Paraschat TRUMA Empfehlung

14. Februar 2021 geschrieben von   Channa Rachel Freigegeben in Trumah

ב"ה

Paraschat TRUMA תרומה

Auszug aus: Studien zu den wöchentlichen Tora-Vorlesungen
von Nechama Leibowitz

Das Stiftszelt

Die Sidra ist dem Bau des Stiftszeltes gewidmet und beginnt mit dem Befehl an
Mosche, die Israeliten zu Beiträgen für dessen Bau aufzufordern. Die Frage ist, wann
dieser Befehl ausgesprochen wurde. Die beiden Midraschim Rabba und Tanchuma setzen
den gleichen Zeitpunkt fest. Im Midrasch Rabba (33:3) wird der Vers 5:2 aus dem Lied der
Lieder zitiert: “Ich schlafe, doch mein Herz wacht, die Stimme meines Geliebten klopft.“ Der
Schlaf wird als Verzweiflung nach der Sünde des Goldenen Kalbes interpretiert, doch das
wache Herz kann immer noch durch das Klopfen Gʻttes erreicht werden, der dem Volk ein
“Inneres“, nämlich das Heiligtum, gibt. Im Midrasch Tanchuma wird genau der Tag des
Befehls an Mosche bestimmt, nämlich der Jom Kippur, nach jenen hundertzwanzig Tagen,
die Mosche in Serien von dreimal vierzig Tagen auf dem Berg Sinai verbrachte. Das
Stiftszelt soll, so der Midrasch Tanchuma, ein Zeichen für die Völker sein, dass Gʻtt Israel
das Vergehen des Goldenen Kalbes verziehen hat: “Gʻtt sagte: ʻDas Gold im Stiftszelt soll
zur Sühne sein für das Gold, aus dem das Kalb gemacht war.ʻ “

Beiden Midraschim zufolge war die Erzählung vom Goldenen Kalb, deren Text nach
Truma in der Sidra Ki Tisa folgt, chronologisch davor gelegen. Derselben Meinung ist auch
Raschi, der eine chronologische Abfolge in der Tora-Erzählung verneint und festlegt, am
17. Tamus habe Mosche die ersten Bundestafeln zerschlagen, am Jom Kippur (also fast
drei Monate später) habe Gʻtt Seinen Wunsch nach einem Heiligtum geäußert, und am Tag
danach habe das Spenden dafür begonnen.

Sforno gibt zwei Belegstellen an, um zu zeigen, dass die Rede vom Stiftszelt erst nach
dem Goldenen Kalb aufkam: Erstens der Vers: “In die Lade lege das Zeugnis (die
Bundestafeln), das Ich dir geben werde“ (Schmot 25:21). Gemeint ist das zweite, nach dem
Goldenen Kalb gehauene Paar der Tafeln, von den ersten kamen ja nur noch die
Bruchstücke in die Bundeslade. Zweitens die Weihe Aharons zum Priesteramt, nachdem
die Leviten, denen Aharon und Mosche entstammten, erst nach dem Goldenen Kalb zum
Tempeldienst bestimmt worden waren. Doch von welcher Bedeutung ist überhaupt der
Zeitpunkt des göttlichen Befehls?

Obwohl die Midraschim in der Datierung des Befehls übereinstimmen, interpretieren
sie seinen Sinn verschieden. Nach dem Midrasch Rabba ist die Aufforderung, das Stiftszelt
zu bauen, Gʻttes Zeichen dafür, dass Gʻtt sich des Volkes wieder annimmt. Der Kommentar
Zeda laDerech betont deshalb die Wendung: “Und sie werden Mir ein Heiligtum machen
und Ich werde in ihnen wohnen“ (nicht: in ihm) (Schmot 25:8). Das Volk, nicht das Zelt, ist
der Wohnsitz Gʻttes. Im Midrasch Tanchuma geht es auch um ein Zeichen für die Völker.
Schließlich zitiert der Midrasch Tanchuma auch den Satz in Jirmijahu 30:17: “Ich lasse
Wundhaut dich überziehen, von deinen Schlägen heile Ich dich“, so spiegelt dies die
Absicht wider, dass das Stiftszelt als direkte Reaktion und Heilung gegenüber dem
Goldenen Kalb erfolgt, um den Gʻttesdienst aus dem Gedanklichen ins Sinnliche zu
transportieren, welches das Volk offensichtlich braucht.

In Jirmijahu 7:22-23 heißt es: “Denn Ich sprach nicht zu euren Vätern und befahl ihnen
nicht am Tage, da Ich sie aus Mizrajim führte, über Dinge der Ganzopfer und Opfer,
sondern nur diese Sache befahl Ich ihnen wie folgt: Hört auf Meine Stimme, und Ich werde
euch zum Gʻtt sein, und ihr werdet Mir zum Volk sein, und ihr geht auf dem ganzen Weg,
den Ich euch befehlen werde, damit es euch gut gehe“. Die Frage ist deutlich und wird
auch in MaimonidesFührer der Verirrten“ gestellt: Wie kann Jirmijahu behaupten, Gʻtt
hätte keine Opfer befohlen? Es werden dort zwei Erklärungen gebracht. Einer von ihnen
betont die Wendung “am Tage, da Ich sie aus Mizrajim führte“, was also hieße, dass das
Stiftszelt nicht vom Anfang des Exodus an vorgesehen war und erst angesichts der
Abhängigkeit der Israeliten von sinnlichen “Symbolen“ befohlen wurde, als “Wundhaut“, als
Heilung von den Irrwegen des Sinnlichen.

Es gibt einen Midrasch Aggada, der in der Form eines Dialogs zwischen Israel und Gʻtt
diese Kompromissfunktion des Stiftszeltes hervorhebt. Das Volk will, gleich anderen
Völkern seinen Königen, Gʻtt einen Prachtbau erstellen. Gʻtt, der nichts Materiellem
bedürftig ist, willigt schließlich dem drängenden Volk zuliebe ein: “Wenn es so ist, tut, was
ihr wollt, aber tut es, wie Ich es euch befehle.“

Warum aber muss dieser Befehl, wenn er nach dem Goldenen Kalb ausgesprochen
wurde, vorgezogen erwähnt werden? Rabbenu Bechaje erklärt, hier sollte gezeigt werden,
dass Gʻtt das Heilmittel schon bereithalte, wenn Er die Strafe schicke.

Nach Meinung des Nachmanides jedoch stimmt der Toratext mit der Reihenfolge der
darin berichteten Ereignissen überein. Somit ist das Stiftszelt nicht ein nachträglicher
Kompromiss, kein Heilmittel, sondern eine von Anbeginn vorgesehene Institution, ein
Geschenk Gʻttes an Sein Volk, ein Zeichen Seiner Nähe und Gegenwart.

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