Paraschat “Schmini“ Empfehlung

20. März 2022 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Schemini

ב"ה

Paraschat “Schmini“

Belebende Parascha
Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart
von Rabbiner Benjamin Sufiev
(Auszug)

Die Gemeinde
Die Gebote über die Reinheit und Unreinheit gehören zu den Grundelementen des
Judentums. Sie regeln die jüdische Küche, die Beziehungen eines jüdischen Paares, und
im Allgemeinen bilden sie den Schlüssel für die Bindung des Menschen zu seinem
Schöpfer.
Gerade wegen ihrer außerordentlichen Wichtigkeit spielt die Glaubwürdigkeit eines
Menschen auf diesem Gebiet eine enorme Rolle. Die Halacha (Rambam, Hilchot Metame
Mischkaw uMoschaw, Kapitel 11:1) setzt fest, dass das “einfache Volk“ (dessen
Thorakenntnisse sehr gering sind) in Bezug auf strenge Unreinheiten glaubwürdig ist, aber
nicht bei leichten Unreinheiten.
Wenn jemand aus dem einfachen Volk z.B. behauptet, mit keinem Toten in Berührung
gekommen zu sein, was als “Vater aller Unreinheiten“ gilt, glaubt man ihm, da es sich um
eine sehr strenge Unreinheit handelt und er sicherlich achtsam war, sich nicht
“anzustecken“. Und selbst, wenn er verunreinigt wurde, reinigte er sich sicherlich
ordnungsgemäß. Aber bei leichten Unreinheiten kann man sich nicht auf jemanden aus der
breiten Masse verlassen, da in seinen Augen leichte Unreinheiten weniger wichtig sind und
er mit ihren Vorschriften nicht so vertraut ist.

Zu Ehren des Festes

Es gibt jedoch gewisse Zeiten, in denen dem ganzen Volk dieselbe Glaubwürdigkeit
sogar in Bezug auf einfache Unreinheiten zugeschrieben wird, und zwar an den drei
Wallfahrtsfesten Pessach, Schawuot und Sukkot, zu denen das Volk nach Jeruschalajim
pilgerte. Rambam begründet diesen Ausnahmefall folgendermaßen: “Denn alle Juden
gelten als ‘Freunde‘ (der Thora - d.h. gelten als Gelehrte) bei den Festen, weil ganz Israel
sich zu Ehren des Festes reinigt“ (Rambam, Hilchot Metame uMoschaw, Kap. 11:9).
Und was geschieht nach dem Fest? Rambam fährt fort: “Nach dem Fest kehrt das
einfache Volk zu seiner Unreinheit zurück“. Mit Ende des Festes also verliert die breite
Masse wieder an Glaubwürdigkeit und gilt wiederum als unrein.
Der Gesetzesschluss von Rambam scheint unverständlich: Wenn das einfache Volk
als unrein gilt, sollte dieser Status auch während des Festes erhalten bleiben; und wenn
dem Volk bezüglich der leichten Unreinheiten vertraut wird, da es sich zu Ehren der Feste
davon reinigt, weshalb betrachtet man es unmittelbar nach dem Fest wieder als unrein?

Die Versammlung

Der Talmud führt verschiedene Gründe für diese Vorschrift an:
Im Jerusalemer Talmud heißt es, dass die “Pilgerfahrt nach Jeruschaljim das ganze
Volk reinigt“ (Talmud Jeruschalmi, Chagiga, Kap. 3:6). Dies sei die Stadt, die alle
miteinander verbindet und ganz Israel zu “Freunden“ (der Thora - d.h. zu Gelehrten) macht.
Als Vorbereitung für die Pilgerfahrt nach Jesuschalajim reinigt sich nämlich jeder Jude auch
von der kleinsten Unreinheit, selbst wenn er während des Jahres leichten Unreinheiten
weniger Beachtung schenkt. Doch nach den Festen, wenn man die heilige Atmosphäre
Jeruschalajims verlassen hat, wird man wieder gegenüber den leichten Unreinheiten
unachtsam.
Dem Babylonischen Talmud zufolge (Talmud Chagiga 26a) führt schon allein die
gemeinsame Versammlung ganz Israels zur Reinheit des einfachen Volkes. Der Talmud
erklärt dies mit dem Vers aus dem Buch der Richter: Und es versammelte sich ganz Israel
in der Stadt, wie verbündete Freunde (Richter 20:11). Wenn Juden sich versammeln,
werden sie alle zu “Freunden“ (der Thora - d.h. zu Gelehrten).

Ein mächtiges Ganzes

Beim Zusammentreffen von Juden an einem Ort also “verschwindet“ die Individualität
des Einzelnen - es entsteht die Gemeinde, welche einen neuen Status erlangt: vollkommen
rein! Das ist eine vereinte jüdische Gemeinde! Es besteht hierbei nicht nur der
gesellschaftliche Vorteil; in einer vereinten jüdischen Gemeinde ruht immer G‘tt,
unabhängig davon, welchen Status sie hat (selbst wenn sie unrein ist)! Denn ein
vereinigtes jüdisches Volk offenbart das wahre Wesen jedes Juden, dass nämlich sein
Innerstes immer rein und an G‘tt gebunden bleibt (durch seine g‘ttliche Seele), so dass
keine Unreinheit auf der Welt ihn erfassen kann - “alle Juden sind Freunde“!
(Likutej Sichot, Band 37, Seite 20)

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