Paraschat „WAJISCHLACH“ Empfehlung

29. November 2020 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Wajischlach

ב"ה

Paraschat „WAJISCHLACH“

aus:
Belebende Parascha
Thora-Deutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart
von Rabbiner Benjamin Sufiev

Jaakow und Israel

Der Ursprung für die „internationale“ Bezeichnung des jüdischen Volkes - Israel - liegt in
unserem Wochenabschnitt, in welchem wir zum ersten Mal in der Thora auf den
Volksnamen der Hebräer stoßen.
G‘tt benannte Jaakow mit diesem Namen, nachdem er mit dem Engel Esaws rang und
ihn überwältigte. Darauf segnete ihn G‘tt: „Nicht Jaakow heißt fortan dein Name, sondern
Israel; denn um den Vorrang gekämpft hast du mit g‘ttlichen Wesen und mit Menschen und
hast gesiegt.“
Das jüdische Volk sind die Nachkommen Jaakows. Die zwei Namen des Patriarchen
sind deshalb auch die allgemeinen Bezeichnungen für das jüdische Volk. Manchmal wird
es „Jaakow“ genannt und zu anderen Zeiten „Israel“.

Sohn und Knecht

Die Lehre der Chassidut erklärt, dass „Jaakow“ und „Israel“ zwei verschiedene Zustände in
der Beziehung des jüdischen Volkes zu G‘tt darstellen. Es gibt Zeiten, in denen die Kinder
Israels als „Knechte G‘ttes“ gelten, und andere, in denen sie Seine „Söhne“ sind. Das
jüdische Volk als „Knecht“ drückt sich in „Jaakow“ aus, wie es heißt: „Und nun höre, Mein
Knecht Jaakow.“ Wenn es aber eine Beziehung mit G‘tt als „Sohn“ aufnimmt, wird das
jüdische Volk „Israel“ genannt - „Mein Sohn, Mein Erstgeborener, Israel.“
Der Unterschied zwischen der Beziehung eines Sohnes zu G‘tt und der eines
Knechtes ist eindeutig. Während der Sohn den Willen seines Vaters mit Freude und
Lebenslust erfüllt, würde der Knecht hingegen nicht selten die Anordnung seines Herrn
verweigern wollen. Sehr oft sogar erfüllt der Knecht nur seine Aufgabe, weil er keine
andere Wahl hat.

Der Fürst in dir

In der Beziehung zu G‘tt kann der Jude seinen Dienst an G‘tt - die Erfüllung der Thora und
ihrer Mitzwot - mit Freude und Herzenslust angehen wie der Sohn; oder er dient Ihm wie
ein Knecht, unwillig und aus Zwang.
Der Jude auf der Stufe von „Israel“ eifert freudig danach, den Willen seines Schöpfers
zu erfüllen; er führt keinen inneren Kampf, in welchem er sich überwinden muss, die
Mitzwot zu erfüllen. In der Lage des „Jaakow“ aber ist die Beziehung des Juden zu G‘tt viel
schwächer. Innere Triebe kämpfen gegen ihn an, und er muss harte Gefechte führen, um
schließlich gezwungenermaßen den Willen G‘ttes zu vollbringen.
Diese zwei Zustände drücken sich auch in den Namen „Jaakow“ und „Israel“ aus. In
„Jaakow“ steckt das hebräische Wort für „Ferse“ ( עקב ), welche ja der gröbste Teil des
Körpers ist, so wie der Knecht seinen Dienst auf „grobe Weise“ - ohne Freude und
gefühllos - erfüllt. „Israel“ aber ist eine Zusammenstellung der hebräischen Wörter für
„Fürst“ ( שר ) und „G‘tt“ ( א-ל ), mit der Bedeutung, dass bei dem „Sohn“ die g‘ttliche Seite der
Fürst ist und nicht der innere Trieb.

Liebe auf den ersten Blick?

Der wahre Dienst an G‘tt ist eine Beziehung zu Ihm aus Liebe. Dieses Niveau kann man
aber nicht sofort erreichen; ihm ist die Stufe des „Jaakow“ voran zu stellen. Mit G‘tt ist es
nicht Liebe auf den ersten Blick. Hochachtung, Liebe und Ehrfurcht zu Ihm müssen
entwickelt werden.
Wenn nun jemand darüber klagt, dass die Erfüllung der Gebote ihm schwer fällt und er
nicht immer Freude daran hat, muss er einsehen, dass die Annäherung zu G‘tt mit der
Stufe des „Knechts“ beginnt. Mit dem Kennenlernen der Wege G‘ttes und der Erkenntnis
Seiner Größe und gewaltigen Liebe zu uns erreicht der Mensch schließlich das Niveau des
„Sohnes“. G‘tt „kennenlernen“ kann man vor allem durch das Thorastudium.
Zu Beginn der Annäherung an G‘tt versuchen innere Triebe mit allen Mitteln, den
„G‘ttesdiener“ zu verwirren, und kämpfen hemmungslos gegen ihn an. Sobald er aber
seinen inneren Trieben standfest entgegentritt - mit Entschlossenheit und dem richtigen
Starrsinn - gelingt es ihm letztlich, sie so sehr zu unterdrücken, dass das jüdische Leben im
Lichte der Thora und ihrer Mitzwot zur Herzensfreude und wahrem Genuss wird!
(Likutej Sichot, Band 1, Seite 34)