Paraschat Mischpatim (5778) Empfehlung

16. Februar 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Mischpatim

ב"ה

Paraschat “Mischpatim“ משפטים

Auszug aus: Kommentar von Rabbiner S. R. HIRSCH zum Sefer Schmot
הִנֵּ֨ה אָנֹכִ֜י שֹׁלֵ֤חַ מַלְאָךְ֙ לְפָנֶ֔יךָ לִשְׁמָרְךָ֖ בַּדָּ֑רֶךְ וְלַהֲבִ֣יאֲךָ֔ אֶל־הַמָּק֖וֹם אֲשֶׁ֥ר הֲכִנֹֽתִי׃
„Siehe, Ich sende einen Engel vor dir her, um dich auf dem Wege zu bewahren und
dich an den Ort zu bringen, den Ich bereitet habe.“ (Schemot 23:20)

V.20 In mehrfacher Beziehung steht das Folgende zu dem Vorangehenden. Der letzte
Abschnitt der Mischpatim von Vers 20 des vorigen Kapitels bis zu Ende hat vor allem die
Rechtsgleichheit aller und ihre gegenseitigen Pflichten im künftigen G‘ttesgesetzstaate
aufgrund der G‘tteshörigkeit des Bodens zum Inhalt, und es waren die Wochen- und
Jahresschabbatot sowie die dreimaligen Wanderfeste zur Zeit der Frühlings-, Sommer und
Herbstfortschritte des Jahres mit den sich ihnen anreihenden Bestimmungen als
Pflegerinnen jenes Bewusstseins der G‘tteshörigkeit, sowie des Geistes der
Rechtsgleichheit und in Brüderlichkeit, aufgeführt.
Hieran schließt sich das Folgende:
1. mit der Tatsache, dass Israel den Boden dieses G‘ttesgesetzstaates nicht der eigenen
Tapferkeit verdanken, sondern dass dieser ihm rein nur infolge gehorsamen sich
Unterordnens unter den g‘ttlichen Willen von G‘tt überantwortet werde;
2. dass dieser treue Gehorsam gegen das g‘ttliche Gesetz auch das alleinige Mittel sein
werde, das physische Gedeihen im Land zu sichern, (wie dies ja eben durch die
Hinaufwanderung im Frühling, Sommer und Herbst und das Niederlegen der Erstlinge zu
den Füssen dieses Gesetzes zum steten nationalen und individuellen Ausdruck gelangen
soll);
3. dass es daher durch die Berührung mit den bisherigen Bewohnern dieses Landes, das
ihm nur nach und nach völlig eingeräumt werden werde, sich nicht zu dem
entgegengesetzten heidnischen Wahn betören lassen solle, der das physische Gedeihen
unabhängig von der Verwirklichung des Sittengesetzes begreift und in dieser Anschauung
physische Naturgewalten selbst als Spenderinnen des physischen Gedeihens vergöttert;
4. dass vielmehr auf dem Boden dieses G‘ttesgesetzstaates keine Spur jener heidnischen
Götterverirrungen geduldet werden, und, wenn die soziale Gesetzgebung auf dem Prinzip
der Rechtsgleichheit aller sich vor allem auch in der Gleichheit des “Fremden“ vor dem
Gesetz aussprechen soll, dies an die Bedingung sich knüpft, dass er aufgehört habe,
heidnischer Götzendiener zu sein.
הנ ה אנכי שלח מלאך
Wir haben bereits zu המלאך הגאל (Bereschit 48:16) bemerkt, wie durch מלאך nicht immer ein
individuelles, menschliches oder übermenschliches Wesen verstanden sein muss, sondern
auch eine jede von G‘tt für einen Zweck gesendete Veranstaltung überhaupt darunter
verstanden werden kann. Man würde es hier in der Bedeutung “Engel“ oder in jener
allgemeinen Bedeutung: “Fügung, Sendung“, buchstäblich ja: “Schickung“ verstehen
können, wenn nicht Vers 21 und 22 von dem diesem מלאך zu leistenden Gehorsam und den
durch ihn zu erteilenden G‘ttesbefehlen die Rede wäre. Wir finden nicht, das G‘tt durch
einen Engel dem Volk Befehle erteilen ließ, und müssten daher, selbst wenn man es in
jener allgemeinen Bedeutung verstehen wollte, doch darunter speziell auch Mosche mit
inbegreifen, der ja jedenfalls mit in bedeutendem Maße zu den Werkzeugen und
Veranstaltungen gehörte, durch welche G‘tt Israels Geschick vollzogen werden ließ. Mit
Beziehung auf die Stelle וישלח מלאך ויצאנו ממצרים (Bamidbar 20:!6), wo unter מלאך speziell Mosche
verstanden wird (siehe: Wajikra Rabba 1:1, wo auch Schoftim 2:1 als auf eine Bezeichnung
Pinchas als מלאך hingewiesen wird), glauben wir, dass es nicht fern liegen dürfte, unter dem
vor Israel hergesandten “G‘ttesboten“ hier auch speziell Mosche zu verstehen. Jedenfalls
ist hier gesagt, dass, so wie ihr Schutz auf der Wanderung durch die Wüste offenbar nur
unmittelbares Werk g‘ttlicher Allmacht ist, also auch die Einnahme des verheißenen
Landes, אשר הכנתי , das G‘tt ganz speziell als Boden für das Volk Seines Gesetzes
vorbereitet hat, rein nur das Werk derselben G‘ttesmacht und nicht eine Errungenschaft
menschlichen Schwertes sein soll. - מקום , hier für das ganze Land als Stätte ( מ) des
Volksbestandes ( קום ), vgl. Kommentar zu Bereschit 18:23-25. - הכנתי , die dem Lande Palästina
verliehene Bodeneigentümlichkeit und klimatische Beschaffenheit entspricht ganz der
Bestimmung, dass sich darauf das vom G‘ttesgesetze und G‘ttesgeiste getragene
Volksleben entwickle (vgl. Dewarim 11: 10-12).

