Schuwa“ (Schabbat zwischen Rosch HaSchana und Jom Kippur) rezitiert. Da es doch
keine Zufälle gibt, muss es einen Zusammenhang zwischen dem Wochenabschnitt und der
Tschuwa geben. Tatsächlich erzählt unser Wochenabschnitt, was auf das jüdische Volk
zukommen würde, wenn es dem Weg G‘ttes den Rücken kehrt. Damit beabsichtigt die
Thora, die jüdischen Herzen aufzurütteln, die Gebote zu erfüllen.
Das ist eine Möglichkeit, Tschuwa zu tun. Doch es gibt auch eine zweite. Bekanntlich
gibt es einen Unterschied zwischen der Tschuwa im Laufe des gesamten Jahres und der
Tschuwa am Schabbat Schuwa. Während die Tschuwa sonst aus Kummer und einem
gebrochenen Herzen erfolgt, wird an diesem Schabbat die Tschuwa von Freude begleitet
(Igeret haTschuwa, Kapitel 11).

Nicht echt

Auch diese Art der Tschuwa wird in unserem Wochenabschnitt angedeutet. So sagt der
Vers: „Mein Zorn wird erglühen und Ich werde sie verlassen und Mein Angesicht vor ihnen
verbergen.“ G‘tt droht mit zweierlei: Wenn das jüdische Volk von dem Weg der Thora
abweicht, wird G‘tt uns verlassen und Seinen Schutz von uns nehmen. Ohne den Schutz
G‘ttes wird das jüdische Volk von viel Unglück heimgesucht werden. Doch außer der Not
des Volkes an sich wird G‘tt auch Sein Angesicht vor uns verbergen und unser Wehklagen
nicht hören.
Doch wenn man diese Verse näher betrachtet, verbirgt sich auch in diesen zornigen
Drohungen die endlose Liebe G‘ttes zu uns. G‘tt sagt uns nicht, dass Er unser Leid und
Wehklagen nicht hören und sehen wird, weil Er seine Ohren und Augen verschließt. Er
verbirgt „nur“ Sein Angesicht vor uns, d.h. Er gibt uns das Gefühl, dass wir alleine sind und
Er unser Leid nicht wahrnimmt, doch tatsächlich kehrt G‘tt uns niemals den Rücken, wie
Raschi kommentiert: „Als ob Ich ihr Leid nicht sehe“ (Raschi zu Dewarim 31:17).

G‘tt leidet mit

Die Verbergung des Angesichts ist nicht echt, sondern nur ein Anschein. G‘tt sagt, dass Er
uns das Gefühl des Alleinseins gibt, um das jüdische Volk aufzurütteln, Tschuwa zu tun.
Dies ähnelt einem Vater, der sich vor seinem aufsässigen Sohn versteckt, um in ihm das
Gefühl des Verlassenseins zu erwecken, damit er beginne, Ihn wieder aufzusuchen.
G‘tt selbst sieht, hört und fühlt nicht nur unser Leid, sondern leidet auch sogar mit, wie
im Prophetenbuch Jeschaja geschrieben steht: „Bei all ihrer Bedrängnis war Ihm (G‘tt)
leid“ (Jeschaja 63:9). Wenn das jüdische Volk leidet, leidet G‘tt mit ihm und wartet
sehnsüchtig, dass die Juden zu Ihm zurückkehren.

Aus Freude

Dies betont und drückt die endlose Liebe G‘ttes zum jüdischen Volk aus, denn sogar wenn
die Juden gegen G‘tt sündigen und Ihm im wahrsten Sinn des Wortes den Rücken kehren,
wendet G‘tt in keinem Moment Sein Angesicht von uns ab, sondern fühlt unser Leid mit.
Auch wenn Er sich vor uns „versteckt“ - und auch das nur, um uns zur Tschuwa zu
bewegen - ist Sein Angesicht nicht in Wirklichkeit verborgen, und G‘tt sieht weiterhin unser
Leid und hört weiterhin unser Wehklagen. Er wartet nur sehnlichst auf unsere Tschuwa!
Diese Erkenntnis muss uns auch in Zeiten der Not mit Freude erwecken und dann wird
auch die Tschuwa aus Freude begangen. Und durch die Tschuwa wird uns G‘tt Sein
barmherziges Angesicht zeigen, uns liebevoll aufnehmen und uns mit allem Segen aus
Seiner weiten, offenen und liebevollen Hand überschütten.

(Likutej Sichot, Band 34, Seite 194)