Paraschat “MISCHPATIM“ Empfehlung

07. Februar 2021 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Mischpatim

ב"ה

Paraschat “MISCHPATIM“

aus:
Belebende Parascha
Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart
von Rabbiner Benjamin Sufiev

DER ERFINDER DER LOGIK

Nachdem das jüdische Volk letzte Woche die Thora erhalten hat, bekommt es in dieser
Woche den ersten Unterricht von Mosche in Sachen Gebote. Wie lautet das Thema des
Unterrichts? - „Mischpatim“, zwischenmenschliche Gebote.

Doch es ist eigenartig, dass die Thora uns unmittelbar nach ihrem Erhalt gerade die so
rationalen Gebote mitteilt, die doch jeder schon kennt, als ob die Thora nichts
Geheimnisvolleres anzubieten hätte. Die Offenbarung G‘ttes am Sinai diente doch dazu,
eine Bindung zwischen Schöpfer und Mensch ins Leben zu rufen. Ihr Hauptanliegen
besteht nicht darin, für gute zwischenmenschliche Beziehungen zu sorgen. Das kann die
Menschheit wohl selbst.

Tatsächlich aber will die Thora den engen Zusammenhang zwischen der
G‘ttesoffenbarung am Sinai und den Mischpatim betonen, indem sie das sogar mit dem
Bindewort „und“ (... das sind die Vorschriften), mit dem unser Wochenabschnitt beginnt,
ausdrückt. „Denn so wie die ersten Gebote vom Sinai stammen, so auch diese“, heißt es in
Raschis Kommentar (Raschi zu Exodus 21:1). Wir sollen also nicht meinen, dass die
Mischpatim deshalb zu erfüllen sind, weil sie uns logisch erscheinen. Auch bei diesen liegt
es an uns, sie zu vollbringen - nur der g‘ttlichen Aufforderung wegen, eben weil sie vom
Sinai stammen!

Wer bestimmt die Logik?

Einer tieferen Erklärung zufolge hat schon die alleinige Tatsache, dass gewisse Gebote mit
unserem Verständnis harmonisieren, ihren Ursprung in der G‘ttesoffenbarung! Wenn G‘tt
damals nicht festgelegt hätte, dass z.B. stehlen verboten sei, wäre für den Menschen bis
heute dieser Akt genauso natürlich wie essen und schlafen!

So teilten sich die Mitzwot in zwei allgemeine Gruppen: Es gibt solche, deren Wesen
das menschliche Verständnis überschreiten, und solche, bei denen der g‘ttliche Wille sich
in den Verständnisbereich des Menschen einpflanzt und der Mensch selbst die
Notwendigkeit dieser Gebote einsieht. Diese Einsicht aber ist auch g‘ttgegeben. Da doch
die Thora der Bauplan der Welt ist und G‘tt in ihr festlegt, dass der Sinn gewisser Gebote
verständlich sei, wurde der Mensch schon nach diesen Kriterien von Anfang an konstruiert.

Der zivilisierte G‘tt

Aber nicht nur das jüdische Volk hat die Mischpatim auf eine solche Weise zu erfüllen.
Selbst Nichtjuden, die „Söhne Noachs“, sollen ihre „Sieben Noachidischen Gebote“ (welche
großteils auf zwischenmenschlichem Niveau stehen) vor allem deswegen einhalten, weil
sie g‘ttgegeben sind. „Da G‘tt sie ihnen in Seiner Thora befohlen hatte“, schreibt Rambam
und fügt hinzu: „Aber wer sie aus eigener Einsicht erfüllt, zählt nicht zu den Gerechten der
Welt und hat keinen Anteil an der künftigen Welt!“

Das Fundament des Judentums

Auf diesem Grundsatz baut das gesamte Judentum auf. Alle unsere Handlungen müssen
an den g‘ttlichen Willen gebunden sein! Nicht unser Verständnis soll im Mittelpunkt stehen,
sondern der Wille G‘ttes, welcher unseren Verstand zu formen hat! Der Unterschied
zwischen den „Chukim“ (Geboten, die wir nicht begreifen) und den „Mischpatim“ besteht
nur darin, dass bei den ersteren der Erfüllende sein Verständnis völlig beiseite legt und sich
dem Willen G‘ttes vollkommen hingibt, bei den Mischpatim aber sehr wohl die Logik des
Gebots verstehen soll, doch mit der Erkenntnis, dass selbst dieses Verständnis vom
Schöpfer entspringt.

Von der perfekten Kombination zwischen dem Willen G‘ttes und dem irdischen
Verständnis erfahren wir zur vollkommenen Erlösung, aber schon heute sind wir Zeugen
von anfänglichen Zeichen; als nämlich die Nationen der Welt ihres Verständnisses wegen
beschlossen, gegen Kriege anzukämpfen und deren Waffen für friedliche Zwecke zu
gebrauchen, gravierten sie auf das UNO-Gebäude den Vers aus dem Prophetenbuch
Jeschajahu: „Und sie werden stumpf machen ihre Schwerter zu Sicheln“ (Jeschajahu 2:4),
als Ausdruck dafür, dass die Kraft, das Zerstören zu beenden und Frieden zu schaffen,
einem Vers der Thora entspringt - eben vom Sinai!

(Sefer haSichot 5752, Band 2, Seite 366)

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