Auszug aus: Midrasch Tehillim
("Paraschat haSchawua in den Tehillim/Psalmen", zusammengestellt von Baruch ben Mordechai HaKohen)
„Siehe, Ich sende einen Engel vor dir her, um dich auf dem Wege zu bewahren und dich an
den Ort zu bringen, den Ich bereitet habe“ (Schemot 23:20)
Midrasch Tehillim 17:3
Eine andere Auslegung: Vers 2. Von Dir geht mein Recht aus. David sprach vor dem
Heiligen, gelobt sei Er: Keiner kann Sünden vergeben als Du, darum heißt es: Von Dir geht
mein Recht aus. R. Levi hat gesagt: In der Stunde, da der Heilige, gelobt sei Er, einen
Engel zu den Israeliten sandte, um vor ihnen herzugehen, was steht da? „Siehe, Ich sende
einen Engel vor dir her“ (Schemot 23:20). Darauf folgt: „Hüte dich vor ihm … denn Mein Name
ist in ihm“ (dort V. 21). R. Levi hat gesagt: Was heißt da: „Denn Mein Name ist in ihm?“
Täfelchen ( טבלרין , tabulae) des Heiligen, gelobt sei Er, sind nämlich in das Herz der Engel
eingegraben, wie eine Art Feldherr ( איסטרטיגוס , griechisch). Das ist, was geschrieben steht: “Die
Wagen G-ttes sind zwei Myriaden, tausend und abertausend. Der Ewige ist in ihnen, der
Sinai im Heiligtum“ (Tehillim 68:18), d.i. der Name des Heiligen, gelobt sei Er, ist verbunden,
z. B. wie 5[. ר פ אל, או רי אל, ג ב רי אל, מי כ אל ] Und warum sprach Er zu ihnen: „Hüte dich vor ihm
und höre auf seine Stimme und sei nicht widerspenstig gegen ihn“ (Schemot 23:21)?
Weltbrauch ist es (d.i. gewöhnlich kommt es vor), dass ein König alles tun kann, was er
will: Wenn er über eine Provinz eine Bestrafung verhängt und sie kommen und bitten ihn,
so erhört er sie, vielleicht auch, wenn der König zu ihnen einen Archonten schickt, um
hundert Pfund einzutreiben, und die Bewohner der Provinz ihn bitten, die Summe zu
verringern, können sie abbrechen von dem, was der König befohlen, und wenn es nur eine
Peruta wäre? Darum heißt es: „Denn er wird gegen euern Frevel nicht nachsichtig
sein“ (dort), d.i. er kann ihnen nichts erlassen. Warum nicht? Weil er der Gesandte ist. So
sprach auch David vor dem Heiligen, gelobt sei Er: Herr der Welt! Weil nur Du und keiner
außer Dir erlassen kann, so geht von Dir mein Recht aus.
Midrasch Tehillim 90:9
Vers 1. Gebet von Mosche, dem Manne G-ttes. Als die Israeliten aus Ägypten zogen, erhob
sich Mosche und betete und sprach: Ich kenne den Weg nicht, wie es heißt: „Tue mir doch
kund Deine Wege“ (Schemot 33:13). Der Heilige, gelobt sei Er, sprach zu ihm: „Siehe, Ich
sende einen Engel vor dir her“ (dort 23:20). Mosche erwiderte: Selbst wenn Du so und so
viele Engel sendest, „Zieht Dein Antlitz nicht voran, so führe uns nicht herauf von hier“ (dort
33:15). Der Heilige, gelobt sei Er, sprach zu ihm: Siehe, Ich erfülle deinen Beschluss, wie es
heißt: „Mein Angesicht soll voran ziehen und Ich werde dir Ruhe verschaffen“ (dort V. 14